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Corona-Gipfel: Die Folgen der Pandemie für die Wirtschaft | BR24

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Wirtschaftsminister Altmaier hat sich mit den wichtigsten Verbänden über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Eine Testpflicht für Unternehmen sieht er dabei skeptisch. Aber auch über einen weiteren Lockdown wurde debattiert.

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Corona-Gipfel: Die Folgen der Pandemie für die Wirtschaft

Wirtschaftsminister Altmaier hat sich mit den wichtigsten Verbänden über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Eine Testpflicht für Unternehmen sieht er dabei skeptisch. Aber auch über einen weiteren Lockdown wurde debattiert.

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  • Felix Lincke

Vor dem Hintergrund möglicher Verschärfungen im Kampf gegen Corona hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sich mit Verbänden beraten. Neben einer möglichen Perspektive für die Zeit nach dem Lockdown ging es den Wirtschaftsvertretern darum, eine drohende Testpflicht abzuwenden.

Gesetzliche Testpflicht für Unternehmen eher unwahrscheinlich

Dass nach den Schulen auch in Betrieben Tests vorgeschrieben werden, ist unwahrscheinlich. Bundeswirtschaftsminister Altmaier sieht eine Pflicht zu Testangeboten in Unternehmen skeptisch. Wenn man die Firmen gesetzlich verpflichte, Corona-Tests für Beschäftigte bereitzustellen, dann müsse das auch kontrolliert werden, sagte Altmaier.

Und es würde Wochen dauern, solche Kontrollen einzurichten. In dieser Zeit wird Altmaier zufolge die Impfkampagne Fahrt aufnehmen. Er erkenne die Anstrengungen der Wirtschaft an, eine abschließende Bewertung der Bundesregierung gebe es aber noch nicht.

Die Koalition will nächste Woche darüber beraten, was zu tun ist, um die Zahl der Tests in Unternehmen zu erhöhen. Bundeskanzlerin Angela Merkel strebt eine Quote von mehr als 90 Prozent an. Davon sind viele Branchen aber offenbar noch weit entfernt.

Neuer Lockdown würde für viele Firmen nichts mehr ändern

Eine Verschärfung der Maßnahmen gegen Corona im laufenden Lockdown, wie sie von Bund und Ländern diskutiert wird, zielt nur auf einige ausgewählte Branchen. Der Großteil der Unternehmen, die etwa 95 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, blieben wie bisher weitgehend verschont und müssten nur bestimmte Hygiene-Regeln befolgen.

Zu leiden unter neuen Beschränkungen hätten vor allem einige Dienstleister wie im Gastgewerbe und im Handel (mit Ausnahme von Lebensmitteln) sowie die Bereiche Kultur, Freizeit und Touristik. Ihre Geschäfte sind seit Monaten bereits weitgehend lahmgelegt. Für sie könnte es Not- und Überbrückungshilfen auch im zweiten Halbjahr noch geben. Die Reisebranche sieht den Sommerurlaub bereits in Gefahr.

Homeoffice wird nicht überall ermöglicht

Für alle, die trotz Corona weitermachen können, besteht neben freiwilligen Tests auch eine Pflicht zum Homeoffice, der die Unternehmen nur zu etwa 60 Prozent nachkommen. Laut Zahlen des Münchener ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung arbeiten aktuell knapp ein Drittel der Beschäftigten zu Hause. Aber 56 Prozent könnte das theoretisch machen.

Haupthindernis sollen Vorgesetzte in Unternehmen sein, die ihre Mitarbeiter lieber im Büro sehen. In anderen Ländern wie in den USA und Großbritannien wird deutlich mehr Telearbeit geleistet und die Büros sind deutlich leerer als in Deutschland. Auch beim Homeoffice wird die Bundesregierung es vermutlich bei freundlichen Ermahnungen belassen.

Privatbereich runterfahren – Wirtschaft soll trotzdem weiterlaufen

Ziel der Politik bleibt es, in erster Linie private Kontakte und die Mobilität einzuschränken. Die Wirtschaft soll dagegen möglichst ungehindert weiterlaufen - vor allem die Industrie mit den Exportunternehmen und das Baugewerbe. Das gilt zum Beispiel für den grenzüberschreitenden Lieferverkehr und die internationalen Lieferketten, die nicht gestört werden sollen. Das war im ersten Lockdown im April 2020 anders, was dramatische Folgen für die Wirtschaftsleistung hatte.

