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China: Pekings Ziel der Hightech-Autarkie | BR24

© Astrid Freyeisen/ARD

Pekings Ziel der HighTech-Autarkie

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China: Pekings Ziel der Hightech-Autarkie

Die chinesische Führung strebt wirtschaftlich nach Unabhängigkeit, gerade in der Hochtechnologie. In vielen Bereichen sind chinesische Firmen bereits führend. Eine große Schwachstelle allerdings ist die Halbleitertechnologie.

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In 40 Jahren hat sich das Fischerdorf Shenzhen vor den Toren Hongkongs in Chinas Hightech-Metropole verwandelt. Das war in der vergangenen Woche der passende Ort für Staats- und Parteichef Xi Jinping, über den Kurs in der Hochtechnologie zu sprechen.

"Wir müssen die große Linie verfolgen: Unsere Versorgung müssen wir reformieren, unsere Produktion, den Vertrieb und den Verbrauch mehr auf unseren Heimatmarkt ausrichten", so Jinping. "Wir müssen unerschütterlich eine von Innovationen getriebene Entwicklungsstrategie verfolgen. Und eine technologisch und industriell hochstehende Nation mit globalem Einfluss errichten."

China in vielen Branchen bereits Spitze

In vielen Branchen ist dies der Volksrepublik bereits gelungen: Über 40 Prozent an Haushaltselektronik, 45 Prozent aller Computer und Tablets, und sogar 54 Prozent aller Telefone weltweit werden in China produziert. Daran hat Corona nichts geändert – im Gegenteil: Die Volksrepublik scheint wirtschaftlich deutlich besser mit Corona zurecht zu kommen als der Westen.

Nicht erst seit Donald Trump werden diese chinesischen Ambitionen in den USA mit Sorge gesehen. Trump reagiert harsch – mit Strafzöllen, aber auch mit einer schwarzen Liste von chinesischen Elektronikfirmen, an die amerikanische Zulieferer keine Bauteile verkaufen dürfen.

Schwachstelle Halbleiterindustrie

Der weltgrößte Telekommunikationsausrüster Huawei ist besonders betroffen. Denn digitale Geräte funktionieren nur mit Halbleitern, also mit Microchips. Und gerade an dieser entscheidenden Position hat die ehrgeizige chinesische Hightech-Branche ihre Schwachstelle. Die Volksrepublik hat allein 2019 Chips im Wert von 305 Milliarden Dollar importieren müssen – Tendenz steigend.

Experten gehen davon aus, dass die Volksrepublik dem Westen bei den Chips um bis zu zwei Generationen hinterherhinkt. Intels China-Chef verglich die Aufholjagd mit einem zehnjährigen Marathonlauf. Wobei die Entwicklungsgeschwindigkeit bei Halbleitern ständig steigt. Für Reinhard Ploss, Chef des größten deutschen Halbleiter-Herstellers Infineon, ist Weitergabe von Know-how deshalb ein Tabu.

Chinesen glauben an Aufholjagd

Doch liegt China wirklich so hoffnungslos zurück bei den Halbleitern? Hui Zhang ist der Europachef des chinesischen E-Autobauers Nio. Zhang ist auch Vizepräsident der chinesischen Handelskammer in Deutschland.

Er sieht die Lage so: "Die Historie hat immer wieder gezeigt, dass die Chinesen es aus eigener Kraft hinkriegen können. Ob es drei Jahre oder fünf Jahre dauert. Dann müssen wir keine Geschäfte mehr mit den USA machen."

China will Chip-Herstellung künftig schärfer kontrollieren

Derzeit ist allerdings noch nicht abzusehen, dass Präsident Xi Jinpings Aufruf zu Autarkie bei Hightech effektiv ist. Vielmehr versuchen derzeit offenbar auch derart inkompetente Unternehmer, ins Chip-Geschäft einzusteigen, dass die mächtige Reform- und Planungskommission in Peking von Chaos spricht.

Nach Medienberichten sollen schlecht durchdachte Projekte nun schärfer überwacht werden. "Wir reden hier über Spitzentechnologien, bei denen Aufholprozesse sehr viel schwieriger sind als bei Basistechnologien, wo China bereits zum Westen aufgeschlossen hat", sagt Gabriel Felbermayr vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. "Und in der Spitzentechnologie ist es so, dass die besten Labore auf der Welt verteilt sind." Wenn man diese Kooperation nicht mehr habe, werde es teuer. "Und deswegen glaube ich, ist auch in China das Interesse groß, weiter auf Kooperation zu setzen, solange das technisch zulässig ist seitens der USA und der Europäer."

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