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Corona-Podcast: Gesundheitsökonom erwartet Reformschub | BR24

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Die Coronakrise ist für das Gesundheitswesen ein echter Stresstest. Doch die Krise kann auch eine Chance sein für notwendige Reformen. Zu Zu dieser ersten Bilanz kommt Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit am RWI Essen.

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Corona-Podcast: Gesundheitsökonom erwartet Reformschub

Die Coronakrise ist für das Gesundheitswesen ein echter Stresstest. Doch die Krise kann auch eine Chance sein für notwendige Reformen. Zu dieser ersten Bilanz kommt Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit am RWI Essen.

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Bewährt habe sich in der Krise die föderale Struktur in Deutschland, sagt Gesundheitsökonom Boris Augurzky vom RWI (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung) im Podcast "B5 extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise". Die Bundesländer konnten voneinander lernen und so Fehler bei der Versorgung und beim Umgang mit der Pandemie vermeiden – anders als zum Beispiel in einem zentralistischen Staat wie Frankreich.

B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise

Außerdem habe sich gezeigt, dass es genügend Intensivbetten in Deutschland gibt und dass die medizinische Versorgung insgesamt auf einem hohen Standard sei. Aber bei all dem Positiven gibt es auch einen Wermutstropfen: Die Krise hat viel Geld verschlungen, es mussten Schulden aufgenommen werden. Nach der Bundestagswahl 2021 rechnet der Gesundheitsökonom deshalb mit Kostensenkungsgesetzen. Und mittelfristig dürften auch deshalb die Krankenkassenbeiträge steigen.

Beiträge steigen auch wegen aufgenommener Schulden

"Davon müssen wir ausgehen, dass die weiter zunehmen. Wir sind gerade bei 14 Prozent etwa vom Lohneinkommen." RWI-Gesundheitsökonom Boris Augurzky

Gleichzeitig sieht der Wissenschaftler vom RWI aber auch eine Chance in der Krise. Es sei der Druck für notwendige Reformen im Gesundheitswesen gestiegen, um so Kosten zu sparen und die Kassenbeiträge zumindest nicht ganz so stark steigen zu lassen wie befürchtet.

Drei große Herausforderungen für das Gesundheitssystem

Denn auch ohne Corona-Pandemie steht das Gesundheitssystem vor einer großen Aufgabe: dem demografischen Wandel. Mit dem Eintritt der Babyboomer-Jahrgänge ins Rentenalter fallen nicht nur viele Fachkräfte weg. Es brauchen auch mehr ältere Menschen Unterstützung durch das Gesundheitssystem.

Um diese Entwicklung gut abfedern zu können, sieht der Gesundheitsökonom drei große Aufgabenfelder, denen sich das Gesundheitswesen stellen muss: Die Zahl der Krankenhaus-Standorte muss aus seiner Sicht verringert werden. Daraus ergibt sich seine zweite Forderung nach einer verstärkten "Ambulantisierung". Das würde bedeuten, dass Krankenhäuser ihre Patienten nicht nur stationär, sondern öfter auch ambulant behandeln. Dafür müsse allerdings das Vergütungssystem reformiert werden, damit den Krankenhäusern kein wirtschaftlicher Nachteil entsteht.

Und als dritten und drängendsten Punkt nennt Augurzky die Digitalisierung des Gesundheitssystems. Seine zwei wichtigsten Beispiele: Die Einführung einer elektronischen Patientenakte, über die in Deutschland bereits seit Jahren diskutiert wird, sowie der verbesserte Datenaustausch zwischen den Kliniken:

"Der Datenaustausch ist oft nicht möglich oder nicht gut, weil es nicht kompatibel ist. Da haben wir noch einen weiten Weg, und das ist für mich die Herausforderung der Zwanzigerjahre. Da müssen wir auf jeden Fall zügig vorwärtskommen." RWI-Gesundheitsökonom Boris Augurzky

Einsparungen sorgen für weiter hohe Qualität im Gesundheitswesen

Und so schließt sich der Kreis. Denn wenn der Datenaustausch zwischen Ärzten, Kassen und Krankenhäusern funktioniert, dann kann auch besser nachvollzogen werden, welche Leistungen erbracht wurden, wieviel sie gekostet haben und welchen Nutzen sie hatten. Auf dieser Grundlage könnten sinnvolle Einsparungen gemacht werden – die wiederum die Versicherungsbeiträge nicht so schnell steigen lassen und trotzdem weiter eine hohe Qualität der Gesundheitsversorgung gewährleisten. Fazit von Gesundheitsökonom Augurzky mit Blick auf die notwendigen Reformen:

"Wir werden da besser rauskommen, als wir reingehen. Auch wenn es zunächst mal wehtut." RWI-Gesundheitsökonom Boris Augurzky

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