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Bayerische Biotech-Standorte
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Bayerische Biotech-Standorte

Im oberbayerischen Penzberg, auf einer Fläche so groß wie 62 Fußballfelder, befindet sich eines der größten Biotech-Zentren in Europa. Früher als andere erkannte der Schweizer Roche-Konzern in den 1970er Jahren die Chancen der modernen Biotechnologie. Der Startschuss fiel 1973, als es gelang, ein fremdes Gen in ein Bakterium einzuschleusen. Mit dieser Methode konnten Bakterien gezielt zur Produktion bestimmter Proteine eingesetzt werden.

Neue Medikamente dank Biotechnologie

Inzwischen arbeiten am Standort Penzberg 6.200 Beschäftigte und produzieren Medikamente für Krebs- und Dialysepatienten. Besucher staunen über die großen Tanks aus Edelstahl, die bis zu 10.000 Liter fassen. Im Schichtbetrieb werden sie gefüllt, kontrolliert und zum Schluss auch wieder gereinigt. In diesen Fermentern wachsen zum Beispiel Mikroorganismen oder Zellen in einer Brühe für die Produktion von Biopharmazeutika. Das ist ein schnell wachsender Milliardenmarkt: Allein 2017 wurden in Deutschland 23 dieser neuen Medikamente zugelassen, so viele wie noch nie. Das Ganze erinnert etwas an das Brauereigeschäft. Und tatsächlich arbeiten im Reinraum auch ehemalige Bierbrauer und Molkereifachleute, neben studierten Biochemikern und Biologen.

Innovationen und Gründungen dank Biotechnologie

1995 wurde in Planegg-Martinsried das erste Innovations- und Gründerzentrum für die Biotechnologie in Bayern eröffnet, das IZB. Heute sind die Flächen ausgebucht; es gibt zwei Kindergärten, eine Chemieschule, ein Restaurant und ein Hotel. Außerdem gibt es jetzt einen zweiten Standort in Freising-Weihenstephan.

Industrielle Biotechnologie wird immer wichtiger

Neben der "roten" Biotechnologie mit Antikörpern, neuen Impfstoffen und Therapien wird in Bayern auch die "weiße" Biotechnologie immer wichtiger. Sie wird auch industrielle Biotechnologie genannt; dazu gehören auch nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien. So wird aus organischem Abfall Biomethan; oder Mikroorganismen ersetzen Erdöl. Die Farbe Weiß steht dabei für chemische Prozesse; aber die Grenzen sind fließend. Wacker Chemie in Burghausen produziert zum Beispiel Agrochemikalien und Lebensmittelzusatzstoffe.

Biotechnologie erstreckt sich über ganz Bayern

Das bayerische Netzwerk der Biotechnologie wächst immer weiter. Es reicht von Würzburg bis zum Biopark Regensburg, über Straubing bis nach Oberbayern, nach Weihenstephan, Martinsried und Penzberg im Süden. Einer, der von Anfang an mit dabei war, ist Professor Horst Domdey. Er steht seit mehr als 20 Jahren an der Spitze von BioM, das ist die Management-Agentur des Münchener Biotech-Clusters. Der große Vorteil damals sei es gewesen, dass die Branche in Bayern früher starten konnte als anderswo. Zu verdanken war das der Cluster-Initiative des Freistaats, den Universitäten und Forschungsinstituten. Junge Biotechnologiefirmen profitierten mehr als etablierte Unternehmen von den vorhandenen Netzwerken.

Die Biotechnologie-Firmen von damals sind heute Flaggschiffe

Und die Pioniere von damals – Micromet, Morphosys und Medigene – zählen inzwischen zu den Flaggschiffen der Biotechnologie. Micromet war so erfolgreich, dass es 2012 für 1,2 Milliarden US-Dollar vom US-Biotechgiganten Amgen übernommen wurde.

Die Branche boomt: Im Freistaat arbeiten inzwischen mehr Menschen in der Biotechnologie als für die Pharmaindustrie.

Die Branche boomt: Im Freistaat arbeiten inzwischen mehr Menschen in der Biotechnologie als für die Pharmaindustrie.