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Für viele Chinesen ist die Börse ein Abenteuer des Alltags

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    China und die Börsen

    China ist nicht nur unser größter Handelspartner. Das Land ist mittlerweile auch zu einem wichtigen Börsenplatz aufgestiegen – mit bewegter Geschichte und Mechanismen, die wir im Westen nicht kennen. Dazu das BR24 Börsenglossar.

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    Von
    • Astrid Freyeisen

    Wenn von Börsen die Rede ist, denken viele an die Wall Street in New York, an die Börsen in London, Paris oder an den DAX. Vom Aktienhandel in Asien dagegen ist hierzulande weniger bekannt und das kann unter anderem daran liegen, dass für ausländische Anleger besondere Regeln gelten.

    Börsen mit langer Geschichte

    Erstmals wurden Aktien in Shanghai schon in den 1860er-Jahren gehandelt, in den 1930ern war die Millionenmetropole dann der wichtigste Finanzplatz Asiens. Als die Kommunisten 1949 die Volksrepublik gründeten, verboten sie den Handel von Anleihen und Aktien. Das änderten erst die Wirtschaftsreformen unter Deng Xiaoping in den 80er-Jahren. Im November 1990 wurde die Börse Shanghai (Shanghai Stock Exchange SSE) gegründet, im gleichen Jahr die Shenzhen Stock Exchange (SZSE). Weil Shenzhen Chinas Elektronik-Metropole ist, soll der Leitindex dort ein Spiegelbild zum Nasdaq sein. Im nahen Hongkong existiert die Stock Exchange of Hong Kong (SEHK). Hongkong ist seit 1891 ununterbrochen Börsenplatz. Shanghai ist nach Marktkapitalisierung im Frühjahr 2021 im Ranking der Handelsplätze weltweit Nummer 4, Hongkong Nummer 7.

    Besondere Rolle der Börse in Hongkong

    Hongkong als ehemalige britische Kolonie besitzt einen Ruf als liberaler Handelsplatz mit einklagbaren juristischen Regeln. Hongkong hat Zugang zum internationalen Kapitalmarkt, gilt auch als Tor zur Welt für chinesische Konzerne. Stichwort "Rule of Law": Die Aufsicht der lokalen Behörden und auch der großen internationalen Wirtschaftsprüfer gilt als streng und effektiv. Finanzskandale sind selten. Das macht Hongkong mit seinem Leitindex Hangseng interessant für Anleger. Auch weil der Handel dort von Europa aus möglich ist.

    Politische Einflussnahme in Shanghai und Shenzhen

    In Shanghai und Shenzhen ticken die Uhren deutlich politischer. Erstens, weil institutionelle Investoren extrem wichtig sind und die gehandelten Aktien immer nur einen sehr kleinen Teil der Firmenvermögen ausmachen. Zweitens, weil die Politik immer wieder direkt und abrupt eingreift. Häufig tätigen Pekinger Politiker oder Finanzaufseher an Wochenenden Aussagen, die sich am Montag sofort auf die Kurse auswirken.

    Der spektakulärste politische Eingriff geschah im Herbst 2020: Der Finanzarm des Internetriesen Alibaba stand kurz vor dem größten bislang dagewesenen Börsengang (30 Milliarden Dollar), als die chinesischen Behörden den IPO plötzlich zurückzogen. Möglicher Hintergrund: die Kritik von Alibaba-Chef Jack Ma an der chinesischen Börsenaufsicht. Umgekehrt können Firmen, die zwar stark schuldenbelastet sind, aber strategisch als relevant gelten, lange Zeit rettende Unterstützung durch Staatsbanken bekommen.

    Spielerische Geldanlage

    Für viele Chinesen ist die Börse ein Abenteuer des Alltags – nicht umsonst sprechen Kleinaktionäre von "wan gupiao", dem Spiel mit Aktien. In Börsenhallen mit riesigen elektronischen Tafeln hielten sie sich selbst zu Zeiten spektakulärer Verluste Ende der 2000er-Jahre stundenlang auf und zockten unverdrossen weiter. Obwohl Chinesen eiserne Sparer sind, nehmen viele sogar Kredite auf für ihre Trades.

    Besondere Regeln für Ausländer

    Ausländern ist über Investmentbanken und chinesischen Zwischenhändlern das Anlegen in Shanghai und Shenzhen erlaubt, was jedoch kompliziert ist. Einfacher und vor allem auch sicherer ist die Beteiligung an chinesischen Unternehmen über den Umweg eines ADR Zertifikats an der Börse New York. Mehrere chinesische Tech-Konzerne wie Alibaba, Tencent oder JD verschaffen sich auf diese Weise ausländisches Kapital.

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