Black Friday
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Oliver Berg

Black Friday

Per Mail sharen
Artikel mit Video-InhaltenVideobeitrag

Black-Friday-Sale - Angebot oder Abzocke?

Am heutigen Black Friday locken fast alle Onlineshops und Geschäfte mit Superschnäppchen. Der Handelsverband rechnet mit Rekord-Umsätzen. Wie schützt man sich vor Shopping-Rausch und Marketing-Fallen? Alle Informationen in einem BR24live.

Über dieses Thema berichtete BR24 am .

Mitte November bis Anfang Dezember überschlagen sich die Händler mit angeblich riesigen Preisnachlässen auf viele Produkte. Doch angesichts hoher Inflation und Konsumflaute scheinen die Verbraucher diesmal besonders vorsichtig. Einer Umfrage zufolge sind viele Deutsche skeptisch bei Rabattversprechen. Und das zurecht, wie die Vergangenheit zeigt.

Black-Friday-Angebote lohnen nicht immer

Wie hoch die Rabatte im Zusammenhang mit "Black Friday" und "Cyber Monday" wirklich sind, ist nicht ganz eindeutig. Das Vergleichsportal "Check24" hat im vergangenen Jahr im Schnitt eine Ersparnis von elf Prozent registriert. Konkurrent "idealo" hat nur einen Preisnachlass von im Schnitt fünf Prozent festgestellt. Einig sind sich die beiden Portale darin: Bei Weitem nicht jedes Produkt wird günstiger. Und teilweise wird es im Aktionszeitraum sogar teurer.

Nach Angaben von "Check24" war nur jedes zweite Produkt bei den Black-Friday-Aktionen im vergangenen Jahr günstiger. Mehr als 20 Prozent ließen sich nur bei jedem fünften Produkt sparen, heißt es bei "idealo". Demnach gab es Schnäppchen vor allem etwa bei Wassersprudlern, Fahrradanhängern, Tablets und Laptops. Dagegen waren Küchengeräte und Fitness-Tracker sogar deutlich teurer als im Oktober davor.

Rabatte sind in diesem Jahr leichter zu erkennen

Ob und wieviel sich im Einzelfall sparen lässt, können die Käufer in diesem Jahr ganz einfach feststellen. Denn seit dem Frühjahr gilt eine neue Preisangabenverordnung: Demnach muss ein Händler - egal ob stationär oder online - bei Sonderangeboten den niedrigsten Preis angeben, den er in den 30 Tagen davor für das Produkt verlangt hat.

Für Handels-Professor Christian Schulze von der Frankfurt School of Finance and Management ein großer Vorteil für Verbraucher. "Das Mogeln mit durchgestrichenen Mondpreisen ist damit deutlich schwieriger für die Händler geworden. Die verpflichtende Angabe des niedrigsten 30-Tages-Preises macht es dem Konsumenten deutlich einfacher", sagt Schulze. Allerdings zeigt sich in Stichproben, dass sich nicht alle Händler an die neue Preisangabenverordnung halten.

Zuletzt hatte der Handel unter der Kaufzurückhaltung zu leiden. Die stark gestiegenen Preise überall lassen die Verbraucher sparsam werden. Deshalb ist unklar, wie das Geschäft rund um "Black Friday" und "Cyber Monday" in diesem Jahr laufen wird. Die Einzelhändler rechnen zumindest mit vollen Kassen im Zuge der Aktionstage. Der Vorjahresumsatz wird nach einer Schätzung des Handelsverbands Deutschland diesmal um 22 Prozent übertroffen und rund 5,7 Milliarden Euro erreichen.

Handelsexperten rechnen mit Umsatzminus

Nicht alle Branchenkenner sind so optimistisch. Der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein geht zwar davon aus, dass der Handel zum "Black Friday" alle Register ziehen wird, um ein schwieriges Jahr zu retten. Doch er hat Zweifel, dass das gelingt. "Alles in allem stehen die Zeichen doch nicht so gut, dass sich dieses Jahr erneut ein Verkaufsrekord einstellt", meint Heinemann - auch weil es weiter Probleme in der Lieferkette gebe.

Skeptisch ist auch der Handelsexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf: "Die Menschen wollen wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage ihr Geld zusammenhalten. Das wird auch am 'Black Friday' zu spüren sein. Die Umsätze werden am Ende niedriger sein als in früheren Jahren."

"Black Friday" und "Cyber Monday" nicht nur im Internet

Vor gut zehn Jahren ist die "Black Friday"-Rabattschlacht aus den USA immer stärker nach Deutschland geschwappt. Mittlerweile nutzen fast alle Internethändler solche Aktionstage im November. Teils unter anderen Namen. So sind neben "Black Friday", "Cyber Monday" oder "Singles Day" auch Mottos wie "Black Sale", "Red Friday", "Deal Days" geläufig.

