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Charity-Shopping: Mit gutem Gewissen konsumieren | BR24

© picture alliance / Eventpress

Oliver Sanne an der Hamburger Netto-Kasse bei der Aktion "Deutschland rundet auf"

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    Charity-Shopping: Mit gutem Gewissen konsumieren

    Einkaufen und dabei spenden liegt im Trend: An der Supermarkt-Kasse, in der Drogerie, im Baumarkt oder online. Laut Spendenexperten ist das so genannte Charity-Shopping grundsätzlich eine gute Sache, Kunden sollten sich aber vorab informieren.

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    „Faire Chancen. Für alle Kinder“: Unter diesem Motto motiviert die gemeinnützige Stiftung „Deutschland rundet auf“ Kunden in ganz Deutschland, ihre Rechnung bis zum nächsten 10-Cent-Betrag aufzurunden. Wer zum Beispiel im Supermarkt 37,33 Euro bezahlen muss, kann freiwillig 37,40 Euro geben – und spendet somit sieben Cent für einen wohltätigen Zweck. 101.000 Kunden machen das aktuell pro Tag. Sie spenden im Durchschnitt 555 Cent pro Minute.

    Keine Abzüge bei „Deutschland rundet auf“

    Die 2012 gegründete Organisation ist – bezogen auf Einzelspenden - die größte Spendenbewegung Deutschlands. Mehr als sieben Millionen Euro sind durch mehr als 150 Millionen Mikrospenden bereits zusammen gekommen. Das Geld fließt ohne Abzüge in überprüfte Förderprojekte für sozial benachteiligte Kinder in Deutschland. Alle anfallenden Kosten, etwa für Personal oder den Ausbau der Marke, werden über eine Tochtergesellschaft getragen und durch Zahlungen der Partnerunternehmen gedeckt.

    Als „soziales Unternehmen“ wurde 2017 das Berliner Startup „Share GmbH“ gegründet. Nach dem 1+1-Prinzip verspricht die Firma für jedes verkaufte Produkt gleichwertige Hilfe für einen Menschen in Not. Konkret bedeutet das: Kauft ein Kunde eine Flasche Mineralwasser, wird ein bedürftiger Mensch – zum Beispiel in Afrika oder Asien – einen Tag lang mit Trinkwasser versorgt. Ein Müsliriegel reicht für eine Mahlzeit, ein 250-ml-Seifenspender für ein Stück Seife.

    Kritik: Gewisse Intransparenz bei der Spendenhöhe

    Informationen über die konkrete Höhe der jeweiligen Spende finden sich weder auf der Webseite des Unternehmens, noch auf den Produkten selbst. Erst auf BR-Nachfrage teilt Share mit, dass die Höhe der Spende unterschiedlich ausfällt. Zwei bis fünf Cent sind es bei Mineralwasser, 10-20 Cent bei den Müsliriegeln und 10-25 Cent bei Seife.

    Spendenexperte Burkhard Wilke, Geschäftsführer des deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) in Berlin kritisiert bei Share eine gewisse Intransparenz: „Einer unserer Spendensiegel-Standards bei der Spendensiegel-Prüfung ist, dass auf dem Produkt selbst in Euro und Cent angegeben werden muss, wie viel in den guten Zweck gehen. Das ist hier nicht der Fall. Deswegen ist da eine wichtige Glaubwürdigkeitslücke.“

    Online spenden über Vermittlungsportale

    Spenden ist auch beim Online-Einkauf möglich. Im Internet gibt es verschiedene Vermittlungsportale, bei denen der Kunde zunächst ein Spendenprojekt aussuchen und sich dann zu einem Online-Shop seiner Wahl weiterleiten lassen kann. Das Prinzip ist einfach: Der Shop-Betreiber, bei dem die Bestellung eingegangen ist, zahlt für den Verkauf eine Provision an das Vermittlungsportal, das sie dann als Spende an eine Hilfsorganisation weiter leitet. Allerdings kommen in der Regel nicht 100% davon an. Einen Teil behält oft das Vermittlungsportal. Auch die Spendenorganisation braucht Geld für Personal und Verwaltung. Verbraucherschützer schätzen, dass rund die Hälfte des gespendeten Betrages letztlich beim eigentlichen Förderprojekt landet.

    „Für den Einstieg in das Thema Spenden kann das Einkaufen und Gutes tun ganz gut sein. Man sollte aber auch da darauf achten, dass die Organisation, die man damit begünstigt, also die gemeinnützige Organisation, wirklich förderungswürdig ist, etwas das DZI-Spendensiegel trägt. Im Zweifel würde ich auch hier raten, bei Zweifelsfällen eher das Kaufen und das Spenden voneinander zu trennen.“ Burkhard Wilke, Geschäftsführer des deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI)

    Rückzug von Amazon

    Jahrelang hatte sich der Online-Riese Amazon am Charity-Shopping über Vermittlungsportale beteiligt und das Spendenvolumen kräftig erhöht. Teilweise bis zu 50% des Spendenaufkommens wurden über Amazon-Bestellungen generiert. Ende 2016 dann der Rückzug aus diesem Spendenbusiness und die Gründung von "AmazonSmile", einem hauseigenen Spendendienst. Logt sich ein Kunde über diese spezielle Seite ein, werden automatisch 0,5% des Kaufpreises an eine Spendenorganisation abgeführt. Eine Begrenzung des Kaufpreises – und damit der Spendenhöhe – gibt es nicht. Klingt erst einmal gut. Im Vergleich zur durchschnittlichen Provision von 6,75%, die Amazon früher an die Vermittlungsportale bezahlt haben soll, wirkt "AmazonSmile" allerdings eher wie ein Sparprogramm.

    Fazit: Charity-Shopping ist längst zu einem Marketing-Instrument geworden, mit dem Einzelhändler neue Kunden gewinnen und einen guten Rauf aufbauen können. Positive Effekte hat es trotzdem, da auf diese Weise beträchtliche Summen für wohltätige Zwecke gesammelt werden, die ansonsten möglicherweise gar nicht gespendet würden.

    Informationen über die Vertrauenswürdigkeit von Spendenorganisationen gibt es unter www.dzi.de.