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Brexit trifft Wirtschaft im Freistaat | BR24

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Symbolbild zeigt einen Riss zwischen britischer und bayerischer Flagge.

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    Brexit trifft Wirtschaft im Freistaat

    Die bayerischen Unternehmen bekommen den Brexit zu spüren. Die Exporte nach Großbritannien gingen um über drei Prozent zurück. Die Wirtschaft wünscht rasche Austrittsverhandlungen für Klarheit. Karsten Böhne war bei einer Firma in Niederbayern.

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    Langsam fließt der Lack in einen großen Trichter und von dort direkt in die Dose, Deckel drauf, fertig. Die Kunden sind in diesem Fall Autowerkstätten.

    Hier in Essenbach nahe Landshut produziert die Firma Mipa Lacke und Farben, die Produkte gibt es in über 85 Ländern. Einer der wichtigsten Märkte ist Großbritannien, aber wie lange noch? Das Geschäft dort werde schwieriger, beobachtet der Vorstandsvorsitzende Markus Fritzsche.

    "Der Umsatz ist nicht mehr so stabil planbar und wir werden uns sicherlich stärker noch nach anderen Märkten orientieren müssen, um die Unsicherheit die in Großbritannien herrscht, aufzufangen." Vorstandsvorsitzender der Firma Mipa Lacke und Farben in Essenbach, Markus Fritzsche

    Pfund verliert deutlich

    Der Grund: Wegen des bevorstehenden Brexits hat das Pfund deutlich an Wert verloren. Das hat die Exporte aus dem Euroraum verteuert und die Nachfrage gedämpft. Im vergangenen Jahr sind die bayerischen Ausfuhren nach Großbritannien um über drei Prozent zurückgegangen, betroffen sind vor allem Automobilindustrie, Maschinenbau und elektronische Erzeugnisse. Und der Ausblick ist nicht gerade rosig, sagt der Außenwirtschaftschef der IHK für München und Oberbayern, Frank Dollendorf.

    "Wir gehen davon aus, dass die Zahl kontinuierlich sich konsolidieren oder nach unten gehen wird und dann im Frühjahr 2019 wenn der Austritt tatsächlich vollzogen worden wird sind wir davon überzeugt, dass der Aufwand für das Geschäftemachen zwischen Bayern und Großbritannien auf jeden Fall größer sein wird." Außenwirtschaftschef der IHK für München und Oberbayern, Frank Dollendorf

    Drittgrößter Exportmarkt für Bayern

    Rund acht Prozent der bayerischen Ausfuhren gehen nach Großbritannien. Damit ist es der drittgrößte Exportmarkt für die Unternehmen im Freistaat, nach den USA und China. Immer mehr Firmen legen nun Investitionen im Vereinigten Königreich auf Eis, auch der Lack- und Farbenhersteller Mipa aus Essenbach, sagt Firmenchef Markus Fritzsche.

    "Wir haben für unserer Verhältnisse relativ große Investitionen geplant, die wir eigentlich letztes Jahr schon beginnen wollten mit einem Neubau, den haben wir momentan verschoben auf erstmal unbestimmte Zeit, und wenn wir den anfangen werden, dann sicherlich auch nicht mehr in der Größenordnung." Vorstandsvorsitzender der Firma Mipa Lacke und Farben in Essenbach, Markus Fritzsche

    Hoffnung: keine Zollschranken

    Er hofft nun, dass die Märkte nicht komplett auseinanderdriften, Zollschranken wären aus seiner Sicht eine Katastrophe. Das deckt sich mit den Ergebnissen einer Umfrage unter 500 bayerischen Unternehmen, die die IHK durchgeführt hat. Folgendes ist ihnen bei den Austrittsverhandlungen wichtig, sagt Außenwirtschaftsexperte Frank Dollendorf:

    "Nummer eins: der freie Warenverkehr und das Niedrighalten von Zöllen, Nummer zwei die Bürokratie soll möglichst gering gehalten werden und auf den Folgeplätzen sind freier Zahlungs- und Kapitalverkehr gefolgt von Personenfreizügigkeit und möglichst rasche Brexit-Verhandlungen." Außenwirtschaftschef der IHK für München und Oberbayern, Frank Dollendorf

    Und dass die möglichst reibungslos verlaufen, ist nicht nur wichtig für die Bilanz der Unternehmen, sondern auch für die Beschäftigten. Denn in Bayern hängen immerhin rund 125.000 Arbeitsplätze am Handel mit Großbritannien.