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Biogas – eine Branche zwischen Verunsicherung und Hoffnung | BR24

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Für viele bayerische Landwirte sind Biogas-Anlagen ein lukrativer Nebenverdienst. Doch die Anzahl der Biogas-Anlagen könnte in Zukunft abnehmen. Auf der Nürnberger Biogas-Messe berät die Branche, wie es weitergehen soll.

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Biogas – eine Branche zwischen Verunsicherung und Hoffnung

Die deutsche Biogas-Branche steht unter Druck: Für viele Anlagenbetreiber endet bald die 20-jährige Vergütung durch das "Erneuerbare Energien Gesetz" (EEG). Wie Landwirt Peter Hecht aus Mittelfranken suchen viele Landwirte neue Absatzmöglichkeiten.

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Viele Landwirte haben seit nun fast 20 Jahren Vergütungen aus dem "Erneuerbaren Energien Gesetz" erhalten. Mit Ablauf der 20 Jahre müssen sie sich neu orientieren und versuchen, die erzeugte Energie neu zu verwerten. Ein Ansatz: Mobilität statt Strom.

Ein Beispiel aus dem Landkreis Ansbach

Landwirt Peter Hecht hat 1999 seine erste Biogasanlage bei Wernsbach (Lkr. Ansbach) gebaut. Zunächst nur, um das Biogas aus Mist und Gülle für Strom und Wärme in seinem Schweinestall zu nutzen. Fünf Jahre später begann er, seine Anlage auszubauen und den Strom ins Netz einzuspeisen. Mit der Hitze, die am Motor entsteht, werden zudem 34 Häuser im nahe gelegenen Dorf beheizt. Die Vergütung für den produzierten Strom bezieht der Landwirt durch das Erneuerbare Energien Gesetz.

Was wird aus den Biogasanlagen?

Derzeit liegt diese bei etwa 20 Cent pro Kilowattstunde. Doch in fünf Jahren endet auch für ihn die garantierte Vergütungsphase durch das EEG. Er fürchtet, dass er am Strommarkt nur noch 15 oder 16 Cent bekommt. "Die Frage, die sich stellt, ist in der Tat: Was passiert mit diesen Anlagen? Ich sehe die ganz erhebliche Gefahr, dass ein nennenswerter Teil der Anlagen einfach abgeschaltet wird", sagt Robert Bugar, der Chef des Biogasanlagenherstellers agriKomp aus Merkendorf (Lkr. Ansbach). Neue Ideen seien gefragt.

Kohlendioxid durch Biomethan sparen

Lösungen hat sich die die Branche bereits ausgedacht. Statt Strom könnte auch Biomethan in das Gasnetz eingespeist werden und für Gas-Mobilität genutzt werden. Millionen Tonnen Kohlendioxid könnten nach Angaben des Fachverbands Biogas auf deutschen Straßen so eingespart werden.

"Wir können heute schon mit unserem Gas CO2-neutral fahren. Wir können das auch mit Bussen, Lkw und Schiffen. Das ist unser Zukuftsmarkt. Wir können alle Trecker der Landwirtschaft mit dem Mist der deutschen Tiere betreiben." Horst Seide, Präsident Fachverband Biogas e.V.

Kritik an der Nutzung von Biomethan für Mobilität kommt vom Bund Naturschutz: "Um aus Sonne und Wind eine sichere Versorgung zu machen, brauchen wir Unterstützung aus Batterien und aus dezentraler Kraft-Wärmekopplung. Biogas ist dezentrale Kraft-Wärmekopplung. Methan aus Biogas in Autos könnten wir machen, wenn wir sehr viel davon übrig haben. Das ist aber nicht so", so der Referent für Energie und Klima beim Bund Naturschutz, Herbert Barthel.

Kritik des Bund Naturschutz

Auch die Verwendung von Mais als effektivstem Energielieferant für Biogasanlagen sehen die Umweltschützer seit langem kritisch: "Wo sehr viel Mais angebaut wird, wird Grünland zurückgedrängt, werden andere Kulturen zurückgedrängt. Bienen und Insekten finden kein Futter mehr. Eine riesige Menge Erde wird in unsere Bäche und Flüsse geschwemmt und die Fische finden keinen Kies mehr zum Laichen," so Barthel.

Blumen statt Mais?

Forderungen, die beim Fachverband Biogas angekommen sind. Der Verbandschef sieht seine Branche sogar als möglicher "Retter der Bienen". "Wenn die Blume der Biene geholfen hat, können wir immer noch Energie draus machen. Klimamäßig betrachtet ist es ein Unding, diese Blume nicht zu ernten, sondern nur umzumulchen und verrotten zu lassen", so Verbandspräsident Horst Seide. Bezahlen müssten das aber wohl andere.

Landwirte dürften allein aus Gründen der Biodiversität schwer für die Idee zu begeistern sein, Blumen statt Mais anzubauen. Staatliche Förderungen wären auch hier nötig. Und auch Biogasanlagenbetreiber wie Peter Hecht sind noch nicht überzeugt. Die meiste Energie für die Gasproduktion liefert nach wie vor Mais, auch wenn bereits Versuchszüchtungen mit alternativen Pflanzen vorgenommen werden.

Plan B: Biogasanlage herunterfahren

Landwirt Peter Hecht verunsichert die aktuelle Lage. Er weiß nicht, ob es Sinn macht, weiter in seine Anlage zu investieren oder ob er in fünf Jahren eine unangenehme Entscheidung treffen muss: "Die Hoffnung besteht immer noch, dass sich was ändert. Aber wenn sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert, werde ich Plan B herausziehen. Das heißt: Die Anlage herunterfahren."

Eine Entscheidung, die wohl nicht nur der mittelfränkische Landwirt treffen würde. Viele der 2.500 Biogasanlagen in Deutschland stünden möglicherweise vor dem Aus. Dann würde dem deutschen Stromnetz flexibel einsparbare Energie fehlen. Und im Fall von Peter Hecht säßen sogar die Bewohner der 34 Häuser in Wernsbach, die von ihm mit Fernwärme versorgt werden, im Kalten.

Hoffnung aus Berlin

Hoffnung macht dem Verband aber unter anderem eine Aussage von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CSU): "Gas ist sexy", sagte er im Herbst zum Abschluss des Dialogprozesses "Gas 2030" in Berlin. "In Berlin hat man endlich realisiert, dass das Ziel, 65 Prozent des Strombedarfs bis 2030 aus erneuerbaren Quellen zu decken, nur mit Biogas zu erreichen ist", so Verbandschef Horst Seide.