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Corona: Gehaltsverzicht statt Mietboykott bei Adidas | BR24

© dpa/picture-alliance/Long Wei / Costfoto

Die Adidas-Läden sind - wie viele andere Geschäfte - wegen der Corona-Pandemie momentan geschlossen.

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    Corona: Gehaltsverzicht statt Mietboykott bei Adidas

    Vor einigen Tagen hatte Adidas angekündigt, wegen der Coronakrise für seine Läden keine Miete mehr zu zahlen. Daraufhin erntete das Unternehmen scharfe Kritik. Jetzt hat sich Adidas entschuldigt und will stattdessen bei den Vorstandsgehältern sparen.

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    Der mittelfränkische Sportartikelhersteller Adidas zahlt nach harscher Kritik nun doch Miete für seine Läden. Das Unternehmen aus Herzogenaurach entschuldigte sich heute in einem offenen Brief für sein Vorpreschen. "Die Entscheidung, von Vermieter(innen) unserer Läden die Stundung der Miete für April zu verlangen, wurde von vielen von Ihnen als unsolidarisch empfunden", heißt es in dem Schreiben. Adidas hat nach eigenen Angaben die ausstehenden Mietzahlungen für April mittlerweile beglichen.

    "Ihre Meinung ist uns wichtig, und Ihre Meinung ist eindeutig: Sie sind von Adidas enttäuscht. Deshalb möchten wir uns bei Ihnen in aller Form entschuldigen." Adidas in seinem offenen Brief

    Vorstand verzichtet auf Teile seines Gehalts

    Um die finanziellen Einbußen durch die wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Läden auszugleichen, hat Adidas nun Einsparungen an anderer Stelle vorgenommen: Der Vorstand verzichtet bis auf weiteres auf die Hälfte des Gehalts, die Beschäftigten der Ebene darunter auf 30 Prozent, so das Unternehmen. Um Liquidität zu halten, wurde demnach das Aktienrückkaufprogramm vorläufig eingestellt. Gestern wurde zudem bekannt, dass 1.200 Adidas-Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt werden. Trotzdem werde man Kredite brauchen, heißt es aus Herzogenaurach.

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    "Shitstorm mit Ansage"

    Führende Politiker, darunter Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), hatten Adidas wegen der verlangten Mietstundungen hart kritisiert. Prominente und Kunden hatten in den sozialen Medien sogar zum Boykott aufgerufen. Die Bundesregierung habe die gesetzliche Möglichkeit zu Mietstundungen in der Coronakrise nicht für Großkonzerne geschaffen, so die Kritik.

    Für den Bayreuther Marketing-Experten Claas Christian Germelmann ist die Kritik nicht nur berechtigt, sie war sogar vorherzusagen: Im Interview mit dem BR bezeichnete er die Aktion als "Shitstorm mit Ansage". Gerade jetzt, im Kampf gegen ein komplexes Virus, seien einfache Regeln und Klarheit wichtig. "Adidas ist ein Sportartikelhersteller. Im Sport gilt Fair Play und das was da bei Adidas verstanden wurde, wurde als Verstoß gegen Fairplay wahrgenommen", erklärt Germelmann.

    Schwierige Zeiten für traditionelle Geschäfte

    Konzern-Chef Kasper Rorsted war bereits am Sonntag zum Teil zurückgerudert und hatte versprochen, den wenigen kleinen Vermietern die fälligen Mieten zu zahlen. Adidas wirbt in dem Brief auch um Verständnis für den Vorstoß: "Fast auf der gesamten Welt findet kein normales Geschäft mehr statt. Die Läden sind zu. Das hält selbst ein gesundes Unternehmen wie Adidas nicht lange aus."

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