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Continental will 2.100 Jobs in Regensburg abbauen

Continental verschärft seinen Sparkurs: Im Regensburger Continental-Werk sollen 2.100 Jobs gestrichen werden. Das hat der Automobilzulieferer bekannt gegeben. Die Beschäftigten wollen um jeden Job kämpfen.

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Der Automobilzulieferer Continental will in Deutschland 13.000 Arbeitsplätze abbauen und Standorte schließen. Das Werk in Regensburg und die Antriebssparte Vitesco Technologies sind mit 2.100 Stellen besonders betroffen.

"Die geplanten Strukturanpassungen betreffen voraussichtlich rund 2.100 Arbeitsplätze in der Produktion, der Entwicklung und in der Verwaltung", teilte Continental auf Anfrage des BR mit. Die Umsetzung der Maßnahmen sei bis Ende 2024 angedacht. Konkrete Entscheidungen zu den Maßnahmen am Standort seien noch im Herbst dieses Jahres zu erwarten.

Radikaler Kahlschlag

Mit einem derart radikalen Kahlschlag habe niemand rechnen können, sagt Rico Irmischer, Geschäftsführer der IG Metall in Regensburg. "Nach Jahren voller satter Renditen habe das Unternehmen keine bessere Idee als einen hektischen, konzeptlosen Arbeitsplatzabbau anzukündigen."

Die Automobilindustrie und damit auch Continental stünden zweifelsohne vor großen Herausforderungen. Die Transformation, die Umstellung der Produktion und die durch Corona zugespitzte Situation zwängen den Vorstand zum Handeln. Beschäftigte auf die Straße zu setzen und Werke zu schließen sei allerdings die wohl schlechteste Lösung.

"Wir akzeptieren das nicht"

Herbert Brücklmeier, Betriebsratsvorsitzender von Conti in Regensburg stellt klar, dass man das nicht akzeptiere. "Bisher wurden keine Verhandlungen mit dem Betriebsrat oder der IG Metall zu tragfähigen Lösungen geführt", so Brücklmeier.

Im Continental-Konzern spiele die Sicherung von Know-How und deutschen Standorten scheinbar keine Rolle. Stattdessen missbrauche das Management die Corona-Krise dazu, den Konzern schlank zu schrumpfen. Die Zeche sollen die Beschäftigten zahlen, so Irmischer.

Um jeden Arbeitsplatz kämpfen

In den nächsten Wochen ist bundesweit mit massiven Protestaktionen zu rechnen, sollte der Conti-Vorstand die Pläne nicht korrigieren. "Die Beschäftigten werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen", so Irmischer. Auch die bayerischen Standorte in Nürnberg und Ingolstadt sind laut IG Metall betroffen. Demnach sollen in der Frankenmetropole gut 200 Jobs wegfallen. Zu Ingolstadt lagen zunächst keine Zahlen vor.

Aiwanger will nicht locker lassen

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sprach von einem schweren "Schlag für die betroffenen bayerischen Mitarbeiter und ihre Familien". Er will möglichst viele Jobs retten. "Wir sind mit Continental im Gespräch und werden nicht locker lassen, bis die bestmögliche Lösung für die Menschen gefunden ist", sagte er. "Es geht auch darum, dass das Unternehmen alternative Beschäftigungsmöglichkeiten entwickelt und den Stellenabbau möglichst sozialverträglich organisiert."

Für die Regensburger Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist der geplante Abbau der Arbeitsplätze eine - so wörtlich - bittere Nachricht. Sie appelliert an die Konzernspitze, diese massive Zahl für Regensburg nochmals zu überprüfen. Sie werde nichts unversucht lassen, die Auswirkungen auf Regensburg so gering wie möglich zu halten und hat alle Beteiligten zu einem Treffen eingeladen.

Eine Milliarde einsparen

Continental verschärft damit seinen bereits laufenden Sparkurs deutlich und wird auch beim Umbau in Richtung Software und E-Mobilität noch einmal konkreter. Wie der Dax-Konzern am Dienstag mitteilte, sollen von 2023 an nun mehr als eine Milliarde Euro an Bruttoeinsparungen pro Jahr angepeilt werden. Die jährliche Zielgröße bis 2023 betrug bisher rund 500 Millionen Euro. Der Autozulieferer und Reifenhersteller aus Hannover will die Kosten so weiter drücken.

Conti wird - wie weite Teile der Autoindustrie - derzeit schwer vom Nachfragerückgang in der Corona-Krise getroffen. Hinzu kommt der teure und schwierige Umbau, der das Unternehmen weg von klassischer Verbrennertechnologie führen soll.

Insgesamt 30.000 Jobs betroffen

Verbunden hiermit ist auch der Abbau zahlreicher Jobs, parallel dazu will Continental jedoch möglichst viele Beschäftigte weiterqualifizieren. Aktuell gehe man davon aus, dass das 2019 gestartete Programm weltweit etwa 30.000 Arbeitsplätze betreffen werde. "Das heißt, sie werden dabei verändert, verlagert oder aufgegeben."

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