Manche dehnen die Angebotstage gleich auf eine "Black Week" oder "Cyber Week" aus oder locken bereits mit "Frühen Black Friday Angeboten". Die Aktionen sind dabei längst nicht mehr nur auf Internethändler beschränkt, auch immer häufiger beteiligen sich die stationären Geschäfte – ob Modehändler, Weinladen, Elektrogeschäft oder sogar Discounter.

Tipps bei der Schnäppchenjagd

  • Nicht auf Rabattversprechen hereinfallen! Oft sind die Nachlässe auf unverbindliche Preisempfehlungen bezogen, an die sich fast kein Händler mehr hält. Da kann sich ein Rabatt von 70 Prozent immer noch als teuer erweisen.
  • Immer Preise vergleichen.
  • Artikel und Preise schon Tage oder Wochen vorher im Auge behalten.
  • Preisvergleichsseiten bieten Alarmsysteme an. Da kann der Interessent das gewünschte Produkt angeben und wird dann bei einer Preisveränderung informiert. (Beispiele für Vergleichsseiten sind: idealo.de, billiger.de, geizhals.de)
  • Vorsicht vor Betrügern im Internet: Die Rabatteuphorie nutzen auch schwarze Schafe. Deshalb im Impressum überprüfen, wo der Händler sitzt. Bei unbekannten Webseiten zurückhaltend sein. Und beim Kauf am besten immer sichere Zahlmethoden wählen wie Paypal, Klarna, Lastschrift, Kreditkarte. Da bekommt man im Fall des Falls sein Geld meist zurück. Oder idealerweise per Rechnung zahlen.
  • Gelassen bleiben. Mit Einblendungen wie "Nur noch wenige verfügbar" oder "Diesen Artikel schauen sich derzeit 20 Personen an" versuchen die Händler Druck zu machen. Meist ist das lediglich ein Marketingtrick.
  • Nicht ärgern. Hat man ein Schnäppchen verpasst – keine Sorge: Die nächste Rabattaktion kommt bestimmt.

Woher kommen "Black Friday" und "Cyber Monday"?

Der Begriff "Black Friday" tauchte erstmals in den USA in den 1960er-Jahren auf. Es handelt sich um den Freitag nach dem Thanksgiving-Feiertag, der immer auf den vierten Donnerstag im November fällt. An diesem Freitag nehmen sich viele US-Amerikaner frei und gehen shoppen. Quellen zufolge sollen erstmals die Einzelhändler in Philadelphia die Kunden mit großen Rabatten angelockt haben.

Warum "Black Friday"? Es ist nicht ganz klar, warum der Tag "Schwarzer Freitag" heißt. Eine Theorie besagt, dass so viele Schnäppchenjäger in Philadelphia unterwegs waren, dass die Menschen von der Polizei nur noch als schwarze Masse wahrgenommen wurden. An anderer Stelle heißt es, dass die Einzelhändler an diesem Tag zum ersten Mal im Weihnachtsgeschäft schwarze Zahlen schreiben würden.

Der "Cyber Monday" wurde von den Onlinefirmen in den USA als Antwort auf den "Black Friday" im traditionellen Einzelhandel ins Leben gerufen und findet immer am Montag nach dem Thanksgiving-Feiertag statt.

Warum gibt es so viele verschiedene Begriffe?

In Deutschland wurden "Black Friday" und "Cyber Monday" in den vergangenen rund 15 Jahren etabliert, nicht zuletzt von den großen US-Onlinehändlern. Mittlerweile nutzen fast alle Internethändler solche Aktionstage im November. Auch der stationäre Einzelhandel - ob Modehändler, Weinladen, Elektrogeschäft oder sogar Discounter - hat sich den Rabattaktionen mittlerweile angeschlossen.

Das aber teils unter anderen Namen. So sind auch Mottos wie "Black Sales" oder "Deals", "Red Friday", "Deal Days" oder "Colour Week" geläufig - und die Variationen scheinen kein Ende zu kennen. Das liegt auch daran, dass der Begriff "Black Friday" hierzulande markenrechtlich geschützt war. Im Frühjahr 2020 hat der Bundesgerichtshof ein Urteil bestätigt, das den Markenschutz im Bereich Werbedienstleistungen aufgehoben hat.

Noch größer als Black Friday: Der "Singles Day"

Weltweit gesehen ist übrigens der "Singles Day" das größte Shopping-Event. In Deutschland ist er noch nicht so verbreitet. Er findet jedes Jahr am 11. November und stammt aus China. Ursprünglich feierten Studenten im chinesischen Nanjing seit 1993 an diesem Tag ihr Junggesellendasein. Es wurde eine Tradition daraus, die dann der Online-Handelskonzern Alibaba aufgriff und nun in ganz China zu Rabatt-Aktionen genutzt wird.

Allein Alibaba, Chinas großer Onlinehändler, machte bei dem fast zweiwöchigen Singles-Day-Abverkauf in diesem Jahr einen Umsatz von fast 85 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Online-Umsatz am "Black Friday" in den USA betrug im vergangenen Jahr insgesamt laut Salesforce 12,8 Milliarden Dollar.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!