BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern
© picture alliance
Bildrechte: picture alliance

Osram Aktie: Prominentes Beispiel für ein "Delisting"

Per Mail sharen

    Das bedeutet Delisting für Aktionäre und Unternehmen

    "An die Börse gehen" bedeutet, dass ein Unternehmen Kapital braucht und bereit ist, dafür strenge Anforderungen zu erfüllen. Manchmal verlassen gelistete Unternehmen deshalb wieder die Börse. Das nennt man Delisting. Das BR24 Börsenglossar.

    Von
    Margit SillerMargit Siller
    Per Mail sharen

    Vor gut acht Jahren brachte der Siemens-Konzern seine Tochter Osram an die Börse. Das Münchener Traditionsunternehmen geriet ins Visier des sehr viel kleineren Sensorherstellers AMS aus der Steiermark. Nach einer beispiellosen Übernahmeschlacht, wie es sie selten in Deutschland gegeben hat, hält AMS inzwischen mehr als 80 Prozent der Osram-Anteile. Mit dieser Nachricht waren die Tage an der Börse für Osram gezählt. AMS erklärte dazu: Das Delisting, also der Rückzug von der Börse, sei die entscheidende Voraussetzung, um Osram komplett in das österreichische Unternehmen integrieren zu können.

    Abschied von Kosten und Pflichten

    Das Delisting, also die Abkehr von der Börse, befreit den neuen Eigentümer (in diesem Fall AMS) von den umfassenden Pflichten, die mit einer Börsennotiz verbunden sind. Es ist nicht nur der Druck, viermal im Jahr Quartalsberichte nach bestimmten Vorgaben zu erstellen. Es geht auch um Kosten, zum Beispiel für die jährliche Hauptversammlung.

    Übernahmeangebot nötig

    Häufig führt die Übernahme eines Unternehmens also zu einem Delisting. Der neue Mehrheitseigentümer braucht dafür am Ende nur die Zustimmung des Aufsichtsrates und der Finanzmarktaufsicht BaFin. Die betroffenen Aktionäre müssen dazu nicht befragt werden.

    Eine Voraussetzung für ein Delisting ist allerdings ein Übernahmeangebot. Laut Gesetz muss dabei mindestens der Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate geboten werden. Dies führt in der Praxis häufig zu großem Unmut bei den betroffenen Aktionären; viele fühlen sich über den Tisch gezogen. So plant auch Rocket Internet den Rückzug von der Börse. Allerdings beträgt der angebotene Preis nicht einmal die Hälfte des ursprünglichen Emissionspreises, also zum Zeitpunkt des Börsenganges. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) spricht deshalb von „legalem Betrug“.

    Unmut der Aktionäre

    Ob ein Anleger eine Aktie verkaufen sollte, wenn ein Delisting geplant ist; ob angebotene Abfindungen angemessen sind oder nicht – das sorgt regelmäßig für Kontroversen und sogar Gerichtsprozesse. Häufig wird eine Aktie, die nicht mehr im regulierten Handel notiert ist, im Freiverkehr einer Regionalbörse gehandelt. Die Anforderungen dort sind sehr viel niedriger; häufig sind die Umsätze so gering, dass gar kein Handel stattfindet. Dann ist die faire Feststellung eines Kurses ein echtes Problem. Damit schwinden die Chancen für Betroffene, ihre Aktien am Ende doch noch für einen ordentlichen Preis abzustoßen, wenn sie zuvor weder auf das Übernahmeangebot noch auf die angebotene Abfindung eingegangen sind.

    Neue Aktionärsstruktur

    Geraten börsennotierte Unternehmen in eine schwierige Lage wie etwa eine Insolvenz, dann brauchen sie neue Geldgeber. Diese Investoren können unter bestimmten Bedingungen zu neuen Großaktionären werden, die das Unternehmen lieber ohne öffentliche Aufmerksamkeit neu aufstellen wollen. Auch in solchen Fällen kann aus deren Sicht ein Delisting Sinn machen – die betroffenen Kleinaktionäre dürften das allerdings anders sehen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

    Schlagwörter