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BMW und Daimler stecken eine Milliarde in Carsharing-Plattform | BR24

© dpa/picture-alliance

Harald Krüger (links), Vorstandsvorsitzender der BMW AG und Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG

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BMW und Daimler stecken eine Milliarde in Carsharing-Plattform

Ein Auto nicht selbst besitzen, sondern nur bei Bedarf bei einem Carsharing-Anbieter zugreifen - das ist für viele Großstädter Alltag. BMW und Daimler wollen ihre Marktposition stärken und ihre Carsharing-Angebote in einem Mobilitätsdienst bündeln.

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BMW und Daimler stecken mehr als eine Milliarde Euro in ihre gemeinsame Mobilitätsfirma und wollen so digitale Dienstleister wie Uber überholen. Die Konzerne wollen einen weltweit führenden Anbieter für Mobilität schaffen, wie BMW-Chef Harald Krüger am Freitag in Berlin sagte.

Die bestehenden Carsharing-, Fahr-, Park- und Ladedienste werden auf einer gemeinsamen Plattform gebündelt. Im Markt für Mobilitätsservices müsse man sich in den nächsten zwei bis vier Jahren positionieren, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche.

"Das ist ein Geschäft, in dem Größe zählt. Wir wollen schnell wachsen und natürlich Geld verdienen." Dieter Zetsche, Daimler-Chef

Kooperation mit Startups möglich

Insgesamt verzahnen die beiden Konzerne 14 Marken, darunter die Carsharing-Dienste DriveNow und Car2Go. Weitere Angebote bis hin zu autonomen Autos oder gar Lufttaxis könnten dazukommen.

"Denkbar sind dabei auch Kooperationen mit anderen Anbietern sowie Akquisitionen von Start-ups oder etablierten Playern", sagte Daimler-Chef Zetsche. Im Moment gebe es dafür zwar keine konkreten Pläne oder Ziele, aber "das kann sich schon nächste Woche ändern".

BMW und Daimler wollen mit Tech-Anbietern mithalten

Die beiden Oberklasse-Autobauer wollen, wie viele andere Hersteller, weg vom reinen Verkauf von Fahrzeugen hin zu Dienstleistungen rund um die Mobilität, ehe diese Felder komplett von Tech-Anbietern wie Uber oder Lyft besetzt werden. BMW und Daimler gehen davon aus, dass sich nur große Anbieter durchsetzen können - und sehen sich mit bereits 60 Millionen Kunden gut gerüstet.

"Bei Mobilitätsdiensten geht es um Technologieführerschaft und um Tempo." Harald Krüger, BMW-Chef

Gemeinsam seien die beiden bislang konkurrierenden Anbieter schlagkräftiger. Bei ihren Carsharing-Firmen haben Daimler und BMW bereits die Erfahrung gemacht, dass Kunden im Alltag nicht unbedingt einen bestimmten Anbieter buchen, sondern das nächstgelegene Fahrzeug.

Carsharing-Geschäft soll profitabel wachsen

Die gemeinsame Plattform solle nahtlose Mobilität bieten, sagte Krüger. "Wir wollen weitere Verkehrsmittel anbinden." Auch weitere Investitionen sind geplant. Details nannten die Unternehmen nicht. Auch zur geplanten Rendite äußerten sie sich nicht. Die Konzernchefs betonten lediglich, dass das Geschäft profitabel wachsen solle.

Zur gemeinsamen Flotte sollen auch voll-elektrische und selbstfahrende Fahrzeuge gehören, die sich selbstständig aufladen und parken. Diese können dann von Daimler, BMW oder auch von anderen Herstellern stammen, wie Daimler-Chef Zetsche sagte. Selbst Lufttaxidienste seien denkbar. Daimler ist am Startup Volocopter beteiligt.

Carsharing langfristig wichtiger als Verkauf von Neuwagen?

Carsharing wird immer beliebter: Experten von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, schätzen, dass sich der Umsatz mit solchen Angeboten bis 2030 mehr als verzehnfacht. Auf "Mobilityy as a Service -Leistungen (MaaS)" könnten 2030 rund 30 Prozent der Branchengewinne entfallen" - auf den Verkauf von Neuwagen dagegen nur noch 26 Prozent.

Für etablierte Autobauer, die sich das Geschäft mit der Mobilität nicht von jungen, schlagkräftigen Tech-Anbietern wie Uber, Lyft oder Didi wegschnappen lassen wollen, bedeutet dies, dass sie zweigleisig fahren müssen: weiter Hersteller und Verkäufer von Fahrzeugen sein und gleichzeitig digitale Dienstleister.

Autobauer als digitale Dienstleister

Das ist anstrengend und teuer. Es bestehe die Gefahr, dass sich die Autobauer verzetteln, warnen die Experten des Analysehauses Evercore ISI. Am Ende könne es sein, dass die Hersteller auf dem weiten Feld der Mobilität alles machten, aber nichts richtig. Doch eine andere Wahl haben die Konzerne aus Sicht von Fachleuten nicht, wenn sie nicht zu bloßen Hardware-Lieferanten heruntergestuft werden wollen.

Daher sorgen Kooperationen - auch wenn sie komplex sind - aus Sicht der Experten für das beste Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag. Die Analysten von Evercore ISI schreiben, die Zusammenarbeit verteile die Kosten auf mehr Schultern und führe zu besseren Datensammlungen und größeren Lerneffekten.