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Bude statt Bonus: Betriebswohnungen als Anreiz für Fachkräfte | BR24

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Jobs gibt es viele im Großraum München - bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware. Das ist bei der Suche nach Mitarbeitern zunehmend ein Problem. Eine Lösung wäre der Bau von Werkswohnungen - und da findet ein Umdenken statt.

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Bude statt Bonus: Betriebswohnungen als Anreiz für Fachkräfte

Für immer mehr Arbeitnehmer sind die hohen Mieten ein Problem - gerade in Großstädten. Eine Lösung: Günstige Werkswohnungen. Viele Konzerne zögern, doch einige Arbeitgeber erkennen bereits die Vorteile.

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Von
  • Martina Schuster
  • Johannes Thürmer

Maria Magdalena Riedl arbeitet im Altenheim St. Katharina Labouré in Unterhaching bei München als Pflegehelferin. Für den Weg zur Arbeit braucht sie weder Auto noch Fahrrad: Sie lebt in einer Mitarbeiterwohnung – direkt auf dem Gelände der Barmherzigen Schwestern. "Ich hätte eine Sozialwohnung gebraucht, und dann ist das Angebot der Schwestern gekommen, dass ich hier wohnen kann," erinnert sich Riedl. "Das war eine ganz große Lebenshilfe."

Wohnung als Jobkriterium

Auch für Roberto Calcagnile war die günstige Betriebswohnung bei der Jobwahl ausschlaggebend: Mit seiner jungen Familie ist der Busfahrer von Konstanz nach München gezogen. Das ging nur, weil ihm sein neuer Arbeitgeber, die Münchner Verkehrsbetriebe, eine Werkswohnung anbot. Für 70 Quadratmeter zahlt Calcagnile knapp 750 Euro. "Das war sehr wichtig. Wenn ich die Wohnung nicht gehabt hätte, wäre es für mich nicht möglich gewesen."

Stadtwerke München bauen Werkswohnungen

Die Stadtwerke München bauen laufend eigene Unterkünfte. In den kommenden Jahren sollen insgesamt 2.000 neue Werkswohnungen entstehen. "Wir tun das, weil wir in unserer Belegschaft Mitarbeiter haben, die zum Teil sehr niedrige Einkommen haben, wie zum Beispiel Busfahrer oder Mitarbeiter in den Bädern," sagt Werner Albrecht, Geschäftsführer der Stadtwerke München. "Bei der Werkswohnung bin ich in der Lage, den Mietpreis aktiv mitzugestalten, ich koppele mich faktisch vom Markt ab. Und jede Werkswohnung mehr, wirkt auch preisdämpfend auf den Münchner Mietwohnungsmarkt."

Früher waren Betriebswohnungen stärker verbreitet

In den 50er und 60er Jahren boomte der Markt regelrecht: Siemens baute in München gleich neben dem Werk Hochhäuser mit 1.100 Wohnungen - und in Erlangen sogar 2.300. Dann die Kehrtwende: 2009 verkaufte Siemens sämtliche Immobilien an einen Investor. Auch andere Großbetriebe trennten sich von ihren Werkswohnungen. Man wolle sich auf das Kerngeschäft konzentrieren, hieß es.

Um aber attraktiv für Fachkräfte zu werden, brauche man bezahlbaren Wohnraum, sagt Eckhard Späth von der Unternehmensberatung PwC in München. Hierbei seien Betriebswohnungen ein sehr wichtiges Element.

Ohne Wohnung keine Arbeits- und Fachkräfte

Vor allem Mittelständler investieren in Betriebswohnungen. Beispiel Stockdorf: Die Firma "Schmid Alarm" braucht dringend Fachkräfte. Als Anreiz setzt der Chef auf eigene Unterkünfte. Vor gut einem Jahr war der Baubeginn - inzwischen ist der Wohnkomplex mit 18 Einheiten fertig.

Der 21-jährige Sebastian Pietsch ist einer der Mieter. Für den IT-Elektroniker war die Wohnung auch ein Grund, sich nach der Ausbildung für genau diesen Betrieb zu entscheiden: "Ich würde mir wünschen, dass mehr Unternehmen das machen."

Viele Konzerne ziehen (noch) nicht mit

Während der Mittelstand das Thema für sich entdeckt hat, halten sich die großen Unternehmen zurück. Eine aktuelle Umfrage von mehr/wert zeigt: Kein einziger bayerischer Dax-Konzern plant oder baut Betriebswohnungen. Die Landeshauptstadt München, die selbst viele solcher Unterkünfte besitzt, will das ändern.

"Das einzige, das wir tun können als Stadt ist: Darauf zu achten, dass wir Gewerbeflächen nur noch an solche Unternehmen vergeben, die auch nennenswert für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Wohnraum schaffen." Dieter Reiter (SPD), Oberbürgermeister München

Vorsicht mit geldwertem Vorteil von Werkswohnungen

Maria Magdalena Riedl ist mit ihrer Wohnung auf dem Gelände des Pflegeheims mehr als zufrieden. Doch dem Finanzamt war die Miete zu billig: Die Differenz zur ortsüblichen Miete ist als geldwerter Vorteil zu versteuern.

Doch seit 1.1.2020 gilt nun: Vermietet ein Arbeitgeber eine betriebseigene Wohnung bis zu einem Drittel unter der ortsüblichen Miete, muss dies nicht mehr als geldwerter Vorteil versteuert werden. Das heißt, die Ersparnis kommt wirklich beim Arbeitnehmer an. Als Riedl dies erfuhr, konnte sie ihr Glück kaum fassen: "Da habe ich gefeiert. Da bin ich in mein Lieblingscafé nach Haidhausen und habe gefeiert und geweint vor Freude. Ich bleibe in dieser Wohnung!"

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