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Corona-Krise macht kreativ: Wie Unternehmen sich neu erfinden | BR24

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Die Nachfrage nach Lebensmitteln ist groß. Viele kleine Gemüsebauer sind von Catering-Firmen, Hotels oder Restaurants abhängig. Und die haben momentan kaum Kundschaft. Da sind kreative Lösungen gefragt.

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Corona-Krise macht kreativ: Wie Unternehmen sich neu erfinden

Für viele Unternehmen geht es wegen Corona ums Überleben. So wie für die Catering-Firma "Lekkerei". Sie erfindet sich gerade neu, um sich und einen lokalen Gemüsebauern zu retten. Wie jeder unterstützen kann - auch ohne Geld auszugeben.

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Wegen der Corona-Krise ist Andro Maus und seinem Team innerhalb weniger Tage das Geschäft völlig weggebrochen. Die Lekkerei, ein Catering-Service aus München, hatte sich auf Großveranstaltungen mit über 800 Menschen spezialisiert.

Entlassungen und Kurzarbeit: Das Unternehmen trifft es schwer

Bei acht seiner vierzig Mitarbeiter musste der Geschäftsführer zur äußersten Maßnahme greifen, was ihm sehr schwer fiel: Er musste sie entlassen.

"Die Entlassungen waren überhaupt nicht leicht. Wenn Du weißt, die Person hat zwei Kinder und weiß jetzt auch nicht mehr, was sie machen soll." Andro Maus, Geschäftsführer der Lekkerei

Für die wenigen Mitarbeiter, die noch in der Küche tätig sind, hat Andro Maus Kurzarbeit angemeldet. Immerhin: Es gibt noch etwas Arbeit. Denn das Team der Lekkerei hat sich neue Angebote einfallen lassen.

Zuversicht gegen Krisen-Stimmung

Andro Maus verliert angesichts der schwierigen Lage nicht die Hoffnung. Und davon ist auch der Gemüsebauer Franz Kreuzinger am Münchner Stadtrand abhängig. Die Lekkerei ist einer seiner wichtigsten Abnehmer. Die Folge: Bei dem Familienunternehmen in vierter Generation läuft das Geschäft im Moment fast gar nicht mehr: "Bauchweh hab ich schon, jeden Tag – ganz ehrlich. Für unseren Betrieb ist es momentan sehr schlimm, weil wir sehr viel Gastronomie beliefert haben. Das ist in den letzten zwei Wochen komplett eingebrochen."

Gerade in dieser schwierigen Lage wäre für Gemüsebauer Kreuzinger die Lekkerei als Kunde wichtiger denn je. Doch in der Krise nimmt auch der Caterer weniger ab. Das soll sich aber mit dem neuen Geschäftsmodell jetzt ändern.

"Jetzt den Kopf in den Sand stecken und sagen: Gut, machen wir halt Pleite und schließen uns zuhause ein – ich finde, das ist ein vollkommen falscher Ansatz. Wir sollten jetzt schauen, wie wir uns neu aufstellen, um einfach voranzukommen und diese Zeit neu zu definieren für uns." Andro Maus, Geschäftsführer der Lekkerei
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Frisches Gemüse vom lokalen Bauern. Damit wirbt die Lekkerei - neuerdings kommen die Ernte auch per Lieferservice nachhause.

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Die Lekkerei hat neue Flyer bestellt, denn das Geschäft läuft schleppend an - so soll die Aufmerksamkeit für die neue Website steigen.

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In die Wundertüte kommen nur heimisches Obst und Gemüse. Zusätzlich zu den Gerichten kann man sich rohe Zutaten liefern lassen.

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Die Lekkerei hat eine Bestell-Plattform eingerichtet: Im Netz können die Kundinnen und Kunden Essen bestellen.

Neue Rezepte gegen die Corona-Krise

Die Lekkerei muss sich also, zumindest vorübergehend, neu erfinden. Die Idee: Nur noch Einzelportionen zubereiten, die entweder warm geliefert werden oder aber auch kalt zum Warmmachen. Außerdem versucht die Lekkerei, den lokalen Gemüsebauern zum Teil des neuen Konzepts zu machen: Für das neue Geschäftsmodell greift die Lekkerei auf bewährte Zutaten zurück: frisches Gemüse aus der Region.

Das Besondere: Zu den Einzelportionen können die Kunden Körbe bestellen, voll mit frischer Ware des regionalen Gemüsebauern Kreuzinger. Dafür haben die Lekkerei und der Gemüsebauer extra eine neue Website gebaut und verwenden nun eine App. Mit ihr können sie in Echtzeit verfolgen, wenn neue Bestellungen eingehen.

Kritik an der Soforthilfe vom Staat

Die Geschäftsidee muss funktionieren – denn die staatlichen Fördermittel alleine reichen nicht aus. Die Ausgaben der Lekkerei übersteigen die Soforthilfe von 15.000 Euro deutlich. "Die Soforthilfe macht für uns wenig Sinn. Allein unsere Miete ist deutlich höher als die 15.000 Euro. Das ist nur eine zeitliche Verzögerung. Das bedeutet: Wir können zehn Tage länger existieren. Mehr bedeutet es nicht.", so Andro Maus.

Die Lekkerei hofft, dass die Menschen bald wieder raus dürfen und den Umsatz kräftig ankurbeln. Und bis dahin online - von zuhause aus - regionale Unternehmen unterstützen.

So kann jeder unterstützen - auch ohne Geld auszugeben

Die Corona-Krise schmälert nicht nur auf das Budget kleiner Unternehmen, sondern auch das der Kundschaft. Wie also regionale Unternehmen unterstützen, wenn gerade das Geld nicht reicht, um fleißig Essen zu bestellen? Die Digital-Experten für stationären Handel von Whoqip haben da einen Tipp:

"Wir können gemeinsam helfen, indem wir unsere Lieblingsorte auf Bewertungsportalen positiv bewerten. Damit können wir lokalen Händlern helfen, sichtbar und wettbewerbsfähig zu bleiben - auch nach der Krise." Markus Demirci, Digital-Experte

Im Grunde ist die Bewertung ganz einfach: Alle Orte, die geschlossen bleiben müssen oder gerade um das Überleben kämpfen, haben meist einen Web-Auftritt. Einfach Google Maps oder andere Bewertungsportale besuchen und 5 Sterne hinterlassen. Zusätzlich kann man in 1-2 Sätzen beschreiben, was diese Orte so besonders macht oder einfach Danke sagen.

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