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Alle zwölf Minuten verschwindet in Deutschland eine Sozialwohnung vom Markt, weil sie aus der Sozialbindung herausfällt. Ersatz in Form von Neubauwohnungen gibt es so gut wie keinen.

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Corona-Krise: Mangel an Sozialwohnungen auch in Bayern

In der Corona-Krise sinken die Einkommen etwa durch Kurzarbeit, vor allem am unteren Rand fallen viele Arbeitsplätze weg. Zugleich geht der Bestand an bezahlbaren Wohnungen und Sozialwohnungen immer weiter zurück, inzwischen auch in Bayern.

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Von
  • Felix Lincke

Alle zwölf Minuten verschwindet in Deutschland eine Sozialwohnung, indem sie aus der Mietpreisbindung herausfällt und frei vermittelbar wird. Ersatz in Form von Neubauwohnungen gibt es so gut wie keinen, zumindest nicht im preiswerten Bereich. Die Gewerkschaft IG BAU beklagt, dass der Bestand an Sozialwohnungen bundesweit zum Jahresende erstmals unter die Marke von 1,1 Millionen fällt und mit der Corona-Krise steigt der Bedarf, weil gerade niedrige Einkommen besonders gefährdet sind.

Corona-Krise: Mehr Menschen hätten Anspruch auf Sozialwohnung

In der Corona-Krise steigt die Zahl der einkommensschwachen Haushalte, die Anspruch auf eine Sozialwohnung hätten. Darauf weist IG BAU-Chef Robert Feiger hin. Kurzarbeit, Entlassungen, das Auslaufen befristeter Arbeitsverträge und der Wegfall zahlreicher Minijobs hätten vor allem am unteren Rand die Einkommen drastisch sinken lassen.

Gleichzeitig erreicht der Bestand an Sozialwohnungen neue Tiefstände. Insgesamt würde nach wie vor zu wenig gebaut und am tatsächlichen Bedarf vorbei. Kaufpreise und Mieten seien für die meisten Haushalte nicht mehr bezahlbar, sagt Feiger. Bund, Länder und Kommunen hätten in der Vergangenheit beim sozialen Wohnungsbau deutlich zu wenig getan, das räche sich jetzt in der Krise.

IG BAU fordert Gegensteuern von Bund, Ländern und Kommunen

Die Baugewerkschaft fordert deshalb die Förderung von Sozialwohnungen auf mindestens sechs Milliarden Euro pro Jahr aufzustocken. Ziel müsse es sein, deren Zahl in den nächsten zehn Jahren auf mindestens zwei Millionen zu erhöhen. Etwa halb so viele werden es Ende 2021 noch sein, weil jedes Jahr mehr als 43.000 Sozialwohnungen verloren gehen. Neben Sozialwohnungen sollte der Staat nach den Vorstellungen der IG BAU weitere drei Milliarden Euro im Jahr in den Bau von bezahlbaren Wohnungen stecken.

Feiger: "Es wird Zigtausende Corona-Wohnverlierer geben"

Für Härtefälle gibt es Wohngeld-Zuschüsse. Doch das kann für den Staat auf Dauer teuer werden. Die Bundesregierung hatte sich deshalb zum Ziel gesetzt, bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 rund 1,5 Millionen neue Wohnungen zu schaffen, mit unterschiedlichsten Mitteln. Dazu gehört unter anderem auch das Baukindergeld für Familien, dass bis zum Jahresende rund 300.000 Mal beantragt wurde. Experten erwarten, dass die Bundesregierung ihr Ziel verfehlt, dass aber immerhin 1,2 Millionen neue Wohnungen fertig werden. Die wenigsten davon sind jedoch für Mieter vorgesehen und werden von den Eigentümern überwiegend selbst genutzt.

Verschärfte Situation inzwischen auch in Bayern

Bis 2018 gab es in Bayern nur punktuelle Probleme mit fehlenden Sozialwohnungen wie in einigen Großstädten und vor allem in München. 2019 ging der Bestand an Sozialwohnungen auch im Freistaat zurück: um 1.250 auf 135.655. Zuvor hatte die Staatsregierung noch einen Zuwachs von günstigen Mietwohnungen ausweisen können. Spitzenreiter unter den Ländern ist Nordrhein-Westfalen mit zuletzt noch rund 450.000 Sozialwohnungen, aber auch mit rückläufiger Tendenz. Gegen den bundesweiten Abwärtstrend wurden im Saarland sowie in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg im vergangenen Jahr zusätzliche Sozialwohnungen geschaffen.

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