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Wirtschaft

Corona-Krise: Italien schließt "nicht lebensnotwendige" Betriebe | BR24

© Cheng Tingting/XinHua News Agency

Ein geschlossenes Geschäft in Rom

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    Corona-Krise: Italien schließt "nicht lebensnotwendige" Betriebe

    Italien muss an einem Tag 800 Corona-Tote beklagen - und verschärft umgehend die Regeln: Alle Betriebe die nicht der Grundversorgung dienen, müssen schließen. Premier Conte sendet Durchhalteparolen an die Bürger.

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    Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat die italienische Regierung am späten Samstagabend beschlossen, alle "nicht lebensnotwendigen" Unternehmen und Fabriken im Land zu schließen. Davon seien Supermärkte, Banken, Post und Apotheken ausgenommen, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Samstagabend in seiner Videobotschaft an die Bürger. Es sei die schlimmste Krise seit dem zweiten Weltkrieg, so der Politiker.

    Nur wenige Stunden sind vergangen, seit der täglichen Hiobsbotschaft des italienischen Zivilschutzes: Fast 800 neue Tote waren es diesmal. So viele Corona-Infizierte waren noch nie zuvor innerhalb von 24 Stunden in Italien gestorben. Das seien schmerzliche Nachrichten, sagt Conte: "Der Tod von so vielen Mitbürgern ist ein Schmerz, der jeden Tag wiederauflebt. Wegen der Werte, mit denen wir groß geworden sind, wegen der Werte, die wir auch heute noch teilen, sind diese Toten keine einfachen Nummern."

    Nur Betriebe zur Grundversorgung bleiben offen

    Die strikten Ausgangsbeschränkungen, die anderen Maßnahmen, mit denen Italien seit Wochen verzweifelt versucht, die Ausbreitung des Virus einzudämmen – all das brauche Zeit, bis es seine Wirkung entfalte, sagt Conte. Ihm sei klar, wie schwerwiegend die Einschränkungen schon jetzt seien, aber man habe keine Alternative, wenn Italien durchhalten wolle.

    Das Ziel ist: Noch weniger Menschen sollen auf die Straße, sollen sich in der Arbeit oder auf dem Weg dorthin anstecken. Wer im Homeoffice arbeiten kann, darf das aber weiterhin. Offen bleiben sollen unter anderem Apotheken, Banken, die Post und natürlich Supermärkte. Da betont der Ministerpräsident: "Wir planen keine Einschränkungen bei den Öffnungszeiten der Supermärkte, ich fordere alle dazu auf, Ruhe zu bewahren. Es gibt keinen Grund für Hamsterkäufe." Die Maßnahme soll zunächst bis zum 03. April gelten.

    Conte: "Wir machen das, weil wir Italien lieben"

    Schon jetzt bilden sich vor Supermärkten meterlange Schlangen – die Menschen haben Angst, auch weil einige Regionen in Italien die Ladenöffnungszeiten schon in Eigenregie verkürzt haben. Und wohl auch angesichts dieser Verunsicherung appelliert Conte am Ende seiner Rede noch einmal an die Italiener durchzuhalten – um Leben zu schützen:

    "Wir verzichten auf unsere liebsten Gewohnheiten. Wir machen das, weil wir Italien lieben. Aber wir verzichten nicht auf den Mut und auf die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Gemeinsam schaffen wir das."

    Italien hat höchste Corona-Todesrate weltweit

    Nach Angaben des Zivilschutzes in Rom, sind bisher 4.825 Menschen in Italien gestorben. Weltweit hat das Land die höchste Rate an Menschen, die am Coronavirus gestorben sind. Die Regierung hatte daher erst am Freitag die Ausgangssperren verschärft, die seit dem 10. März landesweit gelten. Bisher waren zum Beispiel viele Fabriken und Büros noch geöffnet, in die die Menschen zur Arbeit gingen.

    Allerdings forderten Regionalpolitiker im Norden weitere Maßnahmen, auch weil sich einige Menschen immer noch nicht an die Auflagen halten. In der Lombardei war der Ausbruch vor einem Monat bemerkt worden, die Region ist besonders stark betroffen, Krankenhäuser stehen mittlerweile vor dem Kollaps. Inzwischen haben andere Staaten wie Russland und Kuba, die Entsendung von Spezialisten und medizinischer Ausrüstung nach Italien angekündigt.