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Corona-Krise bedroht Existenz der Airline Alitalia | BR24

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In Italien haben die Maßnahmen gegen das Coronavirus weite Teile des öffentlichen Lebens lahmgelegt, darunter den Tourismus. Für die seit Jahren angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia geht es nun an die Existenz.

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Corona-Krise bedroht Existenz der Airline Alitalia

In Italien haben die Maßnahmen gegen das Coronavirus weite Teile des öffentlichen Lebens lahmgelegt, darunter den Tourismus. Für die seit Jahren angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia geht es nun an die Existenz.

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Für Alitalia ist die schnelle Ausbreitung des Coronavirus eine Katastrophe. Wegen neuer "roter Zonen" und de-facto-Reisesperren durch die italienische Regierung hat die schwer angeschlagene Fluggesellschaft ihr ohnehin schon gekürztes Angebot noch einmal zusammengestrichen. Sie kündigte am Sonntag an, den Mailänder Großflughafen Malpensa überhaupt nicht mehr anzufliegen. Vom zweiten Mailänder Airport Linate aus werde nur noch ein sehr reduziertes Angebot von Inlandsflügen bedient. Damit hat sich die Krise der Alitalia drastisch verschärft.

Rennen gegen die Zeit

Die Uhr tickt. Bis zum 18. März läuft die Frist, in der Interessenten Kaufgebote für die italienische Fluggesellschaft Alitalia abgeben können. Was danach passiert ist offen. Denn es gilt in der Branche als sicher, dass die staatliche Airline bis dahin einen laufenden Überbrückungskredit von 400 Millionen Euro aufgebraucht haben wird. Schon seit Jahren erwirtschaftet das Unternehmen Verluste, der jüngste Einbruch der Passagierzahlen in Folge der Coronavirus-Krise hat die Lage noch einmal verschärft.

Mit genauen Daten hält man sich offiziell zurück, doch italienische Medien berichteten schon vor der Einrichtung neuer Sperrgebiete am Wochenende, an Italiens Flughäfen sei die Zahl der Reisenden um 50 Prozent und mehr gefallen.

Weniger Flüge, weniger Flugzeuge

Schon im Februar hatte der von der Regierung bestellte Sonderverwalter Giuseppe Leogrande verfügt, wegen der sich zuspitzenden Krise die Flotte zu verkleinern. So sollen drei Langstreckenjets an die Leasinggeber zurückgegeben werden. Auf nahezu allen Strecken wurde die Zahl der Flüge ausgedünnt. Für einen erheblichen Teil der Mitarbeiter will Leogrande zudem Kurzarbeit vereinbaren, um dem notleidenden Unternehmen eine Atempause zu erkaufen.

Weitere Staatshilfen sind fraglich

Ob die italienische Regierung in Zukunft gewillt ist, weitere Staatsgelder zu gewähren, ist fraglich und rechtlich umstritten. Denn laut EU-Recht sind Überbrückungskredite zwar legal. Aber sie dürfen nur überwiesen werden, wenn ein Unternehmen eine realistische Chance hat, das Geld nach einer Sanierung wieder zurückzuzahlen.

Bei Alitalia gilt dies als fraglich. Deswegen könnten Wettbewerber juristisch klären lassen, ob Italien seine Staatsairline dauerhaft illegal subventioniert.

Lufthansa als möglicher Käufer im Gespräch

In Rom hat man aber die Hoffnung nicht aufgegeben, doch noch einen Käufer zu finden. Als Interessenten gelten ein Konsortium aus Delta und Air France-KLM auf der einen und die Lufthansa auf der anderen Seite. Beide haben aber bereits erklärt, eine Übernahme der Alitalia sei nur sinnvoll, wenn das marode Unternehmen eine harte Sanierung durchlaufe. Dagegen aber sperrten sich bisher die italienischen Gewerkschaften.

Experten vermuten aber, dass die nun existenzielle Notlage der Alitalia diesen Widerstand deutlich mindern könnte. Erfahrungen mit solchen Übernahmen in Krisenzeiten hat vor allem die Lufthansa. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 übernahm sie die insolvente damalige Swissair, in der Finanzkrise stieg sie dann bei der österreichischen Austrian und der belgischen Brussels ein.

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