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Corona bringt Kliniken in finanzielle Probleme | BR24

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Die Corona-Krise hat viele Kliniken in finanzielle Schieflage gebracht - auch in Bayern. Sie mussten unter anderem einen Teil ihrer Intensivbetten für Covid-19-Patienten freihalten. Die Forderungen nach staatlicher Unterstützung werden lauter.

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Corona bringt Kliniken in finanzielle Probleme

Viele Kliniken hat Corona vor große finanzielle Herausforderungen gestellt. Die Politik hat zwar hohe Geldsummen auf den Weg gebracht. Doch gerade bei Krankenhäusern für die alltägliche Versorgung gibt es Befürchtungen, dass das Geld nicht reicht.

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Die Kliniken Südostbayern drohen nach Ansicht ihres Vorstandsvorsitzenden Uwe Gretscher zu Verlierern der Coronakrise zu werden – und das, obwohl sie bei der Bewältigung der ersten Corona-Welle besonders viel geleistet haben. Die Krankenhäuser der Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land haben während des Ausbruchs im Frühjahr überdurchschnittlich viele Corona-Patienten behandelt. Doch weil das Abrechnungssystem nach sogenannten Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups, kurz: DRG) solche Sondersituationen nicht vorsieht, habe der Klinikverbund mit der Behandlung von Corona-Patienten beträchtlichen Verlust gemacht, sagt Gretscher.

"Wir haben unterm Strich ungefähr sieben Millionen Euro draufgezahlt, das ist für uns ein ungedeckter Scheck." Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender Kliniken Südostbayern

Zu wenig Geld für Daseinsvorsorge

Die Kliniken Südostbayern stehen mit ihren Problemen nicht alleine da. Auch der Geschäftsführer der München Klinik, Axel Fischer, beklagt, dass Krankenhäuser mit überdurchschnittlich vielen Corona-Patienten in finanzielle Risiken geraten. Die Bundesregierung hat zwar bald nach Ausbruch der Pandemie umfangreiche Gelder bereitgestellt. Alleine an bayerische Krankenhäuser sind nach Angaben des Bayerischen Gesundheitsministeriums seit Mitte März 1,1 Milliarden Euro geflossen.

Doch bei vielen Krankenhäusern, die die alltägliche Versorgung gewährleisten, seien die Kosten bislang nicht vollständig ausgeglichen worden, sagt der Chef der Krankenhäuser der Stadt München. Der Verteil-Mechanismus habe gleichzeitig dazu geführt, dass manche Kliniken deutlich mehr Geld bekommen hätten, als sie eigentlich brauchten, kritisiert Fischer. Krankenhäuser, die keine oder nur wenige Covid-Patienten behandelt haben, seien deutlich besser gestellt als Kliniken, die bei der Behandlung stark gefordert waren.

Einzelne Träger mit deutlichen Gewinnsteigerungen

Tatsächlich gibt es Krankenhaus-Träger, die fürs erste Halbjahr sehr positive Zahlen melden können. Ein Beispiel ist die private Krankenhaus-Kette Schön Klinik mit Sitz in Prien am Chiemsee, sie hat ihren operativen Gewinn im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt, auf 51,8 Millionen Euro.

Zusagen aus der Politik

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagt Kliniken, die in Finanzproblemen stecken, Unterstützung zu. Auf Bundes- und Landesebene seien umfangreiche Finanzpakete für die Kliniken geschnürt worden, betont die Ministerin. Seit Mitte März seien alleine an bayerische Krankenhäuser 1,1 Milliarden Euro geflossen, um die Belastung durch die Corona-Pandemie auszugleichen. Die Politik wolle mit den Krankenhäusern im Gespräch bleiben, "damit wir schauen können, wo wir nachjustieren sollten", betont Huml.

"Uns ist völlig klar, dass einzelne Häuser, die sich besonders stark im Kampf gegen Covid engagieren, möglicherweise trotz dieser großzügigen Unterstützung finanziell unter Druck stehen. Wir beobachten die Entwicklung dahingehend genau." Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU)

Mehr Geld von den Krankenkassen

Auch die Bayerische Krankenhausgesellschaft BKG sieht finanzielle Schieflagen zu Lasten von Kliniken, die besonders viele Corona-Patienten hatten. Der BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein vertraut aber darauf, dass eine Nachbesserung greift, die die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat. Die Krankenkassen sollen Defizite ausgleichen, die den Krankenhäusern ausschließlich wegen der Corona-Pandemie entstanden sind.

"Wenn ein Krankenhaus glaubhaft machen kann und nachweisen kann, dass es aufgrund dieser Corona-Situation in eine wirtschaftliche Schieflage geraten ist, dann hat es einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen." Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer Bayerische Krankenhausgesellschaft

Zähe Verhandlungen

Der Chef der Kliniken Südostbayern, Uwe Gretscher, fürchtet allerdings, dass die Verhandlungen mit den Krankenkassen über einen Corona-Ausgleich sich hinziehen könnten. "Für uns bedeutet das einen erneuten Stress-Test", stellt er fest. Der Vorstandsvorsitzende der München-Klinik, Axel Fischer, fordert gleichzeitig, dass die Finanzierung der Krankenhäuser grundlegend neu geregelt wird. Die Bezahlung über Fallpauschalen, bei der Kliniken für jeden Patienten – je nach Diagnose – eine bestimmte feste Summe bekommen, müsse komplett reformiert werden.

"Das jetzige Finanzierungssystem funktioniert in bestimmten Bereichen nicht. Zum Beispiel bei der Vorhaltung, aber auch bei der klassischen Daseinsvorsorge." Dr. Axel Fischer, Vorstandsvorsitzender München Klinik

Die Coronakrise habe eines klar gezeigt, sagt Fischer: Ein Finanzierungssystem, das vor allem den Regeln der Marktwirtschaft gehorcht, sei im Gesundheitswesen am falschen Platz.

© Nikolaus Nützel

Medizinisch betrachtet haben die deutschen Krankenhäuser die Pandemie gut bewältigt. Jetzt macht ihnen die zusätzliche finanzielle Last Sorgen.

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