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Chicago: Dennis Muilenburg, Vorstandsvorsitzender von Boeing, spricht während des jährlichen Aktionärstreffens in Chicago.
© dpa/pa/Jim Young
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Chicago: Dennis Muilenburg, Vorstandsvorsitzender von Boeing, spricht während des jährlichen Aktionärstreffens in Chicago.

Schon vor Beginn der Hauptversammlung gab es am Veranstaltungsort in Chicago Proteste. Kritische Aktionäre forderten den Rücktritt von Dennis Muilenburg. Und seine erste Pressekonferenz nach den beiden Flugzeugabstürzen beendete der Boeing-Chef abrupt nach nur sechs Fragen. Zuvor hatte Muilenburg die Aktionärsversammlung mit einer Gedenkminute für die 346 Opfer begonnen.

Doch anschließend wollte der Boeing-Chef den Blick nach vorne richten. Sein Unternehmen komme auf dem Weg zur Wiederzulassung der gesperrten 737 Max gut voran. Eine verbesserte Software soll künftig vermeiden, dass die Nase des Flugzeugs aufgrund eines fehlerhaften Sensors nach unten gedrückt wird. Boeing habe bereits 146 Testflüge und 246 Flugstunden mit der neuen Software absolviert.

Muilenburg um Optimismus bemüht

"Wir wissen, was das Software-Update können muss. Das geht auf unsere Kappe, und wir verbessern es. Das wird das Flugzeug künftig noch sicherer machen. Mit dieser veränderten Software wird die 737 MAX eines der sichersten Flugzeuge sein, das je geflogen ist." Dennis Muilenburg, Boeing-Chef

Der Boeing-Chef vermied es jedoch, die volle Verantwortung für die beiden Flugzeugabstürze zu übernehmen. Mehrfach wies Muilenburg die in Medienberichten zitierte Kritik von Whistleblowern zurück, Boeing habe auf seine Mitarbeiter großen Zeitdruck ausgeübt und schludrige Arbeit in Kauf genommen, um die neuen Flugzeuge möglichst schnell auf den Markt zu bringen.

"Es gibt keine alleinige Ursache, sondern es war eine Kette von Ereignissen. Wir müssen jetzt alle das Ergebnis der Untersuchungen abwarten. Unser Job ist es, uns auf die Sicherheit zu konzentrieren und nicht zu spekulieren." Dennis Muilenburg, Boeing-Chef

Aktionäre fordern Muilenburgs Rücktritt

Ein Teil der Aktionäre gab sich damit nicht zufrieden und forderte den Rücktritt des Boeing-Chefs: "Müssen immer erst 346 Menschen sterben", kritisierte ein Aktionär, "bevor wir herausfinden, dass etwas nicht zuverlässig funktioniert?"

Andere Aktionäre verlangten zumindest, dass Muilenburg seine Doppelfunktion als Vorstandschef und Vorsitzender des Verwaltungsrats aufgeben muss. Doch beide Anträge wurden von der Mehrheit der Aktionäre abgelehnt. Diese schienen eher besorgt, dass die Boeing-Aktie nicht noch mehr als 13 Prozent an Wert verliert. Und ähnlich wie der Boeing-Chef hoffen sie, dass die gesperrten 737 Max möglichst noch im Sommer wieder fliegen dürfen.

Während Boeing eine Schulung am Computer für ausreichend hält, um die Piloten mit der neuen Software vertraut zu machen, fordert der Pilotenverband eine ausführliches Training im Flugsimulator. Dies würde das Comeback des Flugzeugs weiter verzögern.

Schadensersatzklagen gegen Boeing

Boeing hätte schon vor einem Jahr mehr Zeit und Geld in die Ausbildung der Piloten stecken sollen, kritisiert der Kanadier Paul Njoroge. Er hat beim Absturz der Ethiopian Airlines seine Frau und seine drei Kinder verloren. Jetzt verklagt er Boeing gemeinsam mit anderen Hinterbliebenen auf Schadenersatz.

"Diese sechs Minuten sind für immer in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich war nicht da, um ihnen zu helfen. Ich konnte sie nicht retten."