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Corona-Krise: Einwegverpackungen lassen Müllproblem wachsen | BR24

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Schon vor der Corona-Pandemie ist der Müllberg in Deutschland immer größer geworden. In der Pandemie fallen durch zunehmende Online-Bestellungen und die To-Go-Gastronomie zusätzliche Einweg-Verpackungen an. Deutschlands Müllproblem wird größer.

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Corona-Krise: Einwegverpackungen lassen Müllproblem wachsen

Schon vor der Corona-Pandemie ist der Müllberg in Deutschland immer größer geworden. In der Pandemie fallen durch zunehmende Online-Bestellungen und die To-Go-Gastronomie zusätzliche Einweg-Verpackungen an. Deutschlands Müllproblem wächst.

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Von
  • Felix Lincke

Die Umweltverbände sind alarmiert und Konsumforscher sprechen von einer vorübergehenden Ausnahmesituation. In der Corona-Pandemie hat sich der Trend zu immer mehr Verpackungen verstärkt, denn Verbraucher finden sie hygienisch und praktisch.

Wenn Geschäfte geschlossen sind, wird im Internet bestellt und Essen aus dem Restaurant kommt per Lieferdienst ins Haus. Zusätzliche Verpackungen sind dabei kaum zu vermeiden. Glaubt man Paketzustellern wie DHL oder Essenslieferanten wie Delivery Hero, dann ist das Bestellen von zu Hause ganz unabhängig von Corona für viele Verbraucher längst zur festen Gewohnheit geworden.

Drastischer Anstieg von Müll seit Beginn der Pandemie

"Wir müssen aufpassen, dass die Corona-Krise nicht auch eine Müll-Krise wird", heißt es bei der Deutschen Umwelthilfe. Der Grüne Punkt sammelte bereits im ersten Lockdown im Frühjahr bundesweit zehn Prozent mehr Verpackungsmüll in den gelben Tonnen.

Im öffentlichen Raum hat sich der Müll im Sommer dann an einigen Hotspots verdoppelt, zum Beispiel durch Pizza-Kartons im Park. Nicht nur in der Gastronomie entsteht im einzig noch möglichen Straßenverkauf eine zusätzliche Menge an Einweg-Verpackungen. Viele Kommunen hoffen, dass mit der kälteren Jahreszeit und Alkoholverboten in der Öffentlichkeit die Straßen und Parks wieder sauberer werden.

Mehrweg-Verpackungen trotz Pandemie möglich

Theoretisch wären Mehrweg-Verpackungen mit den Hygieneregeln in der Gastronomie vereinbar. Der Münchener Anbieter Recup hat bundesweit bereits 2.000 Partner gefunden für ein Pfandsystem mit Bechern und Schüsseln, die mindestens 500 Mal gespült und wieder verwendet werden könnten.

Das Bundesumweltministerium hat einen Gesetzentwurf vorgestellt, wonach ab 2022 Gastwirtschaften und Restaurants ihren Kunden zumindest ein alternatives Angebot mit Mehrweg-Verpackungen machen müssten. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga spricht von einer unzumutbaren Mehrbelastung in der Krise. Ob das Gesetz eine Chance hat, ist offen.

Immer mehr Verpackungen auch im Einzelhandel

Aber auch im Supermarkt greifen Verbraucher vermehrt zu aufwändiger verpackten Fertiggerichten. Selbst einfache Lebensmittel werden kaum noch unverpackt angeboten, weil die Kunden das angeblich nicht mehr wollen. So wird auch Obst und Gemüse vermehrt in Plastikfolie eingeschweißt, weil das attraktiver wirkt.

In Umfragen der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung GfK zeigen sich Verbraucher gern mehrheitlich umweltbewusst. Bei ihrer persönlichen Kaufentscheidung soll es aber vor allem sicher und bequem sein.

Online-Handel erreicht mit Corona eine neue Größenordnung

Am stärksten sind die Zuwächse im Online-Handel, der angesichts geschlossener Geschäfte boomt und den Verpackungs-Berg immer größer werden lässt. Vor Corona waren die Wachstumsraten im E-Commerce nur noch einstellig. In diesem Jahr wird ein Plus von 20 Prozent erwartet: um 14 Milliarden Euro auf 72 Milliarden Euro sollen die Online-Umsätze steigen.

Der Bundesverband für Paket- und Expresslogistik rechnet vor, dass jeden Tag in Deutschland 800.000 Paketsendungen mehr befördert werden als 2019. Marktführer DHL erreichte seinen Vorjahresstand schon mit der letzten Novemberwoche. Fast das ganze Weihnachtsgeschäft danach ist für DHL ein Extra an zusätzlicher Belieferung mit Einwegverpackungen.

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Der Bundesrat hat ein Gesetz zum Verbot von Einweg-Plastiktüten gebilligt. Einzelhändler dürfen von 2022 an gängige Tüten nicht mehr in Verkehr bringen. Ausgenommen sind stabile Mehrweg-Tüten und dünne Plastikbeutel für Obst und Gemüse.