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Digitalisierung macht es möglich: Vorstellungsgespräch via Video-Telefonat.

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    Bewerbungen nach Corona – Was gilt es zu beachten?

    Die Gastro öffnet, das neue Ausbildungsjahr beginnt bald, und vielerorts werden wieder Arbeitsplätze vergeben. Aber neben der Freude gibt es auch Unsicherheiten: Was sieht der Corona-Knigge beim Vorstellungsgespräch vor? Zwei Expertinnen berichten.

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    Von
    • Hanna Heim

    Gepflegtes Aussehen, eine aufgeschlossene Art und genügend Zeit – diese drei magischen Dinge beeindrucken Personalerinnen und Personaler bei einem Bewerbungsgespräch auf jeden Fall. Und zwar egal, ob digital oder analog. Das sagt zumindest Andrea Bodner. Sie ist die Ausbildungsleiterin der Webasto Gruppe, dem Autozulieferer, bei dem im Januar 2020 die ersten Coronafälle in Bayern auftauchten.

    Insofern habe sich durch Corona bei den Bewerbungsgesprächen gar nicht so viel verändert, sagt Bodner. Es zählen noch immer der erste Eindruck und das echte Interesse an einer Anstellung. Was allerdings komplett weggefallen ist, sind die Treffen vor Ort. Unzähligen Bewerberinnen und Bewerbern ist deshalb der erste Eindruck von der Belegschaft, von den Gebäuden und – für die Atmosphäre ganz zentral – der Kantine verwehrt geblieben. "Diese Hürde zu überwinden, war schon manchmal eine Herausforderung", erzählt Bodner.

    "Wir sind lockerer geworden"

    Doch das ändert sich. Am 1. September werden zum ersten Mal wieder Auszubildende ihren Einstand auf dem Webasto-Gelände in Stockdorf feiern. Für sie alle war der Weg dorthin ähnlich aufregend und neu wie für Bodner selbst: "Durch die Digitalisierung mussten auch wir unsere Bewerbungsgespräche umstellen", erzählt sie. Aber man habe viel dazugelernt: "Wir sind dadurch deutlich lockerer geworden. Wir wollen auch in Zukunft die ersten Gesprächsrunden per Videotelefonie führen. Das erspart einfach allen Beteiligten unglaublich viel Zeit."

    Was sich anhört wie die Rückkehr zur Normalität ist bei vielen Unternehmen auch mit Unsicherheiten verbunden. So berichtet es Christina Zens vom Jobcenter München. Sie leitet ein Jobvermittlungs-Team, das vor allem Menschen unter 25 Jahren den Weg in eine Ausbildung oder einen Beruf ebnen will.

    Keine offizielle Richtlinie für Bewerbungsgespräche

    Da es aktuell keine Verordnung oder Ähnliches zum Thema Bewerbungsgespräche gibt, versucht nach Zens‘ Erfahrung jedes Unternehmen einfach, die Situation bestmöglich zu gestalten. "Alle sind froh, dass es endlich wieder vorwärtsgeht", erzählt sie. Generell könne man sagen: Je kleiner der Betrieb und je weniger spezialisiert der zu vergebende Job ist, desto eher werden die Bewerbungsgespräche vor Ort geführt.

    Gerade in den Branchen, die jetzt, mit dem Ende des Lockdowns, dringend und schnell neue Kräfte brauchen, wollen laut Zens viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber erst ein persönliches Gespräch führen. Also vor allem in den Hotels und Gaststätten, aber auch bei den Handwerksbetrieben und in den Sicherheitsunternehmen.

    Tests sind die Ausnahme

    Dass vor solchen Gesprächen negative Corona-Tests verlangt werden, sei die Ausnahme, erzählt die Jobcenter-Fachfrau. Trotzdem rät sie eindeutig dazu, bei solchen Terminen eher vorsichtig zu sein – einerseits, um allen Beteiligten größtmögliche Sicherheit zu geben, aber auch, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Denn die AHA-L-Regeln sind in den vergangenen Monaten zum Standard geworden. Sich nicht an Abstand, Maske, Hygiene und Lüften zu halten – das wäre fast so, als würde jemand den Chef oder die Chefin gleich am ersten Tag duzen.

    Zens erzählt aber auch vom anderen Extrem: Bei vielen jungen Menschen sei Angst ein großes Thema gewesen. Angst davor, dass nach dem Bewerbungsgespräch das Coronavirus auf die eigenen Eltern daheim übertragen werden könnte. "Da mussten wir viel begleiten", erzählt Zens. "Und die jungen Leute gezielt vorbereiten, damit sie entweder das Risiko minimieren oder um dafür zu sorgen, dass das Bewerbungsgespräch doch digital stattfindet, obwohl der Arbeitgeber das nicht vorgeschlagen hat."

    "Vorsicht ist aktuell das Maß der Dinge"

    Grundsätzlich sei es wichtig, so Zens, die Bedürfnisse und Ängste des Gegenübers unkommentiert zu akzeptieren und sich danach zu richten: "Vorsicht ist aktuell das Maß der Dinge." Soll heißen: Wenn der Arbeitgeber vorab einen Test vorgelegt bekommen will, sollte man den auch machen lassen, am besten in einem Testzentrum. Dann fallen auch keine Kosten an. Wenn die Chefin konsequent körperliche Distanz wahrt, sollte jeder und jede das respektieren und darauf Rücksicht nehmen.

    Und andersrum gilt das genauso, sagt Andrea Bodner, die Ausbildungsleiterin des Autozulieferers Webasto: "Wir sagen unseren Bewerberinnen und Bewerbern auch: Wenn jemand aus den höheren Etagen vergessen sollte, dass wir aktuell nicht die Hände schütteln, dann sollte das ohne Umschweife gesagt werden." Auch, wenn viele von ihnen am ersten Tag noch aufgeregt sein werden.

    Und genau deshalb empfiehlt Bodner vor allem Transparenz. Eine kurze Verständigung über die eigenen Corona-Gefühle, direkt nach der Begrüßung: "Bei uns werden die Corona-Regeln vorab kommuniziert, damit alle Unsicherheiten ausgeräumt sind." Bei Webasto werden auch alle einen negativen Test vorlegen müssen. Dieses Onboarding, wie Bodner es nennt, soll allen Beteiligten einen richtig guten Start in das lang ersehnte "New Normal" ermöglichen.

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