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Infineon-Chef Ploss vermisst europäische Digital-Plattformen | BR24

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Reinhard Ploss im B5-Podcast "Extra Coronavirus: Wege aus der wirtschaftlichen Krise" (Hörfunk-Sendefassung)

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Infineon-Chef Ploss vermisst europäische Digital-Plattformen

5. Juni 2020: Auch und gerade bei der Hightech-Firma Infineon sind viele Mitarbeiter im Homeoffice. Dessen Chef Reinhard Ploss ist glücklich darüber. Und auch nicht: In unserem Podcast wünscht er sich europäische Gegenspieler für Zoom, Skype und Co.

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Von
  • Stephan Lina

Anfang Juni 2020: Auch am High-Tech-Konzern Infineon ist die Corona-Krise nicht spurlos vorübergezogen. Zwar sind die Fabriken rund um den Globus gut ausgelastet, sagt Vorstandschef Reinhard Ploss – dort arbeiten die Mitarbeiter ohnehin schon immer mit Schutzanzügen und Mundschutz; doch in der Zentrale vor den Toren Münchens herrscht gähnende Leere.

Die meisten Mitarbeiter sind im Homeoffice

Der Chef ist einer der wenigen Mitarbeiter in der Verwaltung, der derzeit nicht im Home Office ist. Ploss sieht das Ganze im B5-Podcast "Coronavirus Extra: Wege aus der wirtschaftlichen Krise" (die Folge ist hier auch als Download abrufbar) zwiespältig: Ohne persönlichen Kontakt sei es momentan schwierig, neue Projekte anzustoßen und kreativ zu sein. Andererseits habe die Corona-Krise vielen Unternehmen einen Stoß in Richtung Digitalisierung gegeben:

"Die Leute haben ihren Computer mitgenommen und daheim aufgestellt. Die IT-Abteilung hat dann alle Kanäle aufgedreht und noch ein paar Karten eingesteckt, dass das ging. Und es ging innerhalb von zwei Wochen. Etwas, was niemand geglaubt hätte. Und wenn man unter normalen Umständen gesagt hätte: Jetzt macht mal, hätten wir viel diskutiert. Und das ist, glaube ich auch eine Sache der Covid-Krise. Dieses 'Es geht'. Man muss nur wollen und dann ist man manchmal von sich selber überrascht." Reinhard Ploss, Vorstandschef Infineon

Einen Pferdefuß hat die Sache aber: Die meisten virtuellen Konferenzen aus dem Home Office laufen über Microsoft Teams, Skype oder Zoom. Also Plattformen aus den USA.

Deutschland und auch Europa insgesamt haben bei diesen Schlüsseltechnologien wenig bis nichts zu bieten. Das gelte auch für Kommunikations-Plattformen für die Industrie. Es gebe bisher bestenfalls Einzellösungen. Die Politik sei hier gefordert, Dinge voranzubringen und Pflöcke für künftige Standards einzuschlagen. Noch sei es nicht zu spät, glaubt Ploss.

"Um eine digitale Wirtschaft auf europäischer Ebene zu haben, bedarf es Datenplattformen. Wir müssen es schaffen, sowohl den Datenschutz als auch die Daten-Verbindung und den Austausch zu ermöglichen. Ich glaube, Europa hat eine fantastische Chance, wenn es gelingt, dieses zu verbinden." Reinhard Ploss, Vorstandschef Infineon

Gerade die hohen europäischen Standards beim Datenschutz könnten ein globales Verkaufsargument für solche Plattformen sein in Zeiten, in denen immer mehr Informationen digital ausgetauscht und verarbeitet werden.

EU-Kommission will mehr für Digitalisierung tun

Die EU-Kommission habe mit ihrem Green Deal zumindest das Bekenntnis abgegeben, mehr für die Digitalisierung des Kontinents zu tun. Jetzt dürfe man aber nicht den Fehler machen, ein solches Mammutprojekt im Klein-Klein von Detail-Vorschriften schon im Ansatz ersticken zu lassen. Das gelte auch für mögliche kartellrechtliche Auflagen:

"Natürlich ist es wichtig, darauf zu achten, dass der Verbraucher gegen Kartelle geschützt wird. Wenn das aber zu dem Punkt führt, dass wir in der Industrie gar nicht mehr zusammenarbeiten können, da glaube ich, gehen wir einen Schritt zu weit. Es ist notwendig, dass Behörden, die für die Zusammenarbeit der Industrie im regulatorischen Sinn unterwegs sind, nicht nur eine Verbotsstruktur pflegen, sondern auch eine Struktur dessen anbieten, wie es denn dann gehen kann." Reinhard Ploss, Vorstandschef Infineon

Einige Kunden des Chip-Riesen Infineon wurden übrigens gar nicht oder kaum von der Corona-Krise gebremst. Bei Halbleitern für Windkraftanlagen zum Beispiel ist die Nachfrage unverändert hoch, ebenso bei Chips für Kommunikationstechnik. Deswegen konnte Infineon den Großteil seiner Fabriken auch in der Krise weitestgehend weiterlaufen lassen.

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