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Bitcoin - Keine Währung wie der Euro, aber digitales Spekulationsobjekt. "Kryptowährungen" erfahren steigende Aufmerksamkeit in der Finanzwelt

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    Bitcoin, Ethereum und Co.: Was sind Kryptowährungen?

    "Nerd Money" wurden Kryptowährungen wie der Bitcoin anfangs spöttisch genannt. Doch die "digitalen Münzen" gewinnen an Bedeutung. Die dahinter stehende Blockchain-Technologie könnte die Finanzwelt revolutionieren. Das BR24 Börsenglossar.

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    Von
    • Thomas Pösl
    • Jürgen Seitz

    Sie heißen Bitcoin, Ethereum, Ripple oder Litecoin. In Echtzeit können sie um den Globus geschickt oder als Wertanlage verwahrt werden. Die "Coins" (Münzen) werden von sogenannten "Minern" digital geschürft. Auf der ganzen Welt verteilt betreiben diese Miner Rechner, die unter teilweise hohem Energieaufwand komplizierte mathematische Puzzles lösen. So erschaffen und verwalten sie Werte wie den Bitcoin, die an Kryptobörsen im Internet gehandelt werden können.

    Die Blockchain als digitales Kassenbuch

    "Kryptowährungen" sind digital und mehr oder weniger dezentral. Ein weltweites Netzwerk an Minern und Nutzern, die zuhause digitale Knotenrechner betreiben, verwalten die Coins gemeinsam in einer riesigen digitalen Datenbank, der Blockchain. In dieser Kette aus Blöcken ist vermerkt, wem die digitalen Münzen, oder Bruchstücke davon, gehören. Die Miner und Knotenrechnerbetreiber kontrollieren sich gegenseitig und versuchen im Wettstreit Transaktionen zu prüfen und verifizieren. Für die erbrachte Leistung bekommen die Miner Belohnungen in Form von weiteren Coins. Eine Manipulation der Blockchain durch Einzelne gilt bislang als unmöglich. Dennoch drohen erhebliche technische Sicherheitsrisiken z.B. durch sogenannte "Quantencomputer" mit unvorstellbar hoher Rechenleistung. Der deutsche IT-Riese SAP sieht diese Quantencomputer kurz vor dem kommerziellen Einsatz und warnt: Wenn Quantencomputer erst einmal die heute verwendeten Verschlüsselungsverfahren knacken können, verlieren Blockchains ihre Unveränderbarkeit, meint Cedric Hebert, Senior Researcher bei SAP Security Research. „Wir könnten neuen Transaktionen in einer Blockchain, die nicht auf den Schutz vor Angriffen mit Quantencomputern ausgelegt ist, dann nicht mehr vertrauen". Zu erwarten ist ein Wettlauf zwischen Entwicklern von Quantencomputern und den Entwicklern von Verschlüsselungstechnik.

    Währung mit und ohne Zentralbank

    Der Wert von digitalem Geld wie dem Bitcoin berechnet sich allein durch Angebot und Nachfrage, Tag und Nacht kann er gehandelt werden. Keine Zentralbank der Welt hat Einfluss auf den im Zuge der Finanzkrise 2008 von einem Unbekannten erschaffenen Bitcoin. Die sogenannte "Währung" hat viele Anhänger nicht nur wegen der Funktion als Geldanlage. Vielen gilt Bitcoin auch als ein Gegenentwurf zum aktuellen Finanzsystem aus Zentralbanken, die mit ihrer Zinspolitik Volkswirtschaften beeinflussen. Doch auch die Zentralbanken erkennen zunehmend den Bedarf an einer Digitalversion von Geld. Es gilt als eine Frage der Zeit, bis auch die Europäische Zentralbank und andere einen digitalen Euro, Dollar oder Yuan herausbringen. Die werden allerdings nicht dezentral verwaltet, sondern stehen unter dem Einfluss der Währungshüter. An deren Digitalwährungen lassen sich auch Bedingungen knüpfen, wie zum Beispiel eine “Haltbarkeit” der Coins, um die Konjunktur anzukurbeln.

