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Bankenkenner Schick: "Zu viel Kriminalität im Finanzsystem" | BR24

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Gerhard Schick im B5-Podcast "Extra Coronavirus: Wege aus der wirtschaftlichen Krise" (Hörfunk-Sendefassung)

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Bankenkenner Schick: "Zu viel Kriminalität im Finanzsystem"

21. August 2020: Die Corona-Krise hat die Wirtschaft schwer getroffen. Eine Pleitewelle könnte zudem eine neue Bankenkrise auslösen. Gerhard Schick von der "Bürgerbewegung Finanzwende" fordert deshalb in unserem Podcast eine Reform der Finanzbranche.

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Von
  • Rigobert Kaiser
  • Christine Bergmann

Ende August 2020: In der letzten Folge des Podcasts "B5 Extra Coronavirus: Wege aus der wirtschaftlichen Krise" (hier auch in der Langfassung als Download) geht es um die Banken und unser Finanzsystem. Wie steht das eigentlich da? Und was müssen wir jetzt unbedingt bedenken oder korrigieren?

Wir suchen Antworten bei Gerhard Schick. Er ist Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende. Früher war er mal finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Und er zieht direkt eine Parallele zu damals. Nach der Bankenkrise vor zehn Jahren wurden in Deutschland die Landesbanken und die teilverstaatlichte Commerzbank mit Hilfe der Steuerzahler gerettet. Dass erst Ende des vergangenen Jahres dann auch noch die NordLB mit Steuergeld aufgefangen werden musste, wertet Gerhard Schick von der "Bürgerbewegung Finanzwende" als ein ungutes Signal: "Das heißt, das Bankenretten hat seit 2007 gar nicht aufgehört. Und ist unmittelbar in die neue Welle von Corona-Krise übergegangen."

Schick kritisiert, dass immer nur kurzfristig das System stabilisiert werde, in der Krise aber dann Maßnahmen getroffen werden, die eine nächste Krise wahrscheinlicher machen. "Wir kommen aus diesem Immer-Wieder-Krise nicht raus."

Viele Banken stehen auf wackeligen Beinen

In Deutschland haben die Deutsche Bank und die Commerzbank noch immer kein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden. Die Geldhäuser, so Gerhard Schick, stünden weiterhin auf wackeligen Beinen. Viele Banken hätten nur einen Eigenkapitalpuffer von fünf Prozent.

"Wir fordern als Bürgerbewegung Finanzwende einen Eigenkapitalpuffer von mindestens zehn Prozent." Gerhard Schick, Bürgerbewegung Finanzwende

Zum Vergleich: Viele Unternehmen verfügen über 20 bis 30 Prozent Eigenkapital und kommen mit diesen üppigen Finanzpolstern bislang sehr gut durch die Krise.

Es gibt zu viel Kriminalität im Finanzsystem

Schick verweist auf das Beispiel Kanada. Strenge Eigenkapitalvorschriften und ein Verbot von Großfusionen hätten dazu beigetragen, dass das nordamerikanische Land keine einzige Großbank retten musste. Dem deutschen Finanzsystem stellt der ehemalige Grünen-Politiker ein schlechtes Zeugnis aus. "Es gibt viel zu viel Kriminalität in unserem Finanzsystem. Cum-Ex-Geschäfte mit Milliardenverlusten für den deutschen Steuerzahler. Jetzt Wirecard als großer Betrugsskandal."

Der Fall Wirecard zeige, dass die deutsche Bankenaufsicht rund um die BaFin schlecht aufgestellt und schnell überfordert sei. Die Aufsicht müsse dringend neu und effizient organisiert werden, auch aus gesellschaftspolitischen Gründen. Denn: "Finanzkrisen haben ja eine gefährliche Wirkung. Sie vergiften die Gesellschaft. Sie führen zu sehr starker Umverteilung von unten nach oben."

Warnung vor zu viel Macht der Hightechfirmen

In diesem Zusammenhang spricht sich Schick ganz klar dagegen aus, dass amerikanische Hightech-Giganten wie Facebook, Amazon oder Google eigene Banken gründen oder sogar Währungen einführen. "Sie sind in ihrem Bereich schon gefährliche Monopolisten oder Oligopolisten. Ich halte es für falsch, zuzulassen, dass sie diese Marktmacht auch noch in den Finanzbereich übertragen." Der ehemalige Finanzexperte der Grünen plädiert für ein Europa, das zusammenhält, sich reformiert und zusammenwächst. Die jüngsten Gipfelbeschlüsse, dass die EU erstmals eigenes Geld an den Finanzmärkten aufnehmen dürfe und dadurch schlagkräftiger werde, seien ein erster Schritt in die richtige Richtung.

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