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Corona-Podcast: Klimaexperte fordert EU-weite CO2-Preise | BR24

© Christine Bergmann/BR

Potsdamer Klimafolgenforscher Edenhofer: "Es geht nur über höhere Preise"

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Corona-Podcast: Klimaexperte fordert EU-weite CO2-Preise

Die EU-Konjunkturpakete zur Krisenbewältigung beinhalten auch Klimaschutz. Reicht nicht, sagt Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, im Podcast "B5 extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise".

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Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, begrüßt die Maßnahmen zum Klimaschutz im EU-Konjunkturpaket, hält sie aber zunächst nur für einen guten Anfang. Er fordert, dass es einen EU-weiten CO2-Preis geben muss.

Verhaltensänderung nur über höhere Preise erreichbar

Als Ökonom ist er davon überzeugt, dass nur höhere Preise eine dauerhafte Verhaltensänderung bewirken: Unternehmen sollten klimafreundlicher produzieren und Innovationen vorantreiben. Auch an ein umweltbewussteres Verhalten der Verbraucher appelliert Edenhofer.

"Wir müssen ja für die Verbraucher, für die Unternehmen, für die Investoren signalisieren, dass eine neue Knappheit entsteht. Und diese neue Knappheit entsteht ja dadurch, dass wir nur noch eine begrenzte Menge an CO2 in die Atmosphäre entlassen wollen. Und das wird von Verbrauchern, Unternehmen und Investoren nur dann verstanden, wenn sich an den Preisrelationen etwas verändert." Ottmar Edenhofer

Edenhofer: Branchen in die Pflicht nehmen

Und er meint damit nicht nur die Strompreise. Seiner Meinung nach müssen auch andere Branchen, die CO2 produzieren, in die Pflicht genommen werden. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung denkt vor allem an den Verkehr. Er plädiert dafür, auch diesen Sektor in den Emissionshandel mit aufzunehmen, oder einen eigenen CO2-Preis dafür einzuführen. In der EU will Ottmar Edenhofer das sogar zur Pflicht machen, um überhaupt an Geld zu kommen:

"Eine elegante Möglichkeit wäre, dass die nationalen Regierungen, die jetzt Anträge stellen für solche Programme und die Geld abrufen wollen, wenn die sich zugleich verpflichten würden, einen CO2-Preis einzuführen. Das wäre aus meiner Sicht ein enorm effektives Instrument, damit die Ausgaben in die richtige Richtung gelenkt werden." Ottmar Edenhofer

Edenhofer hält nichts von Förderprogrammen für Elektromobilität

Anreize schaffen über den Preis – darauf sollte sich die Politik konzentrieren, sagt der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Einzelne Förderprogramme, etwa um die Elektromobilität voranzubringen, hält er für weniger wirksam:

"Aus meiner Sicht müssen wir die Anstrengungen auf den Preiseffekt fokussieren, denn Förderprogramme sind einmalig. Und wenn man zum Beispiel zusätzlich Elektromobilität fördert, heißt das ja noch lange nicht, dass wir deswegen mit den Verbrennern weniger fahren." Ottmar Edenhofer

Er wisse, dass das eine schwierige Aufgabe sei, sagt Edenhofer. Und dass es politischen Widerstand geben wird. Er nimmt das als Auftrag auch für sich selbst:

"Natürlich die Politik ist immer langsamer als sie sein sollte, aber das ist jetzt auch die Aufgabe von Bürgern, die Aufgabe von uns Wissenschaftlern, Dampf zu machen, klar zu sagen, dass wir sehr viel schneller vorangehen müssen als wir das in der vergangenen Dekade gemacht haben." Ottmar Edenhofer

Denn noch eine verlorene Dekade könnten wir uns nicht mehr leisten, so Edenhofer, dann hätte unsere Generation klimapolitisch versagt.

Hier der Link zum Podcast.

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