    Kauf und Aufbewahrung für Anfänger kompliziert

    Zurück zu "Kryptowährungen", die nicht von Zentralbanken ausgegeben werden. Diese zu kaufen und zu verwahren ist für Anfänger zunächst eine Herausforderung. Beim Kauf hilft die eigene Hausbank in der Regel nicht weiter. Interessenten müssen zum Beispiel bei einer Kryptobörse ein Konto eröffnen. Dort sind Coins erhältlich und lassen sich dort auch verwahren. Als sicherer gilt es aber, die Schlüssel zu den Coins auf eigene digitale Geldbörse zu laden. Das können Smartphone-Apps oder sogenannte “Cold Wallets” sein, kleine passwortgeschützte USB-Sticks, die man an den eigenen Rechner anschließt. In der Krypto-Community ist das beliebte Praxis, denn Coins können auch verloren gehen. So geschehen bei der türkischen Plattform Thodex, auf die Kunden plötzlich nicht mehr zugreifen konnten. Über den Anbieter wurden täglich "Kryptowährungsgeschäfte" im Volumen von Hunderten Millionen Dollar abgewickelt.

    Anlageform mit Risiko

    Zum Beispiel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Stuttgarter Börse für ihre Krypto-Handelsplattform finden sich 16 Seiten lange Basisinformationen zu den vielfältigen Risiken von Geschäften mit Kryptos. Nicht ohne Grund, denn dezentrale "Kryptowährungen" funktionieren ohne „man in the middle“, keine Bank steht zwischen Sender und Empfänger. Das bedeutet für Nutzer eine hohe Eigenverantwortung hinsichtlich der Verwahrung der digitalen Münzen. Ein angesammeltes Coin-Vermögen kann wertlos werden für diejenigen, die in technische Schwierigkeiten geraten und Zugangsdaten (Seed-Phrase) verlieren oder diese versehentlich an Internetbetrüger (Scammer) herausgeben. Bei "Kryptowährungen" ist bislang auch unklar, wie sie in Zukunft weltweit reguliert werden, mit dem Ziel Geldwäsche zu unterbinden und um nationale Währungen stabil zu halten. Gerade der Bitcoin konkurriert nämlich darum, eine neue globale Reservewährung zu werden. Im Mai ging die Türkei und vor kurzem auch China mit harten Maßnahmen gegen "Kryptowährungen" vor. Besitz- und Handelsverbote können jederzeit ausgesprochen werden, auch wenn sich das technisch nicht so einfach durchsetzen lässt, da Bitcoin Peer-to-Peer handelbar und zuhause auch auf einem einfachen Blatt Papier speicherbar ist. Zudem muss sich, wer mit Kryptos auf Plattformen handelt, mit Klarnamen registrieren. Nutzer müssen sich im Klaren sein, dass auch Staaten auf diese persönlichen Daten Zugriff erlangen können. Davon unbehelligt bleiben könnten diejenigen, die Kryptos offline verwahren, also die die Schlüssel zu den Coins von einer Online-Börse herunterziehen und sich die Zugangsdaten zu seinen Coins im extremsten Fall einfach auswendig merken. Das ist aber auch höchst riskant, die Zugangsdaten bestehen aus zwölf oder 24 Wörtern.

    Ein Fragezeichen gibt es hierzulande zudem noch bei der Besteuerung der Kryptowerte. Das Bundesfinanzministerium hat am 17. Juni 2021 in einem internen Schreiben Einzelfragen zur Besteuerung von "Kryptowährungen" konkretisiert. Demnach wird die für Wertpapieranlagen geltende Abgeltungssteuer NICHT greifen. Transaktionen mit Bitcoin müssten also in der Steuererklärung als private Veräußerungsgeschäfte deklariert werden. Im Ergebnis wird die Besteuerung dadurch sicher komplizierter und für Krypto-Spekulanten womöglich teuer.

    Und eine Garantie, dass "Digitalwährungen" im Wert steigen, gibt es auch nicht.

    Hohe Volatilität und Stromverbrauch

    Kritiker von Bitcoin und Co. bemängeln die hohe Volatilität von "Kryptowährungen" und verweisen darauf, dass Totalverluste möglich sind. Gerade im Fall des Bitcoins steht auch der Stromverbrauch durch die Miner im Fokus der Öffentlichkeit. Vielfach entstehe die "Währung" durch Kohlestrom, so der Vorwurf. Tesla-Gründer Elon Musk hatte aus diesem Grund die Bezahlmöglichkeit für seine Autos mit Bitcoin auf unbestimmte Zeit zurückgezogen. Der Kurs rutschte daraufhin in den Keller. In der Kryptoszene sorgte Musks Handeln für Ärger und Verwunderung. Die Vorwürfe des Stromverbrauchs bestreiten Anhänger von "Kryptowährungen" zwar nicht. Jedoch sei das kein Bug, sondern ein Feature. Durch die hohe Rechenleistung solle gewährleistet bleiben, dass Digitalgeld wie der Bitcoin unmanipulierbar bleiben.

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