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Kryptowährungen wie Bitcoin verbrauchen mittlerweile so viel Strom wie ganze Länder.

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    Bitcoin: Warum die Kryptowährung so viel Strom verbraucht

    Niederlande, Chile, Pakistan: Kryptowährungen wie Bitcoin verbrauchen mittlerweile so viel Strom wie ganze Länder. Denn die digitale Herstellung ist energieaufwendig – doch es gäbe auch umweltschonende Alternativen.

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    Von
    • Tobias Brunner

    Einen "Sargnagel für den Klimawandel" nannte das Forbes Magazine den Bitcoin schon 2018 – und meinte damit den enormen Energieverbrauch, der durch die Kryptowährung entsteht. Seitdem hat sich einiges getan, sowohl beim Kurs als auch beim Stromhunger: Beide sind in die Höhe geschossen.

    Inzwischen haben eine Reihe von Studien den Strombedarf des Bitcoins untersucht. Demnach verbraucht das Schürfen der digitalen Währung – das sogenannte "Mining" – pro Jahr mehr Energie als einzelne Länder: Niederlande oder Chile sind zwei Beispiele, die hier immer wieder genannt werden.

    Bitcoin-Stromverbrauch steigt seit Jahren an

    So geht etwa der sogenannte "Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index" der gleichnamigen britischen Universität derzeit von einem jährlichen Energieverbrauch von knapp 115 Terrawattstunden (TWh) aus. Auch eine weitere Hochrechnung, der "Digiconomist's Bitcoin Energy Consumption Index", kommt auf etwa 126 TWh pro Jahr (beide Stand: 8. Juni 2021). Das entspricht laut Digiconomist circa dem Stromverbrauch von Pakistan. Zur Einordnung: Deutschland liegt jährlich bei einem Stromverbrauch von 517 TWh. Im Ländervergleich mit deutlichem Abstand den ersten Platz belegt China mit 6.510 TWh.

    Der niederländische Wissenschaftler Alex de Vries, der an der Erstellung des Index beteiligt ist, zieht noch einen anderen Vergleich: 2018 kam eine Bitcoin-Transaktion auf den gleichen Energie-Fußabdruck wie 80.000 Kreditkarten-Transaktionen – inzwischen dürften es deutlich mehr sein.

    Warum verbraucht der Bitcoin überhaupt so viel Strom?

    Die simple Gleichung für den großen Stromverbrauch lautet: Bitcoin = Rechenleistung. Denn um die Kryptowährung zu schürfen, müssen Computer komplexe Rechenaufgaben lösen. Da diese aber immer komplexer werden, sind auch immer größere Computer bis hin zu ganzen Rechenzentren und Serverfarmen nötig – andernfalls stehen Aufwand und Ertrag für "Miner" in keinem Verhältnis mehr.

    Ausführlicher erklärte dies vor kurzem Ulrich Gallersdörfer von der TU München im Gespräch mit dem BR. Er hat mehrere Studien zum CO2-Fußbabdruck des Bitcoin veröffentlicht und verweist auch auf die Sicherheit, indem Transaktionen in einer langen Kette ("Blockchain") festgehalten werden. "Je mehr Energie verbraucht wird, desto sicherer wird es", sagte Gallersdörfer, "weil ein Angreifer viel mehr Energie aufbringen müsste und so viel mehr Rechenleistung zur Verfügung stellen müsste, um das System anzugreifen".

    Alternative: Kryptowährungen mit weniger Energieverbrauch

    Dass der Hype um Bitcoin bald wieder abklingen wird – und damit auch der Energieverbrauch sinkt –, ist angesichts der Aufmerksamkeit, die von Prominenten wie Tesla-Chef Elon Musk geschürt wird, erst einmal nicht zu erwarten. Musk schickte die Kryptowährung mit seinen Tweets zuletzt regelmäßig auf Berg- und Talfahrt.

    Umso wichtiger ist es aus Sicht von Experten, über umweltschonende Alternativen zum Bitcoin nachzudenken. Hier fallen beispielsweise Namen wie Cardano oder Polkadot. Auswahl dafür gäbe es jedenfalls genug, schließlich gehen Schätzungen inzwischen von mehreren Tausend Kryptowährungen aus, die am Markt vertreten sind.

    Zu "Possoch klärt": Zahlen wir bald alle nur noch mit Bitcoins?

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