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Carsharing-Flop: BMW und Daimler fahren "Share-Now" zurück | BR24

© BR/Felix Lincke

Carsharing Flop von BMW und Daimler

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Carsharing-Flop: BMW und Daimler fahren "Share-Now" zurück

BMW und Daimler geben ihren Carsharing-Dienst Share-Now in vielen Städten auf und ziehen sich aus dem größten Markt in den USA sogar ganz zurück. Experten warnen: Die Idee von Carsharing klingt zwar gut, scheint in der Realität aber kaum umsetzbar.

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BMW und Daimler ziehen sich mit ihrem Carsharing-Dienst Share-Now aus vielen Städten Europas zurück. In den USA will man den Dienst komplett einstellen. Der teure Aufbau von Mietwagenflotten lohnt sich für Autohersteller nur in wenigen Metropolen. Experten warnen schon länger, dass die Idee von Carsharing zwar gut klingt, in der Realität aber schwierig umzusetzen ist.

Mit großen Zielen gestartet

Vor einem Jahr erst haben BMW und Daimler ihre Carsharing-Dienste Car2go und DriveNow mit großen Erwartungen zu Share-Now zusammengelegt und weltweite Investitionen angekündigt. Damals hieß es "The sky is the limit!" Was folgte, war eine Bruchlandung in den USA. Dort wird sich Share-Now im Februar 2020 nach nur wenigen Monaten komplett zurückziehen, wegen "extrem schwierigen Realitäten", wie es seitens der Unternehmen heißt.

Nun steht neben dem Rückzug aus den USA eine Verkleinerung in Europa an. Brüssel, Florenz und sogar London werden als Standorte für Carsharing ganz aufgegeben.

Carsharing-Modell taugt nicht für die Verkehrswende

Share Economy bedeutet, Dinge zu teilen, die man gemeinsam nutzen kann. Gerade mit dem Auto, das die meiste Zeit nur steht, ließe sich ein Beitrag für die Umwelt und für eine nachhaltige Entwicklung leisten. Doch für eine Verkehrswende tauge das Car-Sharing-Modell nur bedingt, so Verkehrsexperten. Nur etwa 20.000 Sharing-Fahrzeuge stehen derzeit in einigen deutschen Städten bereit für etwa 2,5 Millionen registrierte Nutzer. Die machen von dem Angebot offenbar nur selten Gebrauch, weil sie eigentlich kein Auto benötigen. Einen echten Bedarf gibt es damit nicht.

Die Hoffnung von Herstellern wie BMW und Daimler war, dass sich mit dem Angebot beim Carsharing die nötige Nachfrage entwickeln würde. Man müsse die Fahrzeuge nur noch abstellen, den Rest würden die Kunden allein erledigen. Mit ihrer App auf dem Smartphone können sie Buchen, Reservieren, Abrechnen und meist auch die Türe öffnen. Der Schlüssel liegt dann im Handschuhfach. In der Praxis aber werden die Fahrzeuge oft schlecht behandelt, auch Parkschäden und Vandalismus sind ein Problem.

Rückzug beim Carsharing

Vor den beiden deutschen Autobauern hat in den USA bereits Ford den Shuttledienst Chariot eingestellt. General Motors zog sich aus acht Städten in Nordamerika wieder zurück. Die frühere GM-Tochter Opel beendete ihr Abenteuer mit Car Unity. Citroen und Mazda stellten ihre Sharing-Dienste ebenfalls komplett ein.

In Deutschland gibt es nach wie vor Elektroautos im Sharing-Modell, die man nach der Nutzung wieder an eine Ladestation zurückbringen muss. Solche Verleihdienste nutzen die Hersteller auch als Werbeplattform. BMW und Daimler bieten mit Charge- und Park-Now den E-Fahrzeugen eine eigene Ladeinfrastruktur. Als dritte Mobilitätstochter der beiden deutschen Hersteller ist die App von Free-Now unterwegs, mit der man Taxis buchen kann. Auf diesem Feld war Daimler zuvor schon mit Mytaxi erfolgreich.

Carsharing-Alternativen

Für die Taxiunternehmen, die ihre Fahrdienste mit der App kombinieren, geht es vor allem darum, dem Fahrdienstvermittler Uber Paroli zu bieten. Uber drohte mit seiner App, nach den USA lange Zeit auch den deutschen Markt aufzurollen, bis Daimler mit Mytaxi kam. Eine weitere Möglichkeit, ohne eigenes Fahrzeug im Bedarfsfall ein Auto zu haben, sind natürlich die klassischen Mietwagen. Anders als Carsharing läuft das traditionelle Mietwagengeschäft immer noch gut und lässt sich inzwischen auch problemlos mit dem Smartphone kombinieren.