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Corona-Podcast: "Globalisierung braucht neue Spielregeln" | BR24

© dpa-Bildfunk/Christophe Gateau

Henning Vöpel, Direktor des HWWI, plädiert für neue Spielregeln bei der Globalisierung

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    Corona-Podcast: "Globalisierung braucht neue Spielregeln"

    Corona bedroht die Freiheit und führt zu mehr Egoismus. Auch die Globalisierung braucht einen neuen Rahmen. Das sagt der Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Henning Vöpel, im "B5 Extra Coronavirus: Wege aus der wirtschaftlichen Krise".

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    Die Corona-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft hart getroffen. Sie mit staatlichen Mitteln wieder in Gang zu bringen, also das Schlimmste zu verhindern, ist das eine.

    Doch die deutsche Wirtschaft war schon vor der Krise in einem Strukturwandel. Der könnte jetzt beschleunigt werden. Manche sehen deshalb auch den Zeitpunkt gekommen, um über grundlegende Veränderungen nachzudenken.

    Lobbyismus greift um sich und bedroht die Freiheit

    Wie die Wirtschaft nach dieser Krise aussehen sollte, darüber hat sich auch Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Gedanken gemacht. Er glaubt, dass einige Leute dabei eher utopische Vorstellungen haben, dass es eine ganz andere Gesellschaft geben könne, die beispielsweise solidarischer ist. Vöpel befürchtet eher das Gegenteil.

    "Ich finde, dass wir im Moment in einer kritischen Phase dieser Krise sind. Es könnte auch umkippen. Wir sehen zunehmend, dass Partikularinteressen wieder vorangestellt werden, dass es darum geht, den eigenen Vorteil zu sichern. Lobbyismus greift um sich. Die Freiheit gerät wieder unter Druck, wie das in solchen Krisen oft der Fall war." Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts

    Diese Partikularinteressen sieht der Ökonom als Aufbäumen der alten Strukturen. Und er sieht das durchaus kritisch: "Man hat versucht, den Fortschritt im Alten, in der Vergangenheit zu finden." Fortschritt gebe es aber nur nach Veränderung.

    Daten müssen Nutzern zurückgegeben werden

    Mit Fortschritt meint der Ökonom im Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise" vor allem die Digitalisierung. Sie sei ein Treiber des Strukturwandels, sie werde die Wirtschaft verändern. Die Algorithmen, zunehmend auch die Künstliche Intelligenz, nutze ohne das Wissen der Menschen deren Daten, bestimme dadurch aber deren Wirklichkeit.

    Kritisch ist für Henning Vöpel vor allem die Deutungshoheit über diese Daten. Diese dürfe man nicht den Konzernen überlassen, sondern müsse Voraussetzungen dafür schaffen, diese Hoheit über die Daten denen zurückzugeben, den sie gehören: den Nutzern.

    Ohne Globalisierung kein Wohlstand

    Da aber Daten nicht vor Grenzen haltmachen, brauche es eine internationale Koordination. Und das führe zur zweiten wichtigen Herausforderung für die Zukunft: der Globalisierung.

    Im wachsenden Widerstand gegen die Globalisierung sieht der Hamburger Ökonom eine große Gefahr. "Es wäre aus meiner Sicht fatal zu glauben, dass wir den Wohlstand erzeugen können in einer vollständig deglobalisierten Welt", sagt Vöpel. "Das wird nicht möglich sein."

    Neue Regeln – vor allem auch beim Klimaschutz

    Deshalb müsse man sich jetzt über neue Regeln unterhalten. Es brauche ein hohes Maß an Kooperation zwischen den einzelnen Ländern. Das gelte nicht nur für Digitalisierung und Globalisierung, sondern auch für den Klimaschutz. Dass eine internationale Koordination schwierig ist, bestreitet Vöpel nicht. Die einzelnen Staaten müssten die Globalisierung für sich so gestalten, dass sie davon profitieren. Nur so könne die eigene Gesellschaft von den Vorteilen der Globalisierung überzeugt werden.

    Perspektiven schaffen durch Vertrauen

    Der Direktor des HWWI ist überzeugt davon, dass eines in der Krise jetzt ganz wichtig ist: Vertrauen schaffen. Vertrauen darin, dass es wieder aufwärts gehen werde und der Wohlstand nicht grundsätzlich in Gefahr sei.

    Seiner Ansicht nach war das der große Fehler in der Weltwirtschaftskrise vor knapp 100 Jahren. Ohne Perspektive seien damals die Menschen anfällig für große ideologische Entwürfe geworden – die dann in Totalitarismus und Katastrophen endeten.

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