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Der ehemalige Wirecard-Vorstand und Ex-COO Jan Marsalek

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    BKA veröffentlicht weltweite Fahndung nach Ex-Wirecard-Vorstand

    Nächstes Kapitel im Wirecard-Krimi: Da die bisherigen Fahndungsmaßnahmen nach dem ehemaligen Wirecard-Vorstand und Ex-COO Jan Marsalek erfolglos blieben, hat die Staatsanwaltschaft München I nun eine weltweite Öffentlichkeitsfahndung herausgegeben.

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    Von
    • BR24 Redaktion

    Im Fall Wirecard geht die Staatsanwaltschaft München I den nächsten Schritt und hat eine Öffentlichkeitsfahndung gegen den untergetauchten Ex-Vorstand Jan Marsalek veröffentlicht. Gegen ihn besteht der Verdacht des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, des besonders schweren Falls der Untreue sowie weiterer Vermögens- und Wirtschaftsdelikte.

    Marsalek verschwunden im Nirgendwo

    Als Chief Operating Officer (COO) war Marsalek bis Juni 2020 Vorstandsmitglied und verantwortlich für das gesamte operative Geschäft inklusive des Vertriebs und seit mindestens 2015 insbesondere für das Asien-Geschäft und das TPA-Geschäft maßgeblich zuständig.

    Der seit Beginn der Ermittlungen untergetauchte Österreicher wird verdächtigt, ab einem nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt, spätestens im Jahre 2015, zusammen mit dem ebenfalls beschuldigten Ex-Vorstandsvorsitzenden der Wirecard AG Markus Braun die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen der Wirecard AG aufgebläht zu haben. Dies soll durch die Aufnahme von vorgetäuschten Einnahmen aus Zahlungsabwicklungen im Zusammenhang mit Geschäften mit sogenannten Third-Party-Acquirern (TPA) geschehen sein. Das Unternehmen sollte dadurch finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver dargestellt werden.

    Wirtschaftsprüfer bringen Stein ins Rollen und sich in Probleme

    Im Rahmen der Abschlussprüfung für das Jahr 2019, deren Präsentation mehrfach verschoben werden musste, wurde öffentlich, dass die Wirtschaftsprüfer festgestellt hatten, dass entsprechende Bankbestätigungen, die das Bestehen von Treuhandkonten mit entsprechendem Guthaben belegen sollten, gefälscht beziehungsweise unecht sind.

    Zusätzlich wurde bekannt, dass Marsalek in seiner Rolle als Vorstand entgegen seiner Verpflichtung gegenüber dem Wirecard-Konzern und dessen Vermögensinteressen, Anteile einer Firma zu einem überhöhten Kaufpreis erworben und dadurch das Vermögen des Unternehmens geschädigt hat.

    Wie viel wusste die Politik - und was konnte sie tun?

    Der ohnehin schon brisante Fall von Bilanzfälschung und Betrug wird mehr und mehr zum Wirtschaftskrimi mit politischer Tragweite, da es auch Kontakte und Gespräche bis ins Kanzleramt gegeben haben soll. Diese werden derzeit geprüft, sodass ein Untersuchungsausschuss auf Bundesebene nicht ausgeschlossen wird.

    Betrug im Umfang von 1,9 Milliarden Euro

    In dem Wissen um die Unrichtigkeit der Bilanz und somit darum, dass angeblich vorhandene Vermögenswerte in Höhe von zuletzt 1,9 Milliarden Euro, immerhin einem Viertel der Bilanzsumme, nicht existieren, veranlassten die Beschuldigten die Verhandlung verschiedener Kredite und ähnlicher Geschäfte mit Investoren.

    Der Erfolg der Wirecard-Vorstände in den Verhandlungen zeigt sich in Krediten internationaler Banken. Diese aus Deutschland und Japan stammenden Institute sowie weitere Investoren stellten, getäuscht durch die falschen Jahresabschlüsse, Gelder in Höhe von rund 3,2 Milliarden Euro bereit. Inzwischen gehen Beobachter auch hier davon aus, dass diese Summe größtenteils verloren ist. Es besteht somit der Verdacht, dass sich Marsalek eines besonders schweren Falls der Untreue und des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs strafbar gemacht hat.

    Marsalek: Geflohen, untergetaucht - bis heute verschwunden

    Bereits zum 22. Juni erließ die Staatsanwaltschaft München I Haftbefehl gegen Marsalek, der jedoch bis zum heutigen Tag nicht vollzogen werden konnte. Grund dafür: Der Beschuldigte ist nicht auffindbar. Vermutet wird, dass er nach Russland geflohen ist und dort vom Geheimdienst festgesetzt wurde. Weder Äußerungen noch Bestätigungen sind dazu zu erhalten, was in Geheimdienstkreisen jedoch normal ist.

    Die bisherigen Fahndungsmaßnahmen verliefen ohne Erfolg. Aufgrund der derzeitigen Ermittlungsergebnisse wird ein Aufenthaltsort des Gesuchten im Ausland für sehr wahrscheinlich gehalten. Marsalek setzte sich mutmaßlich in den Tagen nach seiner Freistellung als Vorstandsmitglied bei der Wirecard AG aus Deutschland ab. Um einen möglicherweise besseren Zugriff auf internationaler Ebene zu erhalten, wurde die Öffentlichkeitsfahndung nun auf das weltweite Gebiet ausgeweitet.

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