BR24 Logo
BR24 Logo
Wirtschaft

Bürokratie rund um die Bonpflicht macht Unternehmern zu schaffen | BR24

© BR/Karsten Böhne

Bei Ladenkassen werden die Vorgaben der Finanzverwaltung immer strenger

3
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bürokratie rund um die Bonpflicht macht Unternehmern zu schaffen

Ab 1. Januar 2020 müssen Unternehmer strenge Vorgaben beim Einsatz von Ladenkassen beachten. Wie die Kasse demnächst ausgestattet sein muss - und worauf insbesondere Gastronomen achten sollten.

3
Per Mail sharen

Es ist schnell passiert: Ein Griff in die Kasse oder das Aufspielen von Manipulationssoftware, die die Umsätze niedriger erscheinen lässt - und schon fließt das Geld am Fiskus vorbei. Das soll in Zukunft nicht mehr so leicht gehen. Alte Kassen, die vor Ende 2010 angeschafft wurden, müssen ab Januar durch neue, manipulationssichere ersetzt werden. Es sei denn, man kann sie nachrüsten. Dann muss dies bis Ende September 2020 geschehen.

So muss die Kasse künftig ausgestattet sein

Die Anforderungen an die Software der Kassensysteme kommen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Zu den Sicherheitseinrichtungen der neuen Kasse gehören

• ein Sicherheitsmodul, das Kasseneingaben automatisch sofort beim Eintippen protokolliert. Diese Aufzeichnungen dürfen später nicht mehr veränderbar sein,

• ein Speichermedium, das die Einzelaufzeichnungen für die Dauer der gesetzlichen Aufbewahrungspflicht von zehn Jahren speichert und

• eine digitale Schnittstelle, die eine reibungslose Datenübertragung für Prüfungszwecke gewährleistet, um Prüfern der Finanzbehörde Zugang zu einheitlich geordneten und damit vergleichbaren Daten zu ermöglichen.

Zwar stellen private Anbieter Sicherheitsmodule, Speichermedien und Schnittstellen her, doch sie müssen vom BSI zertifiziert sein. Bis vor kurzem fehlte diese Zertifizierung und betroffenen Unternehmen war völlig unklar, was sie tun können. Erst kurz vor Weihnachten hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die ersten technischen Sicherheitseinrichtungen für elektronische Aufzeichnungssysteme zertifiziert .

Ähnlich ist die Regelung bei etwas neueren Kassen, die nach dem 26.November 2010 gekauft wurden. Wenn sie die neuen Anforderungen noch nicht erfüllen, müssen auch sie bis Ende September nachgerüstet werden. Ist dies nicht möglich, können die Händler sie bis Ende 2022 weiter einsetzen.

Für sie gilt Bestandsschutz. Allerdings müssen diese Kassensysteme den technischen Anforderungen genügen. Und: Unternehmer müssen regelmäßig Updates machen. Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro. Janika Sievert, Steuerstrafrechts-Expertin

Unternehmer müssen Neukauf und Ausmustern melden

Künftig sind dem Finanzamt die genaue Zahl neuer Kassen im Betrieb ebenso zu melden wie jene, die das Unternehmen ausmustert. Bei Käufen bis Ende dieses Jahres ist der späteste Meldetermin der 31. Januar 2020. Dazu soll es einen speziellen Vordruck bei den Landesfinanzbehörden geben. Bislang gibt es diesen allerdings noch nicht. Laut bayerischem Landesamt für Steuern ist diese Meldepflicht jedoch bis zum Einsatz einer elektronischen Übermittlungsmöglichkeit verschoben. Der Zeitpunkt soll im Bundessteuerblatt Teil I gesondert bekannt gegeben werden.

Gastrobetriebe müssen ab 2020 ungefragt Rechnungen ausstellen

Unternehmer sollten daher alle Vorgänge rund um die Kasse genau angeben und dokumentieren. Eine weitere Neuerung bedeutet besonders für Gastronomiebetriebe eine Umstellung: Ab 2020 müssen sie jedem Gast immer eine Rechnung ausstellen. Ausnahmen gibt es nur in begründeten Fällen, etwa wenn Unternehmer an viele Unbekannte verkaufen, wie zum Beispiel eine Pommesbude, ein Marktstand oder ein Bäcker. Die Ausnahme muss das Finanzamt allerdings genehmigen.

Wir stellen deshalb auf Wunsch für Bargeldunternehmer einen Antrag auf Befreiung bei ihrem zuständigen Finanzamt. Wie das die Finanzverwaltung in der Praxis handhabt, ist allerdings noch unklar. Florian Regenfelder, Steuerberater

Keine Annahmepflicht für Kunden

Am wenigsten Gedanken müssen sich die Kunden machen. Denn anders als in Italien oder Österreich müssen sie den Beleg nicht mitnehmen.