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Brisanter Handel: Chef-Wirtschaftsprüfer kaufte Wirecard-Aktien | BR24

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Wirecard-Zentrale in Aschheim

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    Brisanter Handel: Chef-Wirtschaftsprüfer kaufte Wirecard-Aktien

    Im Wirecard-Untersuchungsausschuss hat der Chef der Aufsichtsbehörde für Wirtschaftsprüfer eingeräumt, selbst mit Aktien des Konzerns gehandelt zu haben. Rufe nach seinem Rücktritt werden laut. Die Grünen haben eine Verdachtsanzeige gestellt.

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    Von
    • Tobias Betz

    Erst waren es Mitarbeiter der Finanzaufsicht BaFin. Sie handelten mit Wirecard-Aktien. Besonders aktiv waren sie in dem Zeitraum, als sich die Betrugsvorwürfe gegen das Skandalunternehmen Wirecard erhärteten. Nun kam im Untersuchungsausschuss des Bundestages ans Licht: Auch der Leiter der Wirtschaftsprüfer-Aufsicht Apas, Ralf Bose, griff zu.

    Ermittlungen können Börsenkurse beeinflussen

    Es war ein brisanter Handel - ohne Gewinne. Bose sagte im Untersuchungsausschuss des Bundestages, dass er Wirecard-Aktien gekauft habe. Ende April dieses Jahres griff er zu, knapp einen Monat später verkaufte er - allerdings mit Verlusten. Brisant ist der Zeitpunkt des Verkaufs. Wenige Tage zuvor nämlich hatte seine Aufsichtsbehörde ein Verfahren gegen die Wirecard-Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY) eingeleitet.

    Zuvor liefen bereits Vorermittlungen. Dass solche Ermittlungen Börsenkurse beeinflussen können, räumte der Apas-Chef vor dem Untersuchungsausschuss ein. Er habe an das Geschäftsmodell von Wirecard geglaubt, sagte der Behördenleiter.

    Grüne zeigen Apas-Chef an

    Derweil erhöht der Grünen-Abgeordnete Danyal Bayaz den Druck. Nun hat er bei der Finanzaufsicht BaFin eine Verdachtsanzeige wegen Insiderhandels gegen den Apas-Chef gestellt. In der Anzeige, die dem Bayerischen Rundfunk vorliegt, schreibt Bayaz: Wenn sich der Verdacht des Insiderhandels bestätige, müsse die BaFin unverzüglich Strafanzeige gegen Bose stellen.

    Brisant ist: Am Tag, an dem der Apas-Chef die Aktien mit Verlusten verkaufte, gab es Gespräche zwischen ihm und der BaFin zu laufenden Ermittlungen bei Wirecard, die letztlich den milliardenschweren Bilanzbetrug aufdeckten. Wie Grünen-Politiker Bayaz in seiner Anzeige schreibt, behauptet Bose, er habe die Aktien noch vor den Gesprächen verkauft.

    Forderungen nach Entlassung des Apas-Chefs

    Die Rechtsaufsicht über die Apas liegt beim Bundeswirtschaftsministerium. Minister Peter Altmaier (CDU) sagte zum Aktien-Deal des Behördenleiters: "Das hat mich befremdet." Nun werde der Vorgang geprüft und über Konsequenzen beraten.

    Andere Unionspolitiker zeigten sich fassungslos. Der CDU-Finanzexperte Matthias Hauer sagte, der Aktien-Deal des Behördenleiters sei "starker Tobak": "Ein solches Verhalten kann nicht ohne Konsequenzen für ihn persönlich bleiben." Auch Danyal Bayaz fordert Konsequenzen. Der Apas-Chef habe eine erschreckende Ignoranz gegenüber einem offensichtlichen Interessenskonflikt gezeigt, so der Grünen-Politiker.

    "Sieht nach Insiderhandel aus"

    Die SPD-Politikerin Cansel Kiziltepe hatte im Untersuchungsausschuss nach dem Aktienkauf des Apas-Chefs gefragt. "Sieht irgendwie nach Insiderhandel aus", sagte sie. Auch wenn der Apas-Chef die Wirecard-Aktien mit Verlusten verkaufte, war der Wert der Aktie zu diesem Zeitpunkt nur gefallen und noch lange nicht am Boden. Hat der Behördenleiter also seine Verluste begrenzt? Der Linken-Politiker Fabio De Masi sagte: "Dieser ungeheuerliche Vorgang erfordert die Entlassung des Chefs der APAS und klare Regeln gegen Insiderhandel in Aufsichtsbehörden"

    Auch der FDP-Politiker Florian Toncar sagte: "Aus meiner Sicht kann er nicht im Amt bleiben." Toncar kritisierte, dass es für die Wirtschaftsprüfer-Aufsicht keine ausreichenden Compliance-Regeln gebe. Hans Michelbach (CSU) fordert, es müsse herausgefunden werden, was zwischen Bose und BaFin-Chef Felix Hufeld an dem Tag besprochen worden sei, an dem Bose seine Aktien verkauft habe. Indes fordert Finanzpolitiker Kay Gottschalk (AfD) gleich mehrere Rücktritte: Erstens Apas-Chef Bose. Zweitens müsse auch BaFin-Chef Hufeld zurücktreten. Denn auch BaFin-Mitarbeiter handelten mit Wirecard-Aktien, so Gottschalk. In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass Hufeld selbst nicht mit Wirecard-Aktien handelte.

    Die Apas steht im Fall Wirecard in der Kritik, weil sie erst spät gegen Ernst & Young ermittelte, obwohl sich die Betrugsvorwürfe bereits Monate zuvor erhärtet hatten. Die Prüfer hatten jahrelang die Bilanzen des früheren DAX-Konzerns Wirecard abgesegnet.

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