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Corona-Krise: Ambulante Pflege vor dem Aus? | BR24

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Die Versorgung alter und kranker Menschen zu Hause hat sich durch die Corona-Pandemie enorm erschwert. Die ambulanten Pflegedienste in Bayern haben keine Schutzkleidung und Desinfektionsmittel mehr. Hilfen sind dringend notwendig.

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Corona-Krise: Ambulante Pflege vor dem Aus?

Die Versorgung Alter und Kranker daheim hat sich durch die Corona-Pandemie enorm erschwert. Ambulanten Pflegediensten in Bayern geht die Schutzkleidung aus. Zudem fehlen Pflegekräfte aus Osteuropa. Hilfe tut Not, damit das System nicht kollabiert.

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Jeden Morgen bereitet sich Pfleger Stefan Schüler aus München darauf vor, Bedürftige daheim zu versorgen. Momentan wird es für ihn immer schwerer, sich und seine Patienten vor dem Corona-Virus zu schützen, weil ihm die Ausrüstung ausgeht. "Die Sachen, die gerade knapp sind, sind vor allem Händedesinfektion, Schutzkleidung, Mundschutz", erklärt er.

Auch seine Chefin Christel Henoch sieht das Problem und macht sich Sorgen. Zwei Wochen könnten Masken und Schutzmittel ihrer Meinung nach noch reichen. "Dann brauchen wir dringend Nachschub, um eine hygienische Versorgung vor Ort leisten zu können", sagt Christel Henoch. Die Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes kümmern sich um 270 Menschen in München. Bisher hat sich niemand mit dem Sars-Covid-19 infiziert und das soll auch so bleiben.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Höhere Belastung durch Corona

Für Pfleger Stefan Schüler ist der ohnehin stressige Job durch den Coronavirus noch härter geworden. "Die Patienten sind verunsichert, weil sie nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen", erklärt der Pfleger. "Die Mitarbeiter sind verunsichert, weil sie Angst haben Patienten oder sich selber anzustecken und nicht wissen, wie es weitergeht, wenn sie krank werden."

Eine Maßnahme war, die Mitarbeitenden des Pflegedienstes zu isolieren. Sie dürfen sich nicht mehr treffen und Teammeetings sind bis auf weiteres abgesagt. "Jeder ist auf sich alleine gestellt, was für alle eine große psychische Belastung ist", sagt Stefan Schüler.

Die Angst vor Corona und ihre Folgen

Auch bei den Mitarbeitenden der Deutschen Seniorenbetreuung herrscht Unsicherheit. Die Agentur vermittelt Pflegekräfte aus Osteuropa. Mittlerweile melden sich etwa 30 Patienten am Tag, weil ihre Pflegekraft zurück nach Osteuropa möchte. "Man kann niemanden zwingen, vor Ort zu bleiben", sagt Duc Doan von der Deutschen Seniorenbetreuung.

Neue Kräfte in Osteuropa anzuwerben, ist nicht leicht. Das erste Problem sind die geschlossenen Grenzen. "Wenn Pflegekräfte dann eine Möglichkeit finden, nach Deutschland zu fahren, besteht immer noch das Problem: Kann es sein, dass ich mich anstecke?", erklärt Duc Doan.

Pflegekräfte aus Osteuropa unverzichtbar

Elisabeth Mann aus Ungarn betreut acht ältere Frauen in einer Senioren-WG bei Pfaffenhofen. Sie ist über die Vermittlungsagentur gerade noch rechtzeitig nach Bayern gekommen kurz bevor die Grenzen geschlossen wurden. Sie ist gerne hier, sagt sie. Denn die Pflege alter Menschen sei ihr Traumberuf. Angst vor dem Coronavirus hat Elisabeth Mann nicht. "Hier in der WG fühle ich mich auf der sicheren Seite, weil keiner reinkommen kann", erklärt sie.

Ingrid Schwarzbauer hat die Senioren-WG gegründet und ist froh, dass Elisabeth Mann in letzter Sekunde zu ihnen kommen konnte. "Wenn wir sie nicht bekommen hätten, wäre es wieder an mir hängen geblieben, dass ich wieder zehn Stunden von früh bis spät in der WG bin", sagt Ingrid Schwarzbauer. "Alleine schafft man das nicht", bestätigt Elisabeth Mann.

Maßnahmen gegen Versorgungsengpass

Zu schaffen ist die Pflege nur, wenn ausreichend Schutzkleidung vorhanden ist. Das hat auch das Bayerische Gesundheitsministerium erkannt und auf den Versorgungsengpass reagiert. In der Staatskanzlei in München wurde ein Krisenstab eingerichtet. Er ist die zentrale Koordinationsstelle Bayerns in der Corona-Bekämpfung und zuständig für die Beschaffung von medizinischer Ausrüstung wie Schutzkleidung oder Desinfektionsmitteln.

In Krankenhäusern herrscht die größte medizinische Not, deswegen bekommen sie die Materiallieferungen zuerst. Wann die ambulanten Pflegedienste Nachschub erhalten, ist unklar. Ohne Schutzkleidung könnte Pfleger Stefan Schüler aber bald niemanden mehr zu Hause versorgen. "Es ist eine große Sorge der Patienten, jetzt in diesen Zeiten in die Klinik zu müssen. Da ist der Hotspot für Infektionen", sagt er.