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BMW kürt neuen Chef: Zwei Favoriten und viele Baustellen | BR24

© Stephan Lina/BR

BMW-Aufsichtsrat entscheidet über neuen Konzernchef

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BMW kürt neuen Chef: Zwei Favoriten und viele Baustellen

Heute ist bei BMW der Tag der Entscheidung. Der Aufsichtsrat bestimmt bei seiner Sitzung am US-Standort Spartanburg, wer neuer Chef des Autokonzerns wird. Es gibt zwei Favoriten.

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BMW sucht intern nach einem neuen Chef, wie schon in der Vergangenheit. Dabei werden sowohl dem Produktionsvorstand Oliver Zipse als auch dem Entwicklungschef Klaus Fröhlich die besten Chancen eingeräumt. Am Abend mitteleuropäischer Zeit soll die Entscheidung bekannt gegeben werden.

Die Favoriten für den Chefsessel

Die besseren Karten hat offensichtlich der derzeitige BMW-Produktionsvorstand Oliver Zipse. Der 55-jährige Maschinenbauingenieur hat sein gesamtes Berufsleben bei dem Autokonzern in verschiedenen Funktionen verbracht. So leitete er unter anderem das Werk in Oxford. Von 2012 bis 2015 war er Strategiechef, bevor er in den Vorstand eintrat.

Der immer akkurat gekleidete Zipse gilt als kompetent und durchsetzungsstark. In den vergangenen Jahren hat er das Produktionsnetzwerk mit seinen zahlreichen Werken ausgebaut, um den Autokonzern unabhängiger von Handelskonflikten und konjunkturellen Schwankungen zu machen. Was für Zipse spricht, ist zudem, dass bei BMW Produktionsvorstände offenbar gute Chancen haben, auf den Chefsessel zu wechseln. Sowohl der frühere BMW-Chef und derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Reithofer als auch der scheidende Vorstandschef Harald Krüger waren einmal Produktionsvorstände.

Auch der Entwicklungschef von BMW, Klaus Fröhlich, ist seit Jahrzehnten bei dem Konzern. Und auch er ist Maschinenbauingenieur und seit 2015 im Vorstand. Im Gegensatz zu Zipse tritt Fröhlich deutlich forscher in der Öffentlichkeit auf. Als Entwicklungschef hat er die Zukunftstechnologien vorangetrieben und Partnerschaften mit dem US-Chipkonzern Intel und mit dem Stuttgarter Konkurrenten Daimler geschlossen. Allerdings ist Fröhlich bereits 59 Jahre alt. BMW hat eine interne Altersgrenze von 60 Jahren, ab der Führungskräfte eigentlich in den Ruhestand gehen sollten.

Zahlreiche Baustellen bei BMW

Auf den neuen Chef des Münchner Autobauers kommen zahlreiche Herausforderungen zu. Die Handelskonflikte zwischen den USA und China beziehungsweise Europa treffen vor allem Autohersteller. Diese profitieren mit ihrem weltweiten Produktionsnetzwerk vom freien Handel. Zölle und Handelsschranken behindern die Geschäfte. Dazu kommen die neuen Technologien: allen voran die Elektromobilität, die Digitalisierung und das autonome Fahren. Dies alles erfordert viel Geld für Entwicklung und Forschung und das in einer Zeit, in der die Gewinne nicht mehr so sprudeln wie in den Jahren zuvor. Der neue Chef braucht hierfür den Rückhalt des Aufsichtsrats, der beiden Großaktionäre Quandt und Klatten sowie der Belegschaft. Von der neuen Führung wird eine klare Strategie und Vision erwartet, wie man auf die Herausforderungen reagieren will.

BMW-Chef Krüger geht

Vor zwei Wochen hatte BMW-Chef Harald Krüger seinen Rückzug angekündigt. Der Abschied kommt nicht ganz unerwartet. Schon Wochen zuvor wurde darüber diskutiert, ob der Aufsichtsrat den Vertrag von Krüger verlängert oder nicht. Der Vertrag wäre im nächsten Jahr ausgelaufen. Nun hat Krüger von sich aus hingeworfen. Er stehe für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung, teilte er dem Kontrollgremium mit. Er möchte sich beruflich neu orientieren. Krüger galt zum Amtsantritt als Idealbesetzung. Er wurde von BMW akribisch auf den Führungsposten vorbereitet. Offenbar konnte er aber die Erwartungen des Aufsichtsrates nie ganz erfüllen.

Heute nun entscheidet der Aufsichtsrat am Standort in Spartanburg über die Nachfolge. Dass in den USA diese wichtige Entscheidung fällt, hat nichts damit zu tun, dass in Spartanburg mittlerweile das größte Werk der Münchner steht. Der Aufsichtsrat trifft sich immer wieder einmal an anderen Standorten des Konzerns, um zu beraten. Diesmal ist nun halt Spartanburg an der Reihe.