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Corona-Podcast: "Inflation ist nicht vom Tisch!" | BR24

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Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, im Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise".

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Corona-Podcast: "Inflation ist nicht vom Tisch!"

Am 1. Juli übernimmt Deutschland die Ratspräsidentschaft der EU. Es wartet ein "dickes Dossier", sagt der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, im Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise".

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Im zweiten Halbjahr gilt es in der EU wichtige Weichen zu stellen: Der Brexit muss bis Ende des Jahres organisiert werden, der Green Deal angeschoben und vor allem der Corona-Wiederaufbaufonds konkretisiert werden. Die 750 Milliarden Euro, die die EU-Kommission dafür bereitstellen will, müssen richtig verteilt werden.

Das ist einer der Punkte, die der Präsident des Kieler Instituts für Wirtschaftsforschung (ifw) Gabriel Felbermayr im B5-Podcast macht: "Das ist ja nicht egal, was damit passiert. Ob man damit Langzeitarbeitslose im Mezzogiorno in Italien füttert oder ob man damit europäische Infrastrukturprojekte finanziert, das sind sehr unterschiedliche Dinge."

EU-Plan kommt zu spät für die akute Not

Der Kieler Ökonom spricht sich eindeutig für die Finanzierung gemeinsamer, EU-weiter Projekte aus. Denn für die akute Krisenpolitik, die die Länder im Moment betreiben, komme der Plan viel zu spät.

Grundsätzlich aber findet Gabriel Felbermayr das Programm der EU-Kommission gut, fördere es doch den europäischen Gedanken: "Zunächst ist es gut, dass man sich in dieser wirklich dramatischen Krise auch auf europäischer Ebene dazu durchgerungen hat, mit Geld zu helfen. Und dass man da auch gewisse Tabus bricht wie zum Beispiel eben eine temporäre Verschuldung der Europäischen Union."

Inflationsgefahr nicht unterschätzen

Nicht geklärt ist allerdings bislang, wie das Geld aufgetrieben wird und wie die Schulden zurückgezahlt werden. In einigen Ländern, auch in Deutschland, besteht ja eine große Angst vor gemeinsamen Schulden in der EU. Zum einen, weil keiner die Schulden der anderen bezahlen möchte, aber auch weil hier doch viele Angst vor einer heftigen Inflation haben, sollte die Finanzierung auf Pump zu große Ausmaße annehmen.

Unter Ökonomen wird diese Frage derzeit viel diskutiert. Der Präsident des Kieler Instituts stellt da eine wachsende Gelassenheit fest, die Angst vor Inflation nehme ab, weil wir lange keine hatten. Aber das sollte man nicht unterschätzen, mahnt Felbermayr: "Weil wir ja immer wieder sehen, dass diese unwahrscheinlichen Ereignisse, die uns gerade sehr verrückt vorkommen, doch eintreten können. Ich glaube, dass diese Erfahrung auch hinsichtlich der Möglichkeit, dass wir doch noch Inflation kriegen könnten, das sollte uns zu denken geben."

Deglobalisierung schadet dem deutschen Geschäftsmodell

Ernsthaft nachdenken sollten seiner Meinung nach auch einige Politiker, die jetzt eine Abkehr von der Globalisierung fordern. Die eine größere Autonomie der deutschen Wirtschaft wollen. "Ich halte von diesen Ideen überhaupt nichts", sag Felbermayr. Die Globalisierung des Handels seien nicht etwas, "das uns verletzlich macht". Genau das Gegenteil sei richtig: "Wenn wir über unsere Absatzmärkte diversifizieren können, wenn wir über unsere Beschaffungsmärkte diversifizieren können, dann hilft uns das, mit Schocks umzugehen. Das macht uns robuster."

Gerade Deutschland würde besonders darunter leiden, da der Export nach wie vor das hiesige Geschäftsmodell sei. Die Unternehmen könnten sich darauf einstellen, indem sie im Ausland produzieren. Für den Standort Deutschland aber sei das schwierig, weil dadurch Arbeitsplätze wegfallen, Steuereinnahmen, das Wachstum einfach nicht mehr hier stattfinde.

"Merkel kann das."

Um das deutsche und europäische Wachstum zu sichern, hält es Felbermayr für dringend geboten, den Binnenmarkt in der EU zu stärken, um ein größeres Gewicht im internationalen Handel zu erreichen. Im nächsten halben Jahr kann Deutschland Weichen stellen.

Der Kanzlerin traut er das zu: "Sie kann hier wirklich ein Erbe hinterlassen und als überzeugte Europäerin am Ende ihrer Amtszeit sozusagen einen wesentlichen Schritt vorangehen."

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