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Online einkaufen: wenige Klicks - und kurze Zeit später wird das Paket geliefert. Die Schattenseiten: Betrüger locken im Internet mit vermeintlich tollen Angeboten - das Paket kommt nie an - denn Shop und Ware gibt es gar nicht.

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Betrug im Netz: Wie man sich vor Fakeshops schützt

Online-Shopping liegt im Trend. Immer mehr Menschen kaufen im Internet ein. Doch es häufen sich Fälle von Online-Betrug. In Fakeshops locken Täter mit falschen Angeboten. Der Kunde erhält billige Kopien oder gar nichts und das Geld ist weg.

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Von
  • Leonie Thim

Während der Corona-Pandemie haben Straftaten im Netz stark zugenommen. Allein in Bayern registrierte die Polizei im vergangenen Jahr rund 35.000 Online-Straftaten. Das sind deutlich mehr als im Jahr zuvor. Mit gefälschten Anzeigen und gefälschten Onlineshops nutzen Kriminelle das vermehrte Online-Shopping der Bevölkerung, um sich zu bereichern. Aber auch für Firmen kann es gefährlich werden, wie ein Beispiel aus Oberbayern zeigt.

Gefälschte Anzeigen in sozialen Netzwerken

In gefälschten Anzeigen in sozialen Netzwerken war vor einigen Wochen Folgendes zu lesen: Angermaier Trachten aus München sei pleite und müsse alle Restbestände günstig verkaufen. Doch die Behauptung war falsch. Die Bilder auf der Internetseite waren geklaut und der Online-Shop billig kopiert.

Der Geschäftsführer von Angermaier Trachten, Axel Munz, zeigte die gefälschten Anzeigen bei Facebook an. Zunächst wurde manch falscher Shop geschlossen, machte dann aber unter neuem Namen wieder auf. Für Angermaier Trachten bedeutete das einen drohenden Imageverlust.

"Ich war natürlich total konsterniert, also geschockt. Ich hatte sehr viele Leute, die mich gleich angeschrieben haben und angerufen und gesagt haben: 'Was ist denn mit euch los?' Weil es war ja auch ein Bild von mir und darüber stand, dass wir quasi aufhören." Axel Munz, Geschäftsführer Angermaier Trachten

Die gesamte Bekleidungsbranche leidet unter der Corona-Pandemie. Einkaufen war zum Teil nur noch online möglich. Daraus entstand eine Betrugsmasche. "Das war am Anfang nicht wegzukriegen", sagt Axel Munz. "Wir haben es zwar gemeldet, gemeldet, gemeldet, aber das hat Facebook und Instagram nicht interessiert im ersten Moment."

Laptop bestellt - und nichts wird geliefert

Marlene Ruß aus München ist als Kundin auf den Online-Fakeshop "Elasticar" hereingefallen. Im Jahr 2017 hatte sich die damalige Studentin einen Laptop im Netz bestellt – doch am Ende kam keine Ware. "Ich war unheimlich verunsichert und ich war auch wütend, weil ich es nicht verstehen konnte, dass jemand einfach so dreist Leute betrügt und man nichts dagegen machen kann", erzählt Marlene Ruß. Doch sie wollte den Betrug nicht einfach so hinnehmen und zeigte den falschen Shop an, in der Hoffnung, ihr Geld zurückzubekommen.

Unter anderem die Polizei München ermittelt in Online-Betrugsfällen. Doch die Aufklärung ist nicht immer leicht. "Die Polizei macht alles, was in ihrer Macht steht", sagt Cem Karakaya. Er ist langjähriger Interpol-Mitarbeiter und Präventionsexperte der Münchner Polizei. Schwierig werde es jedoch, wenn die Täter im Ausland seien. Denn im Bereich Cybercrime lasse sich man das "Tatort-Prinzip" nicht ohne weiteres anwenden. "Mein Opfer sitzt in Deutschland, der Server liegt in China und der Täter sitzt in Russland. Was erwarten Sie von Ihrer Polizei?", beschreibt es Cem Karakaya.

Internetkriminalität wird oft nicht angezeigt

Ein Problem sei auch, dass ausländische Behörden nicht immer mit deutschen Ermittlern zusammenarbeiten. Trotzdem sollte man es bei der Polizei anzeigen, wenn man auf falsche Angebote im Internet hereingefallen sei, empfiehlt Cem Karakaya. Im Jahr 2019 registrierte die bayerische Polizei mehr als 29.700 Online-Straftaten. 2020 waren es mehr als 35.000 und damit etwa 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den Delikten im Internet wurde zum Beispiel online bestellte Ware nicht geliefert oder gelieferte Ware nicht bezahlt. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Viele Straftaten im Netz würden immer noch nicht angezeigt.

In Bayern hat sich die Polizei für die Ermittlungen von Online-Kriminalität gerüstet. Seit März fahren Ermittler mit einem neuen Cyber-Labor auf vier Rädern zu den Tatorten. So können sie Daten von Handys und Laptops schneller aufzeichnen, was die Ermittlungen erleichtert und beschleunigt. Cem Karakaya erklärt Verbrauchern, wie sie sich vor Internetkriminalität schützen können.

So lassen sich Fakeshops oft erkennen

  • Möglichkeiten der Bezahlung: Nur Vorkasse ist schlecht. Man zahlt, bekommt vielleicht keine Ware. Das Geld ist weg.
  • Adresse der Website: Ist sie tatsächlich vom Anbieter? Gibt es Buchstabendreher oder Rechtschreibfehler? Wenn ja: Finger weg!
  • Impressum: Gibt es überhaupt ein Impressum? Gibt es einen Kontakt zum Shop? Wenn ja: einfach mal eine E-Mail hinschreiben und abwarten, ob jemand antwortet.
  • Preis: Wird die Ware viel zu billig angeboten, sollte man stutzig werden.

Anzeige kann sich lohnen

Auch Marlene Ruß erstattete Anzeige. Drei Jahre später wurden die Betreiber des Fakeshops gefasst – und sie bekam ihr Geld zurück. "Ich war absolut außer mir, ich hab' mich unheimlich gefreut", sagt Marlene Ruß. Es habe sich also gelohnt, den Online-Betrug anzuzeigen.

Der Trachtenhändler Axel Munz sieht das ähnlich. Sein Kampf gegen die gefälschten Anzeigen scheint momentan gewonnen. Zwar sind die Täter nicht gefasst. Aber zumindest tauchen keine neuen Fakeshops mehr auf, die angeblich seine Trachten anbieten.

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