BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Dietrich-Karl Mäurer/ARD
Bildrechte: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Die Welthandelsorganisation WTO sucht eine neue Führung. Ab heute stellen sich die Kandidaten vor: drei Frauen, fünf Männer - darunter die frühere Finanz- und Außenministerin Nigerias, Ngozi Okonjo-Iweala. Sie erwartet eine schwierige Aufgabe.

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Chef/in gesucht: WTO beginnt mit Anhörung von Kandidaten

Die Welthandelsorganisation WTO sucht eine neue Führung. Ab heute stellen sich die Kandidaten vor: fünf Männer, drei Frauen - darunter die frühere Finanz- und Außenministerin Nigerias, Ngozi Okonjo-Iweala. Sie erwartet eine schwierige Aufgabe.

1
Per Mail sharen
Von
  • Dietrich Karl Mäurer

Der Job an der Spitze der Welthandelsorganisation scheint nicht sonderlich attraktiv. Denn: Die WTO, die vor 26 Jahren gegründet wurde, um Handelshemmnisse abzubauen und bei Konflikten - etwa Streit über Zölle und Subventionen - zu schlichten, steckt in einer tiefen Krise.

Im Streit zwischen Washington und Peking wird die Organisation regelrecht zerrieben und blockiert - dabei warten im Zuge der Corona-Pandemie viele zusätzliche Herausforderungen auf den Welthandel. Und damit auf den oder die neue "Director General".

WTO vor dem Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit bewahren

"Das wäre gut, wenn eine große internationale Organisation von einer Frau geführt wäre", sagt Gabriel Felbermayr, der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel. "Und es wäre gut, wenn die neue Person das Vertrauen der Schwellen- und Entwicklungsländer hat und es ist extrem wichtig, dass diese Person vermitteln kann vor allem zwischen den USA und China."

"Die neue Führungsperson muss vor allem die Erosion der Rolle der WTO eingrenzen. Sie muss also zeigen, wo die WTO helfen kann, wo sie die zerfallende Handelsordnung stabilisieren kann. Sie muss zeigen, dass es auch unter Teilgruppen in der WTO, also nicht alle 164 Länder, sondern Teile dieser Mitgliedschaft, Möglichkeiten gibt, Vereinbarungen zu treffen." Gabriel Felbermayr, der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel

Alle Kandidaten haben sich bereits bewährt

Acht Personen gehen ins Rennen - drei Frauen, fünf Männer. Darunter der frühere britische Handelsminister Liam Fox, Südkoreas Handelsministerin Yoo Myung-hee und der ehemalige stellvertretende WTO-Generaldirektor Jesus Seade Kuri aus Mexico.

Als international gut vernetzt und erfahren gilt die frühere Finanz- und Außenministerin Nigerias und einstige Nummer Zwei der Weltbank Ngozi Okonjo-Iweala. Als Leiterin der WTO-Ministerkonferenz 2015 machte sich die ehemalige kenianische Außen- und Wirtschaftsministerin Amina Mohammad einen Namen.

Bewerber aus Afrika könnten an der Reihe sein

Den afrikanischen Kandidaten werden dabei gute Chancen eingeräumt, weil sich Afrika in einem Prozess der handelspolitischen Selbstfindung befindet - so sagt Wirtschaftswissenschaftler Gabriel Felbermayr: "Es kommt ja vermutlich in den nächsten Jahren zu stärkerer Integration in Afrika. Afrika widerspiegelt auch etwa ein Drittel der Mitgliedsländer der WTO."

Außerdem gebe es die Idee eines rotierenden Vorsitzes. Demnach wäre nach dem bisherigen Amtsinhaber aus Brasilien, Roberto Azevedo, jetzt ein anderer Kontinent dran.

Auswahlgremium setzt auf Eintracht

Bis Freitag soll das erste Vortanzen der Kandidatinnen und Kandidaten dauern - mit kurzen Präsentationen und Fragerunden zu Plänen und Absichten. Das Auswahlverfahren selbst ist komplex. Es kommt in der Regel ohne Abstimmungen aus und setzt auf eine einträchtige Entscheidungsfindung. Das könnte sich bis ins nächste Jahr hinziehen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!