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Wissenschaftler Neugebauer will robustere Lieferketten | BR24

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Reimund Neugebauer im B5-Podcast "Extra Coronavirus: Wege aus der wirtschaftlichen Krise" (Hörfunk-Sendefassung)

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Wissenschaftler Neugebauer will robustere Lieferketten

17. Juli 2020: Corona hat gezeigt, dass es schwierig wird, wenn Lieferketten abreißen. Sie müssen besser organisiert werden, sagt Reimund Neugebauer. Solidarität bleibe aber wichtig, so der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft in unserem Podcast.

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Von
  • Margit Siller
  • Christine Bergmann

Mitte Juli 2020: Die ersten Wochen der Corona-Pandemie sind vorbei. Zu Beginn haben viele Menschen ein gemeinsames Vorgehen der Europäischen Union vermisst. Das soll sich künftig ändern, meinen nicht nur viele Politiker in Brüssel, sondern auch führende Wissenschaftler.

Sie haben dabei vor allem den Zugang zu Schlüsseltechnologien im Blick. Dazu gehört auch die Frage, wie abhängig sich ein Land oder ein Staatenverbund wie die EU von anderen Ländern machen wollen - beim Umgang mit sensiblen Daten oder bei der eigenen Energieversorgung.

Richtiger Zeitpunkt zum Nachdenken über Lieferketten

Wir stecken zwar noch mitten in der Coronakrise - dennoch ist nun ein guter Zeitpunkt, um zu schauen, wie wir künftig besser mit solchen Situationen umgehen können. Das meint Professor Reimund Neugebauer, der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, in der neuen Folge des Podcasts "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise". (hier auch in der Langfassung als Download abrufbar).

Bereits jetzt stehe fest, dass die Lieferketten künftig robuster werden müssen. Dies sei eine der zentralen Lehren, so Neugebauer. Schnell habe man festgestellt, dass die Lieferketten an ihre Grenzen gekommen seien und das Land technologisch an bestimmten Stellen nicht mehr souverän gewesen sei. "Und wenn Sie technologisch nicht mehr souverän sind, ist der Weg zu politischer Abhängigkeit nur noch ein ganz kleiner Schritt."

Europaweite Souveränität gefragt

Reimund Neugebauer ist nicht nur Wissenschaftler. Er berät auch die Bundesregierung, als Co-Vorsitzender im Hightech-Forum. Dieses Gremium gibt Empfehlungen, wie die Hightech-Strategie 2025 umgesetzt werden soll.

Hier rät er, zumindest europaweit, auf Souveränität zu achten. Man müsse dafür Sorge tragen, dass im Zweifelsfalle für die Menschen Sorge getragen werden könne, sodass das Gemeinwohl und das Wohl des Einzelnen erhalten bleibe.

Gute Zensuren für das deutsche Konjunkturpaket

Für das in Berlin beschlossene Konjunkturpaket gibt er gute Noten. Auch weil es zentrale Themen der Forschung berücksichtige - wie den Zugriff auf Spitzentechnologie.

Wie man es von einem promovierten Ingenieur erwarten würde, fällt sein Urteil mit Blick auf die Europäische Union allerdings ernüchternd aus: "Die Pandemie hat uns gezeigt, dass wir quasi keine handlungsfähige Europäische Union sind, sondern wirklich ein Verbund aus Nationalstaaten, die im ersten Ansturm von Gefahr die Zugbrücken alle hochzogen." Und das sei künftig zu vermeiden. Hier sei die größte Baustelle, so Neugebauer.

Künftige Energieversorgung braucht Wasserstoffnetzwerk

Dazu gehöre auch die Frage, wie abhängig sich Deutschland von Energieimporten machen will. Auch bei der Energieversorgung sieht Neugebauer die EU deshalb als entscheidenden Akteur - gerade mit Blick auf die Wasserstofftechnologie.

Die aus seiner Sicht größte Herausforderung ist, ein deutschland- oder europaweites Wasserstoffnetzwerk aufzubauen. Das sei nötig, um den Anteil der Erneuerbaren Energien auszubauen und Wasserstoff auch für die Mobilität nutzbar zu machen.

Hier brauche es ein Tankstellennetz, das dem heutigen für Benzin und Diesel vergleichbar sei. "Aber hier bedarf es auch der Transparenz des Vorgehens, der Aufklärung der Bevölkerung, dass wir das technisch so im Griff haben, dass nicht jeder Angst hat, wenn eine Wasserstoffleitung in seiner Gegend vorbeiläuft, dass da jeden Tag eine große Explosion passieren kann."

Bei der Frage, ob neue Technologien von der Bevölkerung akzeptiert werden oder nicht, müsse auch die Wissenschaft ihren Auftrag erfüllen: offen und verständlich zu kommunizieren.

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