Bier läuft aus einem Zapfhahn in einen Glaskrug
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Bier läuft aus einem Zapfhahn in einen Glaskrug

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CO2 aus Zementwerken für Brauereien? Branchen aufgeschlossen

Brauereien in Bayern beklagen aktuell einen Mangel an Kohlensäure. Eine Lösungsidee von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger: CO2 aus Zementwerken weiterverwenden. Unterfränkische Brauereien und Zementwerke finden den Vorschlag gar nicht so abwegig.

Als Reaktion auf den sich zuspitzenden Mangel an Kohlensäure will Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) Kohlenstoffdioxid (CO2) aus Zementwerken als Rohstoffquelle für Brauereien nutzen. Der Bayerische Brauerbund, die unterfränkischen Brauereien Ochsenfurter Kauzen Bräu und die Würzburger Hofbräu sowie das Zementwerke Schwenk-Zement GmbH und Heidelberg Cement AG reagieren auf Anfrage von BR24 aufgeschlossen auf Aiwangers Vorschlag.

CO2 aus Zementwerken muss lebensmitteltauglich sein

Um die Möglichkeiten der CO2-Abscheidung zur weiteren Verwendung, wie etwa in der Getränkeindustrie, auszuloten, steht Aiwanger dem Bayerischen Wirtschaftsministerium zufolge im engen Austausch mit bayerischen Zementwerken. Dem Ministerium zufolge gebe es Pilotprojekte, bei denen pro Tag rund zwei Tonnen Kohlendioxid abgeschieden und umgewandelt würden.

Das bestätigt auch der Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, Walter König. Aktuell würde man prüfen, ob das CO2, welches in den Zementwerken entsteht, lebensmitteltauglich sei. Allerdings sei es wohl eher ein langfristiges Projekt, da die flächendeckende Installation der Maschinen sehr zeitaufwändig sei und vorher entsprechende Investitionen getätigt werden müssten.

Nachhaltigkeits-Aspekt: Abfallprodukt nutzen

Trotzdem würde sich König freuen, wenn das Pilotprojekt funktioniere, da neben den Brauereien unter anderem auch Krankenhäuser und die Lebensmittelbranche von der Knappheit betroffen seien und man somit langfristig auf Alternativen und Lösungen angewiesen sei. Dazu käme dann auch noch das Thema Nachhaltigkeit, da es nicht sein könne, dass die Zementwerke in diesen Zeiten große Mengen CO2 in die Luft bliesen, wenn es effektiv genutzt werden könne, so König.

Jacob Pritzl, Junior Chef der Ochsenfurter Kauzen Bräu, findet Aiwangers Idee ebenfalls sinnvoll und würde sich in jedem Fall an dem Konzept beteiligen, da man so zum einen nicht mehr auf Düngemittel angewiesen wäre und zum anderen das Abfallprodukt einer anderen Branche nutzen könne, womit eigentlich allen geholfen sei. Stand jetzt würde seine Brauerei aber noch normal beliefert werden. Zusätzlich liege der Fokus nun auf der Rückgewinnung von Kohlensäure durch die eigene Gärung, was mittlerweile auch für kleinere Brauereien interessant geworden sei, erklärt Pritzl.

Trend: Kohlensäure-Rückgewinnungsmaschinen

Die Würzburger Hofbräu würde schon ausschließlich mit biogener Kohlensäure arbeiten. Diese erziele sie durch Kohlensäure-Rückgewinnungsmaschinen aus der eigenen Gärung und sei aufgrund der geologisch gewonnen Kohlensäure weder auf Dünge- noch auf Zementkohlensäure angewiesen, bestätigt deren Geschäftsführer Michael Haupt.

Vor ein paar Jahren sei es sehr günstig gewesen, Kohlensäure auf dem Markt zu erwerben, womit sich Kohlensäure-Rückgewinnungsmaschinen für viele Brauereien nicht gerechnet hätten, erklärt Walter König vom Bayerischen Brauerbund. Nun seien die Brauereien, welche damals solche Maschinen aus Überzeugung installiert hätten, im Vorteil, da sich der Preis für Kohlensäure seitdem vervielfacht hätte. Daher gehe der Trend dahin, dass sich auch kleine und mittelständige Brauereien entsprechende Anlagen anschaffen, sagt König.

Zementbranche ebenfalls an Idee interessiert

Auch die Zementbranche sei durchaus interessiert an Aiwangers Vorschlag, da ohnehin immer wieder nach neuen Produkten gesucht werde, welche aus dem überschüssigen CO2 der eigenen Zementwerke entstehen könnten, bestätigt Elke Schönig, Pressesprecherin der Heidelberg Cement AG. Laut Laura Schleicher von der Schwenk Zement GmbH & Co. KG bestehe aktuell noch kein enger Kontakt zu den Brauereien, es würden allerdings bereits seit ein paar Wochen Bauarbeiten für die Forschungs- und Entwicklungsanlagen in diesem Zusammenhang vorangetrieben. Die Schwenk Zement GmbH betreibt ein Werk in Karlstadt im Landkreis Main-Spessart, die Heidelberg Cement AG betreibt ein Zementwerk in Lengfurt.

Nur noch etwa 30 bis 40 Prozent der CO2-Liefermengen verfügbar

Als Reaktion auf den sich zuspitzenden Mangel an Kohlensäure will Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger Kohlenstoffdioxid (CO2) aus Zementwerken als Rohstoffquelle für Brauereien nutzen. Es gebe auch in Bayern Werke, die bisher jährlich Hunderttausende Tonnen CO2 über die Schornsteine als Abfallprodukte in die Luft abgäben, so der Freie-Wähler-Chef am 20. September nach einer Kabinettssitzung in München. Weil die energieintensive Herstellung von Düngemitteln, bei der Kohlendioxid als Nebenprodukt entsteht, eingeschränkt wurde, hat das auch Folgen für die Verfügbarkeit von Kohlensäure: Nach Schätzungen der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie seien nur noch 30 bis 40 Prozent der üblichen CO2-Liefermengen verfügbar. Immer mehr Unternehmen der Getränkewirtschaft müssten daher ihre Produktion einschränken.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version des Artikels war in Zusammenhang mit der Heidelberg Cement AG auch von Werken in Unterwitterbach-Kreuzwertheim, Lohr am Main und Obernburg die Rede. Diese Standorte sind keine allerdings keine Zementwerke.

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