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So informiert foodwatch über den "Gewinner" des Goldenen Windbeutels, Coca-Cola.
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Autoren

Gerhard Brack
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So informiert foodwatch über den "Gewinner" des Goldenen Windbeutels, Coca-Cola.

Coca-Cola erhält in diesem Jahr den Goldenen Windbeutel: Bei der Online-Abstimmung von foodwatch wählte fast ein Drittel der rund 70.000 Teilnehmer das "Smartwater" zur "dreistesten Werbelüge des Jahres". Heute wollte die Verbraucherorganisation foodwatch in Berlin den Preis überreichen, doch Coca-Cola kündigte an, den Preis nicht anzunehmen.

"Smartes" Wasser - sieben mal teurer als Mineralwasser

In der Kritik steht das mit der Auszeichnung des Negativpreises abgestrafte "smartwater", weil Coca-Cola den Eindruck erweckt, das sogenannte smartwater sei besser als herkömmliches Mineralwasser. Das aber, so foodwatch, sei unwahr. Trotzdem koste das smartwater bis zu sieben Mal mehr als normales Mineralwasser.

Überflüssig, unnütz, aber trickreich

Coca-Cola bewerbe sein Produkt als "dampfdestilliertes natürliches Mineralwasser für einen klaren, frischen Geschmack". Hinter Werbesprüchen wie: "Wasser. Von Wolken inspiriert" steckt dabei bloß ein überflüssiges Verfahren: Das Wasser wird verdampft, dann wieder aufgefangen, Mineralstoffe werden künstlich wieder hinzugefügt. Die Organisation foodwatch kritisierte das Verfahren als ernährungsphysiologisch völlig unnützen Trick, den sich der Hersteller aus Atlanta teuer bezahlen lässt.

"Coca-Cola betreibt dreiste Verbraucherabzocke mit dem Grundnahrungsmittel Nummer Eins. Um den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen, hat sich Coca-Cola ein hanebüchenes Bearbeitungsverfahren ausgedacht, das wissenschaftlich klingt, aber völlig unsinnig ist." Sophie Unger, Verbraucherorganisation foodwatch

Mit 1,65 Euro pro Liter ist das künstliche Wasser-Destillat bis zu sieben Mal teurer als herkömmliches Mineralwasser.

Reaktion des Windbeutel-"Gewinners" Coca-Cola

Coca-Cola betonte, die Deklaration des smartwater sei transparent und entspreche den gesetzlichen Regelungen. Und dass sich Preise auf dem freien Markt unterscheiden, sei gang und gäbe. Wichtig sei für den Konzern die Meinung der Verbraucher - und die hätten im vergangenen Jahr zwar 22.500 Anfragen bei der Firma eingereicht, darunter aber nur zehn Fragen zum smartwater.

"Glacéau Smartwater ist bereits in anderen Ländern erfolgreich und seit Mai 2018 auch in Deutschland erhältlich. Es wird aus natürlichem Mineralwasser hergestellt. ... Durch den streng regulierten Herstellungsprozess erhält das Wasser einen besonders klaren und wenig mineralischen Geschmack in gleichbleibender Qualität." Aus einer Pressemitteilung von Coca-Cola vom 4.12.2018

Dreiste Werbelügen auch bei Heinz, Schwartau, Dennree und Edeka

Außer dem smartwater von Coca-Cola waren noch vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel nominiert. Das smartwater gewann den Negativpreis nur knapp vor dem überteuerten und zuckerhaltigen "Kids Ketchup" von Heinz. Mit Abstand folgten ein Zucker- und Fett-Riegel namens "Corny Milch" von Schwartau, ein Bratöl Olive von Dennree, das fast zur Hälfte aus Sonnenblumenöl besteht, und ein Erbsen-Eintopf mit diversen Zusatzstoffen von Edeka.

So stimmten die User ab bei der Wahl zum "Goldenen Windbeutel 2018".

So stimmten die User ab bei der Wahl zum "Goldenen Windbeutel 2018".

Legale Verbraucher-Täuschung

Mit der Online-Abstimmung zum Goldenen Windbeutel will foodwatch auf legale Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln erwirken. Die Verbraucherorganisation fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen.

Frühere "Gewinner" des Goldenen Windbeutels

Bisherige Windbeutel-Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Vergangenes Jahr ging der Negativpreis an einen überzuckerten Babykeks der Firma Alete.