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Der Bitcoin-Hype freut Kleinanleger.

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    Bitcoin-Hype freut Kleinanleger

    Innerhalb eines Jahres hat sich der Bitcoin-Kurs mehr als verachtfacht. Große Investoren und Firmen befeuern den Hype, was private Anleger freut, die schon länger mit dabei sind – darunter auch Studenten. Ein Besuch.

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    Von
    • Christian Orth

    Louis sitzt auf einem braunen Ledersofa, im Wohnzimmer seiner Vierer-WG in München-Schwabing. Auf der Fensterbank hinter ihm liegen zwei Harry Potter-Bücher, vor ihm steht sein Laptop auf dem Couchtisch. Wenn man den 27-Jährigen fragt, wie oft er die Kurse checkt, muss er lachen und sagt: "Viel zu oft, wirklich viel zu oft!" In "wilden Zeiten" bedeute das: direkt nach dem Aufstehen und direkt vor dem Einschlafen.

    Nach dem Bitcoin-Hype ist vor dem Bitcoin-Hype

    Kurz bevor die Zeiten in der Welt der Kryptowährungen zum ersten Mal wild wurden, ist der Management-Student eingestiegen: 2017. Louis studiert damals BWL an der TU München. Ein Freund von ihm investiert bereits in Bitcoin und erwartet große Gewinne für das Jahresende.

    Louis ist skeptisch, will abwarten. Der Freund lässt nicht locker, überweist ihm wenige Euro in eine Wallet, eine digitale Geldbörse. Louis kauft die ersten Bitcoin-Anteile – und der Freund behält Recht. Als Louis fünf Monate später wieder in die Online-Wallet schaut, ist er überrascht: Das Geld hat sich fast verzehnfacht.

    Drei Viertel seines Vermögens steckt der Student in Kryptowährungen

    Es ist der erste große Hype um den Bitcoin, der Anfang 2018 schlagartig vorbei ist. Aber Louis‘ Interesse ist geweckt. Seit 2019 investiert er den Großteil seiner Nebenverdienste als Freiberufler in Bitcoin, Ethereum und andere Währungen.

    Wie viele Anteile er besitzt oder welchen Wert seine Investments inzwischen haben – all das will er nicht beantworten, zumindest nicht konkret, weil es fast niemand in der Szene tut. Es sei jedenfalls ein großer Teil seines Vermögens, rund drei Viertel. 0,5 Bitcoin, sagt er schließlich schmunzelnd. Es ist die in der Szene gängige Antwort auf diese Frage, weil sie das Bedürfnis nach einer Zahl befriedige, aber doch keine richtige Antwort sei.

    Elon Musk als Bitcoin-Gallionsfigur

    0,5 Bitcoin – das wären aktuell rund 25.000 Euro. Zum Vergleich: Mitte April 2020 hätte Louis damit nur 3000 Euro Gegenwert gehabt. Ein Grund für den aktuellen Preisanstieg: immer mehr große Investoren und Firmen wie der Softwarekonzern Microstrategy oder der Autobauer Tesla steigen ein.

    Tesla hat über 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin investiert. Gründer Elon Musk sorgt mit Tweets längst für heftige Marktbewegungen – und bei Louis für funkelnde Augen: "Als Elon Musk getwittert hat, ist der Preis hochgeschossen. Das war ich natürlich live dabei."

    Kryptoszene entwickelt sich zur Subkultur

    Den Hype befeuern nicht nur Gallionsfiguren wie Elon Musk, sondern auch YouTuber. Auch Louis schaut regelmäßig Videos, um sich zu informieren. Dazu kommen Podcasts, Twitter, Reddit. Anhänger von Kryptowährungen sind längst nicht mehr nur von der Technologie fasziniert, sondern auch von der Subkultur mit eigenen Witzen, Codes, Memes.

    Dazu zählt Louis auch eine Whatsapp-Gruppe mit Freunden, "die alle prozentual sehr involviert sind". Allein dort würden "jeden Tag zehn Memes" verschickt – ein großer Spaß für Louis.

    Bitcoin als politisches Projekt

    Aber Bitcoin & Co. sind eben auch Projekte mit politischer Sprengkraft. Bitcoin-Gründer Satoshi Nakamoto, dessen Identität bis heute unbekannt ist, veröffentlichte sein Arbeitspapier damals vor dem Hintergrund einer Banken- und Finanzkrise als Antwort darauf. Louis‘ teilt die Abneigung gegenüber Banken, die "jederzeit den Daumen senken und das Konto schließen könnten". Bitcoin vermittle ihm auch ein Gefühl der Sicherheit und Freiheit.

    Freiheit, Sicherheit, Rendite – es sind die bekanntesten Argumente von Krypto-Fans. Der aktuelle Hype locke leider viele Betrüger an, sagt Louis, aber er gehe eben auch in die Breite – neulich habe sich seine Tante erkundigt, was es mit dem Bitcoin auf sich habe.

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