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Corona-Podcast: Inflationsgefahr wie nach dem Ersten Weltkrieg | BR24

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Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft weltweit in eine der tiefsten Rezessionen aller Zeiten gestürzt. Eine Zeitenwende - meint der Wirtschaftshistoriker Harold James im Podcast "B5 Extra Coronavirus - Wege aus der wirtschaftlichen Krise".

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Corona-Podcast: Inflationsgefahr wie nach dem Ersten Weltkrieg

Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft weltweit in eine der tiefsten Rezessionen aller Zeiten gestürzt. Eine Zeitenwende – meint der Wirtschaftshistoriker Harold James im Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise".

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Viele vergleichen die Corona-Krise mit der Weltwirtschaftskrise, der großen Depression oder mit der Finanzkrise. Der renommierte Wirtschaftshistoriker Harold James von der Princeton University sieht das anders. Die Tiefe der Talfahrt der Wirtschaft ist für ihn ohne Vergleich. Es sei noch nie eine Wirtschaft so schnell abgeschaltet worden. Das sei auch genauso beabsichtigt, um die Infektionen zu vermindern.

B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise

Parallelen zum Ersten Weltkrieg

Weil im Ersten Weltkrieg die zivile Produktion zusammenbrach, wurden Fachkräfte aus anderen Branchen in die Rüstungsindustrie abkommandiert. Man wollte keine Fahrräder mehr produzieren, man wollte keine zivilen Autos mehr herstellen und diese Einmischung, diese Intervention des Staates, sei charakteristisch gewesen für den großen Krieg. Und sei ebenso charakteristisch für die Corona-Krise.

Ausgabenexplosion damals wie heute

Der Staat greift ein und lässt sich das auch etwas kosten. Aufs Geld wurde damals nicht geschaut und heute auch nicht. Genau das macht vielen Angst, Bürgern genauso wie Ökonomen. Und auch Harold James erinnert an die Folgen.

Denn nach dem Ersten Weltkrieg kam die Hyperinflation nach Deutschland. Der Wirtschaftshistoriker sieht dafür auch heute zumindest die Gefahr und fordert nachdrücklich nach der Krise die Wiederherstellung normaler geld- und fiskalpolitischer Verhältnisse.

Lösungen nur mit internationaler Abstimmung

Aber wie stellt man den geld- und fiskalpolitischen Rahmen wieder her? Damals haben vor allem die USA und Großbritannien mit harten Maßnahmen wie hohen Zinsen und Steuererhöhungen reagiert, Deutschland jedoch nicht. Hier hatte man zu viel Angst vor sozialen Unruhen. Eine hohe Arbeitslosigkeit wäre Sprengstoff gewesen im revolutionären Deutschland. Ob sich heute, nach Corona, die USA und Europa wirklich zu harten Eingriffen durchringen können, da ist der Wirtschaftshistoriker aus Princeton skeptisch. Aber er ist überzeugt: Es geht nur gemeinsam, also mit internationaler Abstimmung. Doch auch um die steht es derzeit nicht gut, gibt Harold James zu und das hat durchaus auch viel mit seinem Wohnort USA zu tun. Gerade dort gebe es jetzt schon große soziale Unruhen.

Bildung aus Ausweg

Neue Technologien und höhere Produktivität könnten die Zukunft bestimmen und erforderten ein ziemlich hohes Ausmaß an Bildung. Die, die unter der Umgestaltung der Wirtschaft leiden werden, seien aber genau diejenigen, die jetzt schon marginalisiert sind. Und aus diesen Gründen sei es notwendig, gewaltige Anstrengungen zu machen, um eine bessere soziale Integration herzustellen.

Fazit des Wirtschaftshistorikers Harold James: Die Ungleichheit habe sich durch die Corona-Krise deutlich verschärft. Und dem gilt es sich entgegenzustemmen. Diesen Appell richtet er aber nicht nur an die USA, sondern auch an Europa.

Das ganze Gespräch von Christine Bergmann mit dem Wirtschaftshistoriker Harold James können Sie in unserem Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise" hören.

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