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Immer mehr Supermärkte siedeln sich an Ortsrändern kleinerer Gemeinden an – teilweise sogar nebeneinander.

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    Boom der Supermärkte: Kampf um jeden Meter

    Wer die B2 von Nürnberg nach Gräfenberg fährt, sieht sie in fast jeder Ortschaft: Supermärkte. Es werden zwar nicht unbedingt mehr, aber sie werden immer größer und präsenter. Der Kampf um Marktanteile ist in vollem Gange.

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    Von
    • Daniel Peter

    Schon von Weitem kann man den rot-weißen Firmenschriftzug des Supermarkts am Ortsrand von Forth in der Marktgemeinde Eckental erkennen. Seit diesem Jahr steht er hier, mit rund 2.000 Quadratmetern Verkaufsfläche samt großem Parkplatz dazu. Nur wenige Kilometer weiter, in Eschenau, gibt es ebenfalls mehrere Supermärkte – darunter auch ein großer.

    Dennoch sei der Bedarf für diesen Supermarkt in Forth vorhanden, so die Bürgermeisterin der Marktgemeinde, Ilse Dölle (Unabhängige Bürger Eckental). Das Einzelhandelsgutachten, das im Vorfeld erstellt worden ist, habe ergeben, dass die etwa Marktgemeinde auch eine überregionale Versorgungsaufgabe hätte. Daher sei der neue Supermarkt am Ortsrand von Forth wichtig. Der Einzelhandel im Ortskern würde dadurch auch nicht geschwächt werden, denn man habe bewusst auf einen Blumen- oder Schuhladen zusätzlich zum neuen Supermarkt verzichtet, so die Bürgermeisterin.

    Diskussion um neuen Discounter

    Anders sieht es in Kalchreuth (Landkreis Erlangen-Höchstadt) aus. Hier wohnen mit rund 3.000 Einwohnern etwa genauso viele Menschen wie in Forth. Aber in der Gemeinde wird schon länger darüber diskutiert, ob es hier einen neuen Supermarkt geben soll, nachdem der letzte vor einigen Jahren seine Pforten geschlossen hat. Beim ortsansässigen Bäcker können sich die Bürger einige Produkte des täglichen Bedarfs, wie Spülmittel, Küchenpapier oder Haferflocken, besorgen.

    Für Bürgermeister Herbert Saft (Freie Wähler) ist die Sache relativ klar. Er möchte nicht, dass in Kalchreuth ein Discounter oder Supermarkt neu gebaut wird. Schließlich gebe es in Heroldsberg – keine zwei Kilometer entfernt – mehrere Supermärkte.

    Direktvermarktung mittels Lebensmittelautomat

    In Kalchreuth gibt es neben dem Bäcker noch zwei Metzger sowie einige Lebensmittelautomaten, bei denen die Landwirte ihre Produkte wie Käse, Milch oder Eier verkaufen. Auch die Familie Klaußner, die einen Geflügelhof mit rund 1.500 Hühnern betreibt, hat so einen Automaten aufgestellt. Es gibt frische Eier, Nudeln, aber auch Wurstwaren vom Metzger oder Bier aus den Ortschaften aus der Umgebung.

    Das Geschäft mit dem Lebensmittelautomat laufe gut, erzählt Sascha Klaußner, Landwirt im Nebenerwerb. Einen Supermarkt in Kalchreuth sieht er skeptisch, denn die brächten neben Konkurrenz für seine Produkte auch einen hohen Flächenverbrauch mit sich.

    Ähnlich sieht das auch Kalchreuths Bürgermeister Herbert Saft. Er befürchtet Konkurrenz für die im Ort ansässigen Landwirte sowie den Bäcker und die Metzger. Wenn ein Supermarkt käme, könnten diese Geschäfte wahrscheinlich nicht überleben, glaubt der Bürgermeister.

    Harter Kampf um Marktanteile

    Laut Handelsverband Bayern ist die Zahl der Supermärkte in den vergangenen Jahren auf rund 7.500 zurückgegangen. Allerdings sei gleichzeitig die Größe der Supermärkte gewachsen, sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband. Dieser Trend sei schon seit einigen Jahren zu beobachten. Das liege auch daran, dass die Ansprüche der Kunden gestiegen sind. Sie erwarten mehr Auswahl, mehr Frische, mehr Qualität – und das benötige auch mehr Platz.

    Ein Supermarkt mit einer Verkaufsfläche von etwa 2.200 Quadratmetern habe im Schnitt mindestens 15.000 Artikel im Sortiment, so Ohlmann. Der Konkurrenzkampf zwischen den Supermärkten und Discountern in Bayern sei einer der härtesten in ganz Europa. Deshalb versuchen die Unternehmen, durch zusätzliche Standorte Marktanteile zu gewinnen.

    Druck auf kleine Einzelhändler wächst

    Diese Aussage deckt sich auch mit den Beobachtungen in der Region. Egal ob in Neunkirchen am Brand, Gräfenberg, Heroldsberg oder in der Marktgemeinde Eckental. Hier befinden sich oft am selben Ort gleich mehrere Anbieter von Supermärkten oder Discountern nebeneinander, häufig am Ortsrand.

    Wenn sich ein neuer Supermarkt "auf der grünen Wiese" niederlasse, erhöhe das natürlich auch den Druck – zum Beispiel auf den Bäcker im Ort, der dort schon seit vielen Jahren seine Brötchen verkauft, sagt Bernd Ohlmann. Es gebe allerdings auch Möglichkeiten, den Bäcker zum Beispiel in einen neuen Supermarkt zu integrieren. So könne das bestehende, ortsansässige Unternehmen im Idealfall profitieren, so Ohlmann.

    Kalchreuther dürfen mitbestimmen

    In Kalchreuth sollen die Bürgerinnen und Bürger nun selbst bestimmen, ob sie im Ort einen Discounter haben möchten oder nicht. Im Mai läuft dazu nun eine Befragung unter anderem zum Einkaufsverhalten der Menschen. Außerdem gibt es einen Arbeitskreis, der sich mit dem Thema Nahversorgung beschäftigt, sagt Bürgermeister Herbert Saft.

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