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China-Experte Taube: Handelskonflikt ist gut für Europa | BR24

© BR/Astrid Freyeisen

China-Experte: Schwelender Handelskrieg eigentlich gar nicht schlecht

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China-Experte Taube: Handelskonflikt ist gut für Europa

Im Handelskrieg zwischen China und den USA gibt es Entspannung, der Streit ist aber noch nicht beigelegt. China-Experte Markus Taube sieht darin Chancen für Europa. Zugleich warnt er im BR-Interview vor den Folgen einer möglichen Quotenlösung.

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In ihrem seit Monaten schwelenden Handelskonflikt überziehen sich die USA und China mit milliardenschweren Abgaben, was nicht nur die Wirtschaft beider Seiten belastet. Zuletzt kamen aber versöhnliche Zeichen aus Peking: Drohende zusätzliche Strafzölle setzten die Chinesen ganz offiziell außer Kraft, nachdem Washington auf eine neue Zoll-Runde verzichtet hatte. Kommt es jetzt zur Versöhnung?

Damit rechnet der renommierte China-Experte Markus Taube nicht. Bei einer Veranstaltung des Chinaforums Bayern erklärte er, warum ein Ende des Handelskriegs aus seiner Sicht nicht die beste Lösung ist.

Handelskrieg-Ende negativ für Europa

Der weiter bestehende Handelskrieg sei eigentlich gut für Europa und damit auch für die deutsche Wirtschaft, sagt China-Experte Markus Taube im Exklusiv-Interview mit dem BR. Der Professor der Universität Duisburg-Essen, einer der führenden deutschen China-Experten, warnt im Falle einer Einigung im Handelsstreit vor einer aktuell wahrscheinlichen Quoten-Lösung, bei denen sich die Chinesen auf den Kauf von "Made in USA" verpflichten. Denn eine Quote würde nicht bei Agrarprodukten halt machen.

"Diese Quoten - wenn man die ausweiten will zugunsten Amerikas - bedeuten: Es gibt Staaten, die weniger exportieren. Ich fürchte, gerade im Maschinenbau, im Automobilsektor, wird das zulasten Deutschlands gehen." Prof. Markus Taube, Universität Duisburg-Essen

Wirtschaftliche Folgen für die EU

Die Mitgliedsstaaten der Europäische Union seien sich noch nicht im Klaren darüber, welch enorme wirtschaftliche Folgen eine solche Quotenregelung mit sich bringen könnte, so Taube.

"Ich glaube, dass hier ganz erhebliche Verwerfungen stattfinden können. Aber das Thema ist in Europa kaum in den Medien aufgetaucht. Ich glaube, die Wahrnehmung dessen, was da im Hintergrund steht, ist noch nicht da." Markus Taube, Universität Duisburg-Essen

Den Unternehmern des Chinaforums Bayern machte Markus Taube trotzdem Mut: Er glaube daran, dass sich das Handelsklima zwischen Europa und China im kommenden Jahr erheblich verbessern werde. Nach Taubes Meinung befindet sich Europa in einer guten Verhandlungsposition gegenüber China. Der Konflikt mit den USA zwinge die Chinesen dazu, Konzessionen zu machen.

China profitiere von Europa

Grundsätzlich stünden die Chancen für Geschäfte mit China nicht schlecht. Gerade bei Hightech, sagt Markus Taube.

"Europa hat immer noch ein erhebliches Maß an Technologie, an kreativen Köpfen, an Innovationskraft und hier gibt es viel, was China von Europa noch übernehmen kann, wo wir Win-Win-Konstellationen etablieren können." Markus Taube, Universität Duisburg-Essen