Zurück zur Startseite
Wirtschaft
Zurück zur Startseite
Wirtschaft

Bern gegen Brüssel: Handel mit Schweizer Aktien auf Eis | BR24

© Felix Lincke, BR

Seit Juli dürfen Schweizer Aktien in der EU nicht mehr uneingeschränkt gehandelt werden. Das müssen Anleger jetzt wissen...

2
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bern gegen Brüssel: Handel mit Schweizer Aktien auf Eis

Die Börse als Druckmittel: Die Schweiz will ein Abkommen mit der EU nicht umsetzen. Darum liegt der Börsenhandel mit Aktien aus der Schweiz nun auf Eis. Im Gespräch mit dem BR gibt ein Vermögensverwalter Tipps, worauf Anleger achten sollten.

2
Per Mail sharen
Teilen

Nicht nur mit Großbritannien liegt die EU im Streit um ein Rahmenabkommen, das zum Beispiel den künftigen Handel regeln soll. Auch die Schweiz will ein Abkommen mit der EU nicht umsetzen. In Brüssel schloss man weitere Nachverhandlungen mit Bern nach fünf Jahren aus und zog erste Konsequenzen: Der Börsenhandel mit der Schweiz liegt seit Juli auf Eis.

Nestlé, Novartis, Roche: Derzeit keine Empfehlung?

Aktien bekannter Schweizer Konzerne wie Nestlé, Novartis oder Roche sind Standardwerte in vielen Depots und derzeit dennoch keine Empfehlung. Denn wer sie kaufen und verkaufen will, kann bei seiner Hausbank vor unlösbaren Problemen stehen. Entnervt von der Brexit-Verhandlungen mit den Briten hat die EU sich gegenüber der Schweizer Börse hart gezeigt. Wegen eines fehlenden Rahmenabkommens, dessen Umsetzung die Schweiz verzögert, wurde die sogenannte "Börsenäquivalenz" beendet. Das bedeutet: Aktienhändler aus den EU-Staaten dürfen an der Schweizer Börse nur noch eingeschränkt Geschäfte machen.

Schweizer Aktien nur noch über Schweizer Handelsplätze

Will man zum Beispiel die Aktie des Schweizer Unternehmens Novartis kaufen, kann man die Anteilsscheine nicht mehr an der Frankfurter Wertpapierbörse, über Gettex, Tradegate oder ähnlichen deutschen Handelspätzen zu den üblichen Konditionen seines Brokers erwerben. Stattdessen bekommt man die Aktie nur noch über Handelsplätze in der Schweiz oder im Direkthandel (OTC).

Schweiz wehrt sich mit hohen Gebühren

Wer Schweizer Aktien bereits hat, muss sie vor einem möglichen Verkauf erst in die Schweiz schaffen lassen, und dafür hohe Gebühren bezahlen. Wegen der fehlenden Preistransparenz kann es bei der Umrechnung von Schweizer Franken in Euro zu ungünstigen Kursen kommen. Dieser Zustand wird noch mindestens bis Ende des Jahres anhalten.

Tipps vom Vermögensverwalter: Aktien über ETFs

Für viele Kunden und deren Broker besteht keine Möglichkeit, die Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. Der Vermögensverwalter und Gründer des Finanzdienstleisters Scalable Capital hat deshalb einen Tipp für Anleger:

"Für Privatanleger kann es günstiger sein, Schweizer Aktien über börsengehandelte Fonds, sogenannte ETFs, aufzubauen. Das sind Aktienindizes, die entweder rein den Schweizer Aktienmarkt, den europäischen, oder den globalen Markt abbilden. Und diese Fonds sind vom Handelsstopp in der EU kaum betroffen." Erik Podzuweit, Vermögensverwalter und Gründer des Finanzdienstleisters Scalable Capital

Laut dem Experten hätte das einen großen Vorteil: Bei börsengehandelten Fonds werden meist lediglich die Anteilsscheine des Fonds ausgetauscht. Die zugrunde liegenden Aktien müssen dafür aber nicht bewegt werden.

💡 Was sind ETFs?

Ein "Exchange-traded fund" (ETF) oder auf Deutsch "börsengehandelter Fond" bildet einen Aktienindex ab und wird über die Börse gehandelt. Weil niemand aktiv eingreift, entfällt das teure Management. Das Ziel: Genau die Rendite, die auch der Index erzielt. Beispiel Dax: Ein ETF würde nur Aktien der dort notierten Unternehmen enthalten und sich im Wert auch wie der Dax entwickeln. (Erklärt von Johannes Lenz, BR24-Wirtschaft)