BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa-Bildfunk/Mike Morones
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Mike Morones

Biontech: Die stillen Milliardäre vom Tegernsee.

36
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Biontech-Investoren: Die stillen Milliardäre vom Tegernsee

Biontech produziert den ersten Corona-Impfstoff der in der westlichen Welt eingesetzt wird. In Deutschland soll es kurz nach Weihnachten so weit sein. Hinter der Firma stehen nicht nur die beiden Gründer – sondern auch zwei eher leise Investoren.

36
Per Mail sharen
Von
  • Peter Althammer

Es war ein spektakuläres finanzielles Risiko, das Thomas und Andreas Strüngmann, bei Biontech eingegangen sind. Sie hatten die Gründer dieses Biotech-Unternehmens jahrelang mit dreistelligen Millionen-Beträgen unterstützt. Jetzt sind sie mit dieser Investition um rund zwölf Milliarden Euro reicher geworden.

Zwillingsbrüder mit Unternehmergeist

Die Anfänge der außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte liegen am Tegernsee. Die Strüngmann-Zwillingsbrüder stiegen 1979 - nach einem erfolgreichem Studium der Betriebswirtschaftslehre (Thomas) beziehungsweise der Medizin (Andreas) - in das mittelständische Pharma-Unternehmen ihres Vaters, eines Augenarztes, ein.

Die Brüder erkannten und nutzten das große Potential der Produkte dieser kleinen Firma. Man stellte sogenannte "Generika-Präparate" her. Das sind Kopien von Medikamenten, deren Patentschutz abgelaufen ist. Diese Nachahmer-Präparate lassen sich günstiger als die Originale produzieren, weil der Aufwand für Forschung, Entwicklung und klinische Erprobung wegfällt.

Erfolgreich mit Generika-Präparaten

Mitte der 1980er Jahre gründeten Andreas und Thomas Strüngmann die Firma Hexal mit Sitz im oberbayerischen Holzkirchen und begannen mit der Generika-Herstellung im großen Stil. Ärzte verschrieben mittlerweile ihren Patienten immer häufiger Nachahmer-Präparate, weil diese im Vergleich zu den Originalmedikamenten bei gleichwertiger Qualität preiswerter waren. Die Krankenversicherungen konnten so ihre Kosten dämpfen. Der Verkauf der Hexal AG im Jahr 2005 machte die Zwillinge zu Milliardären.

Seit 2005: Investitionen in medizinische Gentechnik

Das hätte ihnen ein angenehmes Leben im Luxus ermöglicht. Doch Andreas und Thomas Strüngmann setzten sich mit den rund fünfeinhalb Milliarden Euro nicht zur Ruhe. Sie entschieden sich, hohe Summen in das junge Forschungsfeld der medizinischen Gentechnik zu investieren. Damals ein Wagnis, denn die Erfolgsaussichten waren unsicher, die Forschungs- und Entwicklungszeiten lange und insgesamt war das Thema Gentechnik in Deutschland nicht gerade populär. Doch die Brüder glaubten und glauben an die Technik und an den Standort Deutschland.

Etwa zur gleichen Zeit gründeten die Krebsmediziner Özlem Türeci und Uğur Şahin ihr erstes Unternehmen. Auf der Suche nach Risiko-Kapitalgebern kamen sie schließlich zur Münchner Wagniskapital-Firma der Strüngmann-Brüder. Im September 2007 präsentierten die beiden Wissenschaftler dem Betriebswirt Thomas Strüngmann ihr Startup namens "Ganymed". Das Unternehmen hatte das Ziel, ein neuartiges Krebs-Medikament zu entwickeln. Dazu setzten sie auf ein gentechnisches Verfahren mit Hilfe der sogenannte Boten-RNA (mRNA).

150 Millionen Euro Startkapital für die Biontech-Gründer

Die Präsentation war ein Riesenerfolg. Mit der außergewöhnlich hohen Summe von 150 Millionen Euro stiegen die Zwillingsbrüder und ihre Mitinvestoren bei "Ganymed" ein. Eine schnelle Entscheidung, wie sich Beteiligte erinnern. Nachdem Thomas kurz mit seinem Bruder Andreas telefoniert hatte, kam er zurück in den Besprechungsraum und sagte knapp: "Das machen wir". Der Grundstein für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den späteren Biontech-Gründern war gelegt.

2008 gründeten die beiden Krebs-Forscher dann ihr nächstes Startup: Biontech. Um einen Impfstoff gegen Viruserkrankungen ging es dabei nicht, sondern wieder um eine neuartige Krebs-Therapie. Als das Unternehmen im Oktober 2019 seine Aktien an der New Yorker Börse platzierte, wurde es mit 3,4 Milliarden US-Dollar bewertet. Insider gehen davon aus, dass sich knapp die Hälfte dieser Aktien im Besitz der Strüngmann-Zwillinge befinden.

2020: Die spektakuläre Investition zahlt sich aus

2020 dann die Sensation – es zeigt sich, dass die Biontech-Methode geeignet ist, einen Impfstoff gegen das Coronavirus herzustellen. Der Aktienkurs explodiert. Inzwischen wird Biontech mit rund 24 Milliarden US-Dollar bewertet und ist ein wichtiges Schlüsselunternehmen im weltweiten Kampf gegen Corona geworden. Thomas Strüngmann bezeichnete das später als "glücklichen Zufall".

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

© BR
Bildrechte: BR

Laut einer aktuellen Umfrage ist weniger als die Hälfte der Deutschen bereit sich impfen zu lassen. Das sind weniger als bei früheren Befragungen. Sie misstrauen dem neuen Impfstoff, obwohl es aus wissenschaftlicher Sicht keinen Grund gibt.