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Bier-Pioniere: Vielfältige Braukunst im Chiemgau | BR24

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Sortenvielfalt in der Bierbraukunst im Chiemgau

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    Bier-Pioniere: Vielfältige Braukunst im Chiemgau

    Der gebürtige Schwabe Markus Lohner hat den Craftbier-Trend aus den USA an den Chiemsee gebracht. Eric Toft ist US-Amerikaner, der im Chiemgau zu einem innovativen Braumeister wurde. Beide widmen sich der Handwerkskunst des Bierbrauens.

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    Von
    • Susanne Wimmer

    Eric Toft stammt aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Wyoming. 1998 wird er Braumeister in Schönram, rund 40 Kilometer östlich des Chiemsees. Sein Diplom hat er in Weihenstephan gemacht. "Ich habe als Hobbybrauer angefangen als ich in Colorado studiert habe", erzählt Toft, "und ich habe mir gedacht, wenn es irgendwo auf der Welt geht, den Beruf Brauer zu erlernen, dann in Deutschland."

    "Rocky-Mountain-Mentalität" in Bayern

    Dabei sei er nicht mal auf Bayern fixiert gewesen, erzählt Toft: "Aber, dass die bayerische Mentalität der Rocky Mountain-Mentalität entspricht, das habe ich damals nicht gewusst." Das habe er erst im Studium erkannt, dass eigentlich das Volk gut zu ihm passe, oder er zum Volk."

    Als Student radelte Toft durch die Hallertau und versuchte, die verschiedenen Sorten zu erschnuppern. Später als Braumeister bittet er die Hopfenbauern, an den Dolden riechen zu dürfen. In einer Zeit, in der es beim Bierbrauen vor allem um Menge und Effizienz geht.

    Der Erntezeitpunkt ist entscheidend

    Beim Hopfen sei es wie beim Wein: eine große Rolle spiele das Terroir, also Standortfaktoren wie Klima und Bodenbeschaffenheit. Toft überlässt nichts dem Zufall, bestimmt über Direktverträge mit den Bauern den Erntezeitpunkt: "Wenn er zu spät geerntet wird, kann jeder Hopfen ein bisschen eine Zwiebel- oder Knoblauchnote entwickeln. Aber ich möchte halt den optimalen Zeitpunkt." Toft reizt auch das Experimentelle: ein Grünhopfenpils oder ein Bayerisch Pale Ale. Doch die Königsklasse ist für ihn das Helle. Dafür hat er schon internationale Preise nach Schönram geholt.

    Einmal ein eigenes Bier brauen

    Der gebürtige Schwabe Markus Lohner sammelte Ende der 80er Jahre seine ersten Erfahrungen in bayerischen Brauereien. Einmal ein eigenes Bier zu kreieren - das war schon damals seine Hoffnung. Aber so leicht ging es zunächst nicht: "Es war nicht unbedingt erwünscht, dass man hier mit Neuerungen kommt", erinnert sich Lohner, "als Antwort kam schon sehr oft: Das haben wir schon immer so gemacht und das machen wir auch weiterhin so."

    Karriereschritt als Braumeister in den USA

    2003 wird Lohner in den USA Braumeister des neugegründeten Hofbräuhauses Newport – und damit ändert sich alles: Jeden Monat darf er ein neues saisonales Bier brauen. "Zwölf Monate zwölf verschiedene Biere – die Chance hat eigentlich zu der Zeit nicht unbedingt jeder bayerische Braumeister gehabt", sagt Lohner.

    Von Newport nach Truchtlaching

    Kurz darauf macht sich Lohner als Brauerei-Anlagenbauer selbstständig. Als Firmensitz wählt er Truchtlaching, ein Dorf an der Alz. Dort zeigt er seinen Kunden, wie die Anlagen funktionieren. Lässt sie Testbiere brauen. Im Ort nehmen sie zunächst kaum Anteil – bis er nebenan eine Brauerei eröffnet. "Camba" wird eine der ersten deutschen Craft-Brauereien.

    Lohner experimentiert, braut Sorten wie Indian Pale Ale oder Amber Ale, die damals noch kaum jemand kennt. "Auf einmal hat mich dann ein jeder gekannt auf der Straße", erzählt Lohner. "Erst da habe ich dann mitbekommen was für einen Stellenwert eine Brauerei in Bayern hat. Das war vom Bekanntheitsgrad von 0 auf 100."

    Schon 250 verschiedene Sorten gebraut

    Den Hopfen für seine Spezialbiere ordert Lohner nur zum Teil in der Region. Er kauft ganz gezielt auch am Weltmarkt ein - in den USA oder in Neuseeland. Bis heute haben Lohners Braumeister etwa 250 verschiedene Sorten gebraut. Europaweit gilt die Kreativbrauerei am Chiemsee als Musterbeispiel für Sortenreichtum.

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