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Angebot und Nachfrage ändern sich: Die Preise für manche Güter schwanken stark in der Corona-Pandemie. Billiger wurden Makeup und Parfüm.

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    Corona-Inflation: Wie die Pandemie Produkte verteuert

    Wieviel dürfen ein PC, die Webcam oder ein Fernseher kosten? In den vergangenen zwölf Monaten gab es bei manchen Produkten regelrecht Preissprünge - weil pandemiebedingt in einigen Bereichen die Nachfrage sehr hoch war und es Produktionsengpässe gab.

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    Von
    • Walter Kittel

    Wer günstig einkaufen möchte, braucht normalerweise etwas Glück oder Geduld. Vor allem bei Elektronikartikeln hat sich das Warten früher häufig gelohnt. Denn es gab nicht nur viele Angebote. Bei neu eingeführten Produkten sank der Preis auch oft schon nach ein paar Monaten.

    Corona-Pandemie: Zahlreiche Artikel teurer

    Doch seit der Corona-Pandemie ist vieles anders. Zahlreiche Artikel sind heute teurer als vor einem Jahr, so Eva Stüber vom Institut für Handelsforschung in Köln. Sie empfiehlt den Verbrauchern, sich vor einem Kauf auf Preisvergleichsseiten im Internet zu informieren: "Gerade bei technologischen Produkten konnten wir vorher sehen, dass umso länger die am Markt waren, umso günstiger sind sie geworden. Diese Entwicklung ist momentan ausgehebelt", konstatiert Stüber.

    Teils steigen die Preise nur wenige Prozentpunkte. Es könne aber auch vorkommen, dass sie sich verdoppeln oder sogar verdreifachen, so Stüber weiter - "je nachdem, in welchem Bereich wir unterwegs sind".

    Logistikprobleme und steigende Nachfrage treiben die Preise

    Da während des Lockdowns die meisten Menschen mehr Zeit zu Hause verbracht haben, gab es mehr Nachfrage nach bestimmten Produkten: etwa zur Ausstattung des Homeoffice oder der Küche. Auch Gymnastik und Sport wurde nach Schließung von Fitnessstudios mehr zu Hause betrieben.

    Der plötzliche Nachfrageschub führte zum Ausverkauf bestimmter Produkte und zu höheren Preisen. Engpässe bei der Chipproduktion und Logistikprobleme - etwa bei Transporten aus China verschärften die Lage teilweise noch.

    Drucker teils 300 Prozent teurer

    Besonders deutliche Preissprünge soll es zum Beispiel bei Webcams, PCs, Grafikkarten oder Küchenmaschinen und Fitnessgeräten gegeben haben. Das hat etwa das das Internetportal Testberichte.de so recherchiert. Bei einigen Produkten und Modellen war der Preisanstieg besonders auffällig, so Niels Genzmer von Testberichte.de.

    Ganz besonders treffe dies auf Drucker zu: "Bei Druckern haben wir teilweise eine Vervierfachung des Preises festgestellt. Das betrifft bestimmte Drucker von Canon oder auch HP, die zwischendurch oder so Anfang des Jahres 400 statt 100 Euro gekostet haben. Was der normale Preis wäre. Grund für die Preisexplosion: für die Einrichtung des Homeoffice waren bestimmte Markenprodukte besonders gefragt. Händler, die noch Ware anzubieten hatten, schraubten die Preise entsprechend nach oben.

    Schwankende Preise bei Webcams und Fitnessgeräten

    Kaufen um jeden Preis ist in solchen Fällen ein schlechter Ratgeber, sagen Experten. Denn oft gibt es Alternativen. So sollen die Preise für Drucker im Durchschnitt "nur" um knapp 20 Prozent gestiegen sein. Ob sich die Preise bald wieder auf niedrigeren Niveaus einpendeln werden, ist ungewiss. In den vergangenen Monaten hing das stark vom Pandemieverlauf und den Lockdowns ab.

    Die Preise schwankten sehr stark. Zum Beispiel bei Webcams, berichtet Genzmer: "Bei den Webcams insgesamt ist es so gewesen, dass die erstmal zugenommen haben im Februar, März, April vergangenen Jahres. Dann ist der Preis ein bisschen zurückgegangen. Allerdings nicht auf Normalniveau. Und kaum kam der zweite Lockdown, so ungefähr im Oktober, November 2020 sind die Preise wieder hochgegangen. Inzwischen, so seit Februar dieses Jahres 2021, gehen sie wieder zurück."

    Ähnlich wie bei den Webcams soll es bei Fitnessgeräten wie Crosstrainern und Rudergeräten gelaufen sein. "Wobei viele Geräte, die für den Sport zu Hause geeignet sind, nach wie vor schlicht und einfach schwer zu bekommen sind."

    Makeup und Parfum wurden billiger

    Mit Öffnung der Fitnessstudios könnte sich die Lage aber wieder entspannen. Manche Artikel waren während der Pandemie leicht zu bekommen, wurden aber weniger gebraucht: zum Beispiel Koffer, deren Preise im Durchschnitt gesunken sind.

    Medienberichte, dass Kosmetik, Parfums und Drogerieartikel aufgrund geringerer Nachfrage während des Lockdowns um mehr als ein Zehntel billiger geworden seien, übertreiben jedoch, sagt Christoph-Martin Mai, Referatsleiter Verbraucherpreise beim Statistischen Bundesamt. Er beschreibt ein sehr viel differenzierteres Bild:

    "Es gibt dort Güter, zum Beispiel Haarspray oder Haargel, die sind deutlich teurer geworden. Nämlich gegenüber dem Vorjahr um 9 Prozent. Auch Kajal oder Maskara ist deutlich gestiegen im Preis mit 2,2 Prozent. Dagegen sind dann Preise für Parfum oder ähnlichem stark zurückgegangen, um 4 Prozent. Auch Preise zum Beispiel für Lippenstift oder Makeup-Waren." Christoph-Martin Mai, Referatsleiter Verbraucherpreise beim Statistischen Bundesamt

    Holz ist teurer geworden

    Mit anziehender Konjunktur sind in den vergangenen Monaten vor allem die Preise für viele Rohstoffe gestiegen. Dadurch wird etwa das Bauen teurer. In vielen Alltagsprodukten machen sich höhere Rohstoffpreise aber oft erst später bemerkbar. Zum Beispiel die stark gestiegenen Holzpreise bei Möbeln. Denn nicht selbst werden höhere Rohstoffpreise an die Verbraucher weiter gegeben - allerdings mit Zeitverzögerung, heißt es beim Statistischen Bundesamt.

    Auch viele Agrarrohstoffe wie Mais, Soja oder Zucker sind in den vergangenen zwölf Monaten teilweise sehr viel teurer geworden. Das könnte den Einzelhandel betreffen und bald höhere Lebensmittelpreise zur Folge haben.

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