Der aktuelle Lockdown soll dagegen keinen erneuten Einbruch der Konjunktur verursachen, sondern ein weiteres Wirtschaftswachstum ermöglichen. Das wird mit der zunehmenden Zeitdauer der Maßnahmen aber immer schwieriger. 2020 war das Bruttoinlandsprodukt um 4,9 Prozent eingebrochen. Die laufende Erholung war mit dem erneut Lockdown bereits im vierten Quartal ins Stocken geraten. Für das laufende Jahr sind zurzeit kaum noch seriöse Prognosen möglich.

Kosten und Staatsschulden steigen immer weiter

Die positive Rolle des Staates ist dabei kaum zu unterschätzen, der mit Milliardenkrediten, Zuschüssen und Hilfen wie dem Kurzarbeitergeld die Wirtschaft und auch den privaten Konsum am Laufen hält. Auf 1,32 Billionen Euro haben Experten im Handelsblatt die möglichen Corona-Schulden beziffert. Doch das meiste davon sind nur Bürgschaften und Kreditzusagen des Bundes wie für die Staatseigene KfW-Förderbank. Davon wird wahrscheinlich nur ein kleiner Teil tatsächlich ausfallen und zu Staatsschulden werden.

Immerhin hat die Pandemie die Verschuldung des Bundes um 35 Prozent steigen lassen, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt, das zwischenzeitlich aber stark geschrumpft war, statt weiterzuwachsen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz gab den Schulden einen konkreten Rahmen, indem er den Nachtragshaushalt für das laufende Jahr mit 60 Milliarden Euro bezifferte. Im Folgejahr 2022 rechnet Scholz mit einem Defizit von 81 Milliarden Euro.

Der Bund will also zusätzlich 141 Milliarden Euro an Krediten aufnehmen. Danach soll die Schuldenbremse wieder greifen. Auch Länder und Kommunen werden in der Krise noch viel Geld verlieren - allein durch fehlende Steuereinnahmen, aber auch durch Mehrausgaben wie für Sozialleistungen.

Hoffnung auf schnelle Erholung nicht aufgeben

Mitten im Lockdown ist es unmöglich, die Schäden durch Corona jetzt schon abzusehen. Wenn die Impfkampagne greift und eine Öffnung mit Lockerungen wieder möglich ist, erwarten viele Ökonomen einen Aufholeffekt. Rund 100 Milliarden Euro sollen die Bundesbürger im ersten Corona-Jahr 2020 bereits auf die hohe Kante gelegt haben, die Sparquote stieg auf den Rekordwert von 16,3 Prozent.

Mit einem Teil dieses vielen Geldes werden die Deutschen, so hofft man, den Konsum ankurbeln, wenn Geschäfte, Gaststätten und Freizeiteinrichtungen wieder aufmachen. Vieles lässt sich sicher nachholen. Sobald das Schlimmste vorbei ist, wird es auch wieder vielfältige Angebote geben. Das alles soll die Wirtschaft schnell wieder ankurbeln und auch die Staatseinnahmen verbessern, sodass die Folgen der Krise sich in Grenzen halten.

Gewinner und Verlierer der Corona-Krise

So wird es noch einige Zeit dauern, bis ein sinnvoller Rückblick auf die Schäden durch Corona möglich ist. Fest steht, dass es heute schon neben den vielen Verlierern auch einige Gewinner der Krise gibt. Zu ihnen zählen neben zahlreichen Anlegern wie Aktionären und Investoren vor allem die Immobilienbesitzer und viele Schuldner.

Die Kapitalmärkte profitieren von den zusätzlichen Maßnahmen, welche die Notenbanken zur Krisenbekämpfung getroffen haben. Dazu zählt, dass die Zinsen weiterhin extrem niedrig bleiben, um den Staaten die Corona-Schulden zu finanzieren. Bei den Immobilien geht es vor allem um Wohnungen, die wegen Homeoffice gefragt sind wie nie zuvor.

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Seit Tagen wird parteiübergreifend über einen bundesweiten harten Corona-Lockdown gestritten, was Unternehmern Angst macht. Perspektiven und weniger Einschränkungen forderten Vertreter ihrer Verbände heute von Bundeswirtschaftsminister Altmaier.

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