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Corona-Konjunkturpaket: Wer profitiert vom Familienbonus? | BR24

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So funktioniert der Familienbonus.

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Corona-Konjunkturpaket: Wer profitiert vom Familienbonus?

Teil des Konjunkturpakets in Corona-Zeiten ist ein Familienbonus. Demnach zahlt der Staat an Eltern 300 pro Kind. Ob der Bonus für Kinder den richtigen Familien hilft und die Maßnahme die Konjunktur ankurbelt, ist umstritten.

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Union und SPD haben sich am späten Mittwochabend auf ein Corona-Konjunkturpaket in Höhe von 130 Milliarden Euro geeinigt. Damit sollen Zukunftsinvestitionen und kurzfristige Impulse für die Konjunktur angestoßen werden. Im Zentrum dabei: Familien.

Alle kindergeldberechtigten Eltern sollen einen Bonus in Höhe von einmalig 300 Euro pro Kind erhalten. Die Hoffnung ist, dass Familien dieses Geld ausgeben und damit die Konjunktur angekurbelt wird. Eine ungewöhnliche Allianz aus Wirtschafts- und Sozialexperten hatte dies zuletzt bezweifelt und befürchtet, dass das Geld gerade in Gutverdiener-Haushalten gespart werde.

Wer profitiert vom Familienbonus?

SPD-Chef Norbert Walter Borjans erklärte anschließend, dass der Bonus auf Familien mit mittleren und niedrigen Einkommen beschränkt sei. Demnach werden die 300 Euro pro Kind mit dem Kinderfreibetrag verrechnet. Eltern mit höheren Einkommen, die vom Kinderfreibetrag mehr profitieren als vom Kindergeld, haben also nichts davon. Zwar wird auch ihnen das Geld ausgezahlt, allerdings wird die Zahlung mit dem Freibetrag verrechnet, wenn sie ihre Steuererklärung machen.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) ergänzte am Donnerstag: "Der Kinderbonus ist sozial gerecht". Gutverdiener würden nicht übervorteilt. Sie gehe davon aus, dass eine Paarfamilie mit einem Kind bis zu einem zu versteuernden Einkommen von 90.000 Euro von dem Kinderbonus profitierten werde.

Keine Anrechnung auf Hartz IV - Auszahlung wohl in Raten

Auf die Grundsicherung wird der Familienbonus nicht angerechnet. Das heißt, Empfänger von Sozialleistungen wie Hartz IV oder Wohngeld erhalten die 300 Euro in voller Höhe zusätzlich zu den Regelsätzen.

Wann das Geld ausgezahlt wird, stehe noch nicht fest, das sollte laut Giffey aber zeitnah geklärt werden. Auch am Freitag waren noch keine weiteren Details bekannt. Klar ist aber: Die Auszahlung soll mit dem Kindergeld erfolgen - wahrscheinlich in drei Raten. "Dann würden auf dem Kontoauszug für die Kindergeldzahlung nicht die 204 Euro stehen, sondern über drei Monate 304 Euro", sagte Giffey. Insgesamt wird die Maßnahme den Staat 4,3 Milliarden Euro kosten.

Kritik am Familienbonus vom VdK - Lob vom ifo-Institut

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, kritisierte den Familienbonus scharf. Dieser werde "verbrennen wie ein Strohfeuer", sagte sie der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Viel zielgenauer wäre es, nur arme und bedürftige Familien zu unterstützen. Wer echte finanzielle Sorgen habe, "dem helfen 300 Euro gar nichts", sagte die VdK-Chefin.

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, bewertete den Familienbonus im "Deutschlandfunk" hingegen prinzipiell positiv. Er schaffe eine spürbare Entlastung. Es wäre aber unfair, die Belastungen von Familien und Alleinerziehenden in der Corona-Krise mit dieser Einmalzahlung abzugelten. Für sie müsse langfristig deutlich mehr getan werden. "Es kann nicht sein, dass man sich mit den 300 Euro von dieser Verpflichtung loskauft."

Corona-Konjunkturpaket bringt auch Hilfe für Alleinerziehende

Das Konjunkturpaket sieht auch Hilfen für Alleinerziehende vor. Der Entlastungsbeitrag, den sie bei der Steuer von den Einkünften abziehen können, wird für 2020 und 2021 von derzeit 1.908 auf 4.000 Euro angehoben.

Der Familienbonus war eine der Kernforderungen der SPD. Aus der CDU waren vor den Verhandlungen Stimmen nach einer noch höheren Unterstützung von bis zu 600 Euro zu hören, die CSU war zu Beginn skeptisch, Markus Söder nannte die Idee später dann jedoch "sinnvoll".

Hintergrund: Wer ist Kindergeld-berechtigt?

Eltern erhalten auf Antrag für ihre Kinder zwischen der Geburt und dem 18. Lebensjahr Kindergeld. Den Anspruch haben die Sorgeberechtigten, die mit dem Kind in einem Haushalt leben. Die Kindergeld-Zahlung kann bis zum 25. Lebensjahr verlängert werden, beispielsweise wenn sich das Kind dann noch in der Ausbildung oder im Studium befindet - auch wenn es dann nicht mehr im gemeinsamen Haushalt lebt. Weitere Voraussetzung für den Kindergeld-Bezug: ein Wohnort in Deutschland, einem anderen Land der EU, in Norwegen, Liechtenstein, Island oder der Schweiz.

Hintergrund: Wer erhält den Kinderfreibetrag?

Neben Kindergeld gibt es für Eltern den sogenannten Kinderfreibetrag bei der Steuer (2019: 7.620 Euro pro Kind). Dieser wird vom zu versteuernden Einkommen der Eltern abgezogen, wodurch sich die zu zahlende Steuer verringert. Das Finanzamt prüft bei Abgabe der Steuererklärung automatisch, ob die Eltern mehr vom Kindergeld oder Freibetrag profitieren. Bei Vielverdienern lohnt sich der Freibetrag mehr. Wem dennoch Kindergeld ausgezahlt wurde, der zahlt es über die Steuer zurück.

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