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Corona hat bayerischen Arbeitsmarkt weiterhin im Griff | BR24

© picture-alliance/dpa

Logo der Bundesagentur für Arbeit

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    Corona hat bayerischen Arbeitsmarkt weiterhin im Griff

    Auch im Mai ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen und die Kurzarbeit nimmt zu. Unternehmen bieten nur wenige freie Stellen an. Der bayerische Ausbildungsmarkt scheint dagegen der Corona-Krise zu trotzen.

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    Die Arbeitslosigkeit in Bayern ist im Zuge der Corona-Krise weiter gestiegen. Sie nimmt jedoch nicht mehr so schnell zu wie nach Beginn der wirtschaftlichen Einschränkungen. So waren im Mai 290.580 Frauen und Männer im Freistaat arbeitslos gemeldet. Das sind laut Bundesagentur für Arbeit 18.727 Betroffene mehr als im April. Gegenüber Mai vergangenen Jahres beläuft sich der Anstieg auf 44,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt 3,8 Prozent.

    Arbeitslosenzahlen weiter verschlechtert

    Der Leiter der Regionaldirektion Bayern, Ralf Holtzwart, stellt fest: "Im Zuge der Corona-Krise hat sich die Entwicklung der Arbeitslosigkeit weiter verschlechtert." Er werte es aber als erfreulich, dass sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit deutlich verlangsamt habe. Gegenüber dem Vormonat stieg die Arbeitslosenquote nur um 0,2 Prozentpunkte.

    "Wir sehen schon, dass die Kurve abflacht und dass wir auf eine Stabilität auf hohem Niveau langsam einschwenken." Ralf Holtzwart, Leiter der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit

    Die Arbeitslosenquote hat zwar noch eine 3 vor dem Komma. Dennoch ist der Anstieg auf 3,8 in einem Mai, der sonst ein klassischer Monat für einen saisonalen Aufschwung ist, ein ernst zu nehmendes Signal. Die aktuelle Mai-Arbeitslosenquote liegt so hoch wie seit der Finanzkrise vor zehn Jahren nicht mehr, gibt Holtzwart zu bedenken.

    Mehr Betriebe melden Kurzarbeit an

    Weiter gestiegen ist auch die von Unternehmen angezeigte Kurzarbeit. Im März und April hatten bereits 125.998 Betriebe angekündigt, voraussichtlich die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten zu reduzieren. Im Mai taten dies 13.364 Unternehmen. Hinter diesen Zahlen stehen bis zu zwei Millionen Beschäftigte, die von Kurzarbeit betroffen sein könnten, erläutert der Chef der bayerischen Arbeitsagenturen. Er rechne damit, dass rund 1,4 Miilionen Menschen dieses Personenkreises tatsächlich in Kurzarbeit gehen werden. Die Spanne der Arbeitszeitverringerung reiche von 10 bis 100 Prozent. Wie viele Betriebe bislang tatsächlich kurzarbeiten oder kurzgearbeitet haben, weiß die Regionaldirektion erst, wenn die Unternehmen das abgerechnet haben.

    Zahl der offenen Stellen ist gering

    Der Personalbedarf ist weiterhin insgesamt gering. Allerdings zeigt sich im Mai eine leichte Erholung. Es wurden 15.167 neue Arbeitsstellen gemeldet. Das sind 2.223 offene Stellen mehr als im April. Der Großteil der neu ausgeschriebenen Stellen kommt nach Angaben der Statistiker aus dem Handel, dem Baugewerbe, dem Gesundheits- und Sozialwesen und der Verwaltung. Doch im Jahresvergleich ist der Personalbedarf im Freistaat um knapp 43 Prozent zurückgegangen. Die Regionaldirektion verweist darauf, dass der Rückgang an freien Arbeitsplätzen nicht nur mit der Corona-Krise zu tun hat, sondern bereits Monate zuvor begonnen hat.

    Aussicht auf Lehrstellen trotz Corona gut

    Die Lage am bayerischen Ausbildungsmarkt bewertet die Regionaldirektion als weiterhin gut. So sei die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe trotz Corona hoch. Aktuell stünden 26.237 Bewerberinnen und Bewerber 45.757 gemeldete Ausbildungsstellen zur Auswahl. Brenzlig werde es lediglich für die jungen Leute, deren Betrieb während der Ausbildung in Insolvenz geht. Doch versichert Holtzwart: Die Arbeitsagenturen seien in der Lage, den Betroffenen in solchen Fällen zügig zu einem anderen Lehrbetrieb zu verhelfen.

    Oberbayern und Schwaben besonders unter Druck

    Unter den bayerischen Regierungsbezirken stieg die Arbeitslosigkeit am stärksten in Oberbayern. Der Anstieg beträgt im Vergleich zum Vormonat knapp zehn Prozent, gegenüber dem Vorjahresmonat 54 Prozent. In Schwaben sind die Zuwächse rund sieben und 48 Prozent hoch. Hier fällt auch der Rückgang neu gemeldeter Stellen mit einem Minus von 39 Prozent am stärksten aus. Die Arbeitslosenquote beträgt 3,7 Prozent. Sowohl Schwaben als auch Oberbayern haben in hohem Maße unter Ausfällen im Tourismus, der Gastronomie und der Zeitarbeit zu leiden.

    Günstigste Entwicklung in der Oberpfalz

    Die günstigste Entwicklung zeigt sich in der Oberpfalz. Wie sonst nur noch in Niederbayern, kann sich die Arbeitslosenquote auch in der Oberpfalz unverändert halten. Sie beträgt 3,3 Prozent und liegt damit um 0,3 Punkte besser als in Niederbayern. Dennoch schlägt auch hier im Vorjahresvergleich ein hoher Verlust an Arbeitsplätzen zu Buche. Zu Zeiten der Corona-Pandemie gibt es in der Oberpfalz 36,5 Prozent mehr Arbeitslose zu verzeichnen als im Mai 2019.

    Hoffen auf Lichtblick durch Corona-Lockerungen

    In den Arbeitsagenturen hofft man bereits auf einen Lichtblick bei den Zahlen Ende Juni. In den nächsten Arbeitsmarktzahlen dürften sich nämlich die Auswirkungen der Lockerungspolitik in der Corona-Krise zeigen. Es geht um den Zeitraum, in dem Gastronomie, Handel, Verarbeitendes Gewerbe und der innerdeutsche Fremdenverkehr wieder langsam hochfahren konnten